Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1937)
- Article
- Die Finanzbasis des projektierten Judenstaates
- Date
- 1937-12-01
- Page
- Seite 617 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2379786-2379953-2379965-2413053--26426-2413218- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jahre Regierungseinnahmen nach Finanz- Jüdische Einwanderung der jähren (April/März) entsprechenden Kalenderjahre £P Personen 1927/31...... 2,405.600 3.800 1932/33 ...... 3,015.900 9.600 1933/34 ...... 3,985500 30.300 1934/35 ...... 5,452.600 42.400 1935/36 ...... 5770.500 61.900 1936/37 •...... 4,660.800 29.700 H 937/38)*.....(4,500.000) (12.000) Aus diesen Ziffern ergibt sich einmal der starke unmittelbare Einfluß der jeweils vor sich gehenden Einwanderung auf die Regierungseinnahmen und darüber hinaus eine dauernde Einwirkung der vergangenen Einwanderung auf das Einnahmenniveau der Regierung. Obwohi im laufenden Jahre die Einwanderung nicht sehr wesentlich über dem Niveau des Jahres 1932 liegen dürfte und auch die Regierungseinnahmen unter dem Druck der Depression geraten sind (während das Jahr 1932 im Zeichen des Konjunkturanstieges stand), werden die öffentlichen Einnahmen des Jahres 1937/38 dennoch um etwa die HäHte über denjenigen des Jahres 1932/33 liegen. Schematisch betrachtet kann in Anbetracht der Tatsache, daß sich die Regierungseinnahmen gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 1927/31 verdoppelt haben, gesagt werden, daß diese zur Hälfte vom Bevölkerungszuwachs seit 1931, bzw. durch die von ihm ausgehenden wirtschaftlichen Anregungen und Auswirkungen getragen werden (obwohl sich die Bevölkerung seitdem nur um knapp 30% erhöht hat). Aus dieser Allgemeinbetrachtung ergibt sich, daß der projektierte Jüdische Staat, vier — zwar begrenzte — aber nach den bisherigen Maßstäben, doch erhebliche Einwanderungsmöglichkeiten bietet, mit einem starken Auftrieb der Regierungsfinanzen rechnen kann. Wenn auch die künftige Einwanderung wahrscheinlich weniger kapitalskräftig als diejenige der Jahre 1933/35 sein dürfte, so kann sich dadurch das Ausmaß Jos Auftriebes abschwächen. Es ist in dieser Beziehung aber zu berücksichtigen, daß Jas palästinensische Finanzaufkommen nicht durch Kapital- und Einkommensteuern, sondern im wesentlichen durch Zölle, Verbrauchssteuern, Verwaltungsgebühren und osteinnahmen eingebracht wird, die einer Massenbesteuerung gleichkommen und daher ich: in erster Linie vom Kapitalbesitz der einwandernden Schichten abhängen. Das gegenwärtige palästinensische Finanzsystem, das annähernd zur Hälfte der Hinnahmen auf den Zöllen beruht, dürfte sich zunächst zur Beibehaltung empfehlen. Ks entspricht der Struktur wirtschaftlich wenig entwickelter Länder, die einen großen l'cil ihres Warenbedarfes gegen den Export von Ag rar Produkten und Rohstoffen importieren und daraus große Zolleinnahmen gewinnen (im Falle Palästinas wird der Im- Port nicht durch Agrarprodukte- und Rohstoffexporte, sondern zu einem großen Teil ^•:rch Kapitalreexport ausgeglichen). Palästina kann mit einer Zolleinnahme, die nur , '"wa 16% des gesamten Importes ausmacht, ungefähr die Hälfte seines Budgets decken; :'nlich liegen die Verhältnisse in Ägypten, dessen Ausgaben bei allerdings wesentlich '«Hören Zollsätzen ebenfalls zur Hälfte durch Zolleinnahmen gedeckt werden. In hoch- 'wickelten Ländern, bei denen nur Spitzenmengen der Produktion und des Bedarfes Außenhandel durchlaufen, ist ein derartiges Finanzsystem unmöglich. Der gesamte : fische Import erreicht nicht einmal die Höhe des Einnahmen- und Ausgabenbudgets. Staatsausgaben der USA. übersteigen das Importvolumen um das Mehrfache, in beeren hochentwickelten Ländern ist die Situation ähnlich. Das wirtschaftspolitische Schätzung nach den bis September 1937 vorliegenden Ziffern.