Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1937)
- Article
- [Rezension] / b.
- Date
- 1937-10-01
- Page
- Seite 538 (sequence 1)
- Language
- German
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538 BESPRECHUNGEN. Weizmann, Reden und Aufsätze. Ausgewählt und eingeleitet von Gustav Kroj a n k e r. Mit einem Porträt. Herausgegeben von der Hitachduth Olej Germania, Tel Aviv 1937, 334 Seiten. — Der glückliche Gedanke, eine Auswahl der Reden Weizmanns aus den 35 Jahren seiner Tätigkeit herauszugeben, hat die zionistische Literatur um ein wichtiges Werk bereichert. In seiner vortrefflichen Vorrede sagt Krojanker sehr richtig, daß Reden zionistischer Führer nicht nur politischen und parlamentarischen Wert haben, sondern daß es bei den Juden immer wieder gilt, das Volk erst zu bilden, in dessen Namen man auftreten kann. Weizmann, der aus dem Cheder kam und eine Zierde der europäischen Wissenschaft wurde, niemals berufsmäßiger Politiker oder Diplomat war oder sein wollte, hat sich durch Intuition zu dem großen Staatsmann der Juden entwickelt, der als solcher von den Führern der politisch reifsten Nation aufs höchste geschätzt wird. Zugleich hat er aber die mühevolle und undankbare Aufgabe gehabt, dem gequälten, unruhigen, leidenschaftlich verlangenden, irreal denkenden Volke klar zu machen, daß ihn bei seinen Verhandlungen nur positive Leistungen legitimieren können und alle politischen Erfolge entwertet werden, wenn die Juden sie nicht durch reale Taten rechtfertigen. Er hat es nicht leicht gehabt. Die Unzufriedenheit des Volkes darüber, daß er nicht alle Forderungen durchsetzen konnte — obwohl es ihm nicht die Mittel gab, die zur Führung eines politischen Feldzuges nötig sind — seine Erbitterung darüber, daß in der realen Welt nicht mit Wortradikalismus und Dogmatismus — durch die man nur sich selbst, aber nicht den Partner täuscht — Erfolge zu erzielen sind, das mußte Weizmann entgelten und es einmal erleben, daß man ihn, den einzigen wahren Staatsmann, den das jüdische Volk heute besitzt, »stürzte« und vier Jahre lang von der Führung fernhielt. Er selbst aber wirkt dadurch auf dem politischen Felde, daß er kein Doktrinär ist und gerade deshalb hat er bei den englischen Politikern Verständnis gefunden. Die gesammelten Reden Weizmanns besitzen, um wieder mit Krojanker zu sprechen, dessen Vorrede in meisterhafter Weise Gestalt und "Wirken Weizmanns umreißt, erzieherische Kraft, als die eines Mannes, in dem »Gedanke und Wirklichkeit, das Visionäre und das Realpolitische, sich zu so wundervoller Einheit verbunden haben«. Das Buch ist mit einer Photographie Weizmanns von Lou Landauer geschmückt, die wohl als die beste bezeichnet werden kann, die wir von ihm besitzen. b. Von Pinsker bis Weizmann. Im Kampf für eine Idee. Von Fritz Cohn, Joachim-Goldstein-Verlag, Berlin 1937, 104 Seiten. — Der Verfasser will eine Anzahl von kurzen Porträts zionistischer Führer geben. Es sind aber nur flüchtige Skizzen "in jouraaistischer und unkritischer Art. k. 1. A. D, Gordon. Auswahl aus seinen Schriften. Nach der von N. T r a d j o n und . E. Schochat bearbeiteten hebräischen Ausgabe, Übersetzung von Victor Kellner. Mit einem Porträt Gordons. Jüdischer Verlag, Berlin 1937, 292 Seiten. — Da die im selben Verlag vor Jahren erschienene kleine Auswahl aus den Schriften Gordons schon lange vergriffen ist, ist diese neue umso willkommener, als sie ein sehr vollständiges Bild der einzigartigen Persönlichkeit Gordons gibt. Der deutsche Leser, der über sie bisher nicht genügend unterrichtet war, wird bei der Lektüre des 3uches mit Staunen erfahren, daß nicht nur die menschliche Größe des Mannes und seine führenden, in die Tai umgesetzten Gedanken über das, was dem jüdischen Volke nottut, bewunderungswürdig sind, sondern daß auch seine Philosophie, die mehr wie jene der Theoretiker der sogenannten »Lebensphilosophie« eine solche des Lebens war, in ihrer Originalität noch viel unausgeschöpfte fruchtbare Gedanken enthält. Es scheint, daß die Bedeutung Gordons für die jüdische Renaissance und für die Mensch-