Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1937-03-01 · Heft 3 (März 1937) · p. Seite 144

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 3 (März 1937)
Article
Wirtschaft. Von Dr. Alfred Michaelis.
Date
1937-03-01
Page
Seite 144 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2379786-2379953-2379957-2410514--24603-2410725
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

einem großen Teile von Haus aus unterfinanziert, da die Errichtungs-, Installations¬ und Anlaufskosten der Fabrikbetriebe die Vorkalkulationen in den meisten Fällen beträchtlich überschritten haben, so daß die Betriebskapitalien zu gering sind. Die Unterfinanzierung der Industrie und die Dringlichkeit der daraus entstehenden Probleme ergeben sich mit aller Deutlichkeit aus dem Anteil der Industrie an den Kapitalinvestitionen der letzten Jahre und der Verteilung der Bankkredite, die im Februarheft bereits im einzelnen beleuchtet wurden. Es ergibt sich folgendes Bild: Insgesamt davon Industrie Kapitalinvestitionen 1933—1936 ... ca. 33,000.000 ca. 3,750.000 £P 11.4% Bankkredite per 30. November 1936 . 9,677.000 1,158.000 £P 1L9% Der Anteil der Industrie an den Kapitalinvestitionen der letzten Jahre und dem Kreditvolumen der Banken beläuft sich in ziemlicher Übereinstimmung auf nur 11 bis 12%, während die Industrie zirka 25% der Erwerbstätigen beschäftigt und an und für sich einen kapitalintensiven Wirtschaftszweig darstellt. In diesen Ziffern ist der Kern der industriellen Schwierigkeiten enthalten. Das Problem der Industriefinanzierung ist insofern kompliziert, als gerade die finanzierungsbedürftigen Betriebe unter bankmäßigen Gesichtspunkten nicht kreditfähig sind. Die verantwortlichen jüdischen Instanzen, die sich im wesentlichen auf ihre landwirtschaftlich-kolonisatorischen Funktionen in wirtschaftlicher Hinsicht beschränken, hätten die Aufgabe, sich eingehend mit dem Problem der Industriefinanzierung, das heißt der Schaffung einer Industriebank, zu befassen, der öffentliche Mittel zur Verfügung stehen. Diese Industriebank hätte neben der Aufgabe der Kredithilfe an überhaupt lebensfähige Unternehmen die Funktion zu erfüllen, auf die gesamte industrielle Entwicklung des Landes Einfluß zu nehmen und eine wirkliche Industriepolitik zu betreiben, wie sie z. B. im benachbarten Ägypten und der Türkei immer tatkräftiger in die Hand genommen wird. Das Problem ist dringlich, -die Industrie bildet einen der wichtigsten Erwerbszweige der palästinensischen Bevölkerung und die industrielle Entwicklung kann unter all den für die Industrie besonders schwierigen Umständen nicht allein dem Privatunternehmer überlassen bleiben. Seit der Bankenkrise im Herbst 1935 und dem Beginn der Unruhen sind auf industriellem Gebiet die stärksten Rückschläge zu verzeichnen und die Industrie stellt den wunden Punkt der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation dar1. Der Verlauf der diesjährigen Orangensaison* Trotz beträchtlicher Schäden durch schwere Regengüsse, Stürme und Hagel vor allem im Dezember nimmt der diesjährige Zitrusexport einen über Erwarten großen Umfang an. Die Verschiffungen stellen sich bis zu der am 23. Februar endigenden Woche im Vergleich zum Vorjahr wie folgt (in Kisten): Saison 1936/37 Saison .1936/37 Saison 1935/36' Orangen .... 6,239.687H über Jaffa . . 2,658.862 2,799.696 Grapefruit .... 845.967^ Haifa . . 4,252.665^ 1,634.686 Zitronen .... 53.645H Tel Aviv .139.166 — Andere Zitrusfr. . 2.523 Port-Said . 91.130 162.914 Insgesamt .... 7,141.823^ ~~ Insgesamt . 7,141.823H 4,597.296 Die Verschiffungen sind nach wie vor außerordentlich umfangreich, so daß damit zu rechnen ist, daß der Zitrusexport der Saison 1936/37 die 10-Millionen-Kisten-Grenze 1 Anra. d. Red.: In den nächsten Heften werden diese Fragen ausführlich behandelt werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.