Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 11 (November 1937)
- Article
- Der Mufti geflohen : der Terror geht weiter [Nachricht]
- Date
- 1937-11-01
- Page
- Seite 573 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Im Süden wie im Norden kam es zu regelrechten Gefechten mit Trupps Aufständischer, die schwere Verluste erlitten. Eine größere Aktion von 2000 Mann richtete sich gegen das »blutige Dreieck« Tul Kann—Nablus—Dschenin, das von Aufständischen gesäubert werden soll. Weitere Gegenmaßnahmen der Regierung sind: Verhängung des Ausnahmezustandes in Jerusalem vom 15. bis 19. Oktober, Sperre der syrischen Grenze am selben Tage, Verlegung von Polizeiposten in aufrührerische Ortschaften zu Lasten der dortigen Ortsverwaltung (Gaza, Nablus), Verhängung von Kontributionen (Daharija 2000 £P in Getreide und Vieh), Sprengung von Häusern sowie Massenverhaftungen von Aufständischen und Verantwortlichen für die Anschläge. Derzeit dürften sich gegen 750 Anhänger der Extremisten im Konzentrationslager in Akko befinden, von denen 370 in den letzten drei Wochen eingeliefert wurden. Viele der Angehaltenen sind Scheichs, Ulemas und Kadis (Friedensrichter). Die moderne Ausrüstung und Organisation der Aufständischen, die von einem in Damaskus befindlichen Komitee geleitet werden, zeigt sich in der Auffindung zahlreicher Waffen und eines Geheimsenders. Der Terror forderte unter den Juden elf Todesopfer — eines davon ist A b i n o a m Y e 11 i n, Leiter des hebräischen Erziehungsdepartements der Regierung. Yellin war ein hervorragender Kenner der arabischen Sprache und Kultur, hatte in Cambridge studiert, war wie keiner geeignet, das Werk der Annäherung und späteren Versöhnung zwischen Juden und Arabern zu fördern. Er genoß das Vertrauen der Engländer. Sein allgemein betrauerter Tod hat eine Lücke hinterlassen, die schwer auszufüllen sein wird. Ferner fielen zwei britische Polizisten, zwei britische Soldaten und 24 Araber, wobei die Gesamtverluste der Aufständischen freilich nicht bekannt sind. Die jüdischen Siedlungen sind täglich Feuerüberfällen und Brandstiftungen ausgesetzt. Besonders blutige Opfer forderte am 7. November ein Feuerüberfall auf Feldarbeiter bei Migdal (Kolonie Kirjath Anavim), nördlich von Jerusalem. Fünf Mitglieder der Kwuzah Baamaleh fielen dort bei der Verteidigung ihres Bodens. Verhängung des Kriegsrechts* Wegen des Überfalles auf Kirjath Anavim wurde in Jerusalem am 8. November der Ausnahmezustand verhängt und für den 15. November die Verhängung des Kriegsrechts angekündigt. Gebrauch von Waffen, Besitz von Bomben, Verübung von Sabotageakten, Einschüchterungsversuche und sonstige Anschläge sollen künftig mit dem Tode bestraft werden. Für solche Straftaten sollen künftig Militärgerichte zuständig sein. Die Militärgerichte setzen sich aus drei Offizieren zusammen. Der Oberkommandierende allein entscheidet über Appellationen. Die Zuständigkeit der ordentlichen Gerichte wird dadurch nicht berührt. In dieser Zeitschrift Nr. 10, Seite 522, Absatz 2, wurde dies bereits gefordert. Erklärungen des Kolonialsekretärs. In Beantwortung einiger Fragen teilte der Kolönialsekretär am 21. Oktober im Unterhaus mit, daß nach den Beschlüssen des Rates und der Versammlung des Völkerbundes die britische Regierung sich für berechtigt erachte, die nötigen Untersuchungen einzuleiten, um einen endgültigen Dreiteilungsplan auf der Basis der allgemeinen Richtlinien des Peel-Berichtes auszuarbeiten. Es bestehe die Absicht, einen weiteren Sonderausschuß mit den Untersuchungen in Palästina und der Vorbereitung von Vorschlägen betreffend eine Dreiteilung des Landes zu beauftragen. Der fertige Plan werde dem Rat und der Versammlung des Völkerbundes unterbreitet werden. Er glaube nicht, daß die Empfehlungen der nach Palästina zu entsendenden Kommission einem gemeinsamen (select) Komitee des Ober- und Unterhauses unterbreitet würden. Es würde bedeuten, daß eine große Anzahl von Zeugen aus Palästina nach England kommen müßten, was Zeitverlust nach sich zöge.