Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1937)
- Date
- 1937-08-01
- Page
- None (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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PALÄ STINA ZEITSCHRIFT FÜR DEN AUFBAU PALÄSTINAS XX-Jahrg. August—September 1937 Nr. 8/9 Die Züricher Tagungen Von Spectator* Die Frage, ob der XX. Zionistenkongreß bereits die Entscheidung über die künftige jüdische Politik in Palästina gebracht hat, läßt sich vorläufig noch nicht beantworten. Der Kongreß hat mit einer Mehrheit, die nur um einige Stimmen hinter der Zweidrittel-Mehrheit zurückblieb, die Exekutive zu Verhandlungen ermächtigt, die das ausgesprochene Ziel haben, das definitive Angebot Englands unverbindlich festzustellen. Die praktische Bedeutung dieses Beschlusses liegt vor allem im Negativen, nämlich darin, daß keine Ablehnung ausgesprochen wurde, so daß die Türen offen geblieben sind. Positiv aber hat der Kongreß kein konkretes politisches Programm angenommen, und die Umstände, unter denen der Beschluß zustande kam, lassen erwarten, daß im kommenden Jahre ein leidenschaftlicher Kampf in der ganzen jüdischen Welt entbrennen wird, um die Vorschläge Englands zu Fall zu bringen. Mag sein, daß vielen Neinsagern dabei etwas unbehaglich zu Mute ist, wenn sie sich fragen, was nachher kommen soll. Aber zunächst wird zweifellos die Kampagne unter Aufpeitschung aller politischen Leidenschaften weitergehen. Wenn man bedenkt, wie in einem soziologisch so unnatürlichen Gremium, wie der Zionistenkongreß es darstellt, Beschlüsse zustande kommen, dann muß man das Ergebnis zunächst als ausreichend bezeichnen. Denn da im inneren Parteikampf alle wünschen, daß der andere die Verantwortung übernimmt, ist es naheliegend, daß jeder seine Stellungnahme so verklausuliert zum Ausdruck bringt, daß sie möglichst wenig Angriffspunkte enthält. Die Mehrheit des Kongresses, die für Verhandlungen mit England eintrat, wollte nicht darauf verzichten, zu zeigen, daß die Beschwerden gegen die bisherige Führung des Mandates kein Monopol der Minderheit sind. Ebenso sind natürlich die Schwächen und Mängel des Teilungsplanes den Befürwortern ebenso klar wie den Gegnern, und es würde eine übermenschliche parlamentarische Genügsamkeit erfordern, die Argumente den Gegnern zu überlassen. So ergibt sich ein eigentümliches Schauspiel, bei welchem Jasager und Neinsager zusammenwirken: den Beschluß auch nach der Abstimmung für so unverbindlich und inhaltlos wie irgend möglich zu erklären und immer wieder zu betonen, daß die wirkliche Entscheidung noch nicht gefallen ist, sondern einem späteren Stadium vorbehalten bleibt. Es zeigt sich hier das Bestreben, Zeit zu gewinnen, in der Hoffnung, daß vielleicht inzwischen unvorhergesehene Umstände eintreten werden, die die Bewegung