Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1937)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1937-07-01
- Page
- Seite 387 (sequence 2)
- Language
- German
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ermöglichen eine eingehende Orientierung über den Aufbau, den Betrieb und Rentabilität der untersuchten Wirtschaften. (Wir werden auf diese Arbeit zurückkommen. — Die Red.) Neubau der arabischen Welt. Von Paul Schmitz-Kairo. Mit einer Landkarte, Verlag Wilhelm Goldmann, Leipzig 1937, 109 Seiten. — Es scheint nicht möglich zu sein, daß in der deutschen politischen Literatur über Palästina objektiv berichtet wird. Die Sympathien, die der Verfasser dieses sonst mit guter Kenntnis der Vorgänge im Nahen Osten geschriebenen Büchleins für den arabischen Nationalismus hat, sollten ihn nicht dazu verleiten, objektiv unrichtige Angaben zu machen, die wahrscheinlich durch den Mangel an Kenntnis zionistischer Quellen verursacht sind. In seinem — übrigens spärlichen — Literaturverzeichnis ist wenigstens keine solche zu finden. Der Verfasser spricht in seiner Darstellung des Schicksals Palästinas von einer »jüdischen Internationale«, die England an dem Palästina-Mandat interessierte. (Es wäre interessant, endlich einmal zu erfahren, was das für eine Internationale ist, die bisher nur in den berüchtigten Protokollen der »Weisen von Zion« existiert hat.) Eine jüdische Einwandererwelle von einer halben Million sei »auf Kosten des arabischen Volksteils« eingewandert. (Seite 66. Die Zuwanderer machen aber auf Seite 78 nur mehr 400.000 aus.) Abgesehen von der Unrichtigkeit der Ziffernangaben (der Autor verwechselt auch 1935 mit 1930) ist die Behauptung, daß die Einwanderung »auf Kosten« der Araber ging, nicht einmal von diesen aufgestellt worden und der Autor gibt auf Seite 76 selbst zu, daß die Juden eine verödete Provinz zu einem »blühenden Stückchen Erde« gemacht haben. Ebenso unrichtig sind die Behauptungen, daß das arabische Volk »vergewaltigt« wurde, daß 11.000 arabische Pächter vertrieben wurden (kennt der Autor nicht die offiziellen Ziffern?), daß die Juden 19% (statt richtig 5%) der nutzbaren Bodenfläche besitzen, daß der anbaufähige Boden 6.5 Millionen Dunam beträgt (statt richtig 10 bis 12), daß das Land mit Bauern übervölkert ist (das Gegenteil ist der Fall), daß die depossedierten arabischen Landwirte scharenweise in die Städte strömen (indes die Volkszählung 1931 einen höheren Prozentsatz am Lande sitzender Nichtjuden konstatierte, als die von 1922) u. a. m. Dabei widerspricht sich der Verfasser fortwährend selbst. Kaum hat er über das durch Landflucht angeblich entstandene Massenproletariat in den Städten geklagt, fügt er hinzu, daß 100.000 Araber der Nachbarländer »verlockt durch die Industriekonjunktur« ins Land strömten! Dadurch sei die Krise entstanden! Seit 1934 war die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt »gefahrdrohend« (indes von 1934 bis 1936 ein schwerer Mangel an Arbeitskräften selbst bei den Arabern beklagt werden mußte und nur dies verursachte das Einströmen einiger 10.000 Araber aus den Nachbarländern). In dieser Zeit hätte sich nach dem Autor die Lage der Arater ständig verschlechtert, die offizielle englische Agrarpolitik habe den Getreidebau, zugunsten der Südfrüchtenzucht gefährdet usf. Schließlich hätten die Araber den Aufstand gemacht — »zur Sicherung ihrer völkischen Existenz«! Soll man an dieser Stelle solche Phantasien ernstlich widerlegen? Der Verfasser gibt nach all diesen Schaudergeschichten selbst zu, daß das von der jüdischen Einwanderung »verschont« gebliebene Transjordanien von der Hebung weiter arabischer Schichten durch die von den Juden in Palästina geleistete Arbeit nicht berührt wurde. Also welches Bild soll sich der arme Leser nach all diesen Widersprüchen von der jüdischen Arbeit in Palästina machen? Der übrige Teil des Buches ist den anderen arabischen Staaten gewidmet. Auch hier färbt trotz eingehender Sachkenntnis die Abneigung gegen die Westmächte die Darstellung. Frankreich wird z. B. der »Fronvogt des Völkerbundes« genannt (dieser scheint also eine Art von Welttyrann zu sein), es hatte in Syrien nach zehn Jahren