Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1937)
- Article
- Spannung zwischen Christen und Moslems [Nachricht]
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Spannung zwischen Christen und Moslems, In allen Teilen des Landes nimmt die Spannung zwischen Mohammedanern und Christen zu, wobei die Moslems die Angreifer sind. In zahlreichen Flugschriften wird zum Boykott der Christen aufgefordert. In der Altstadt von Jerusalem kam es zu Zusammenstößen zwischen Christen und moslemischen Streikposten vor christlichen Geschäften. Die mohammedanischen Chauffeure fordern in Flugzetteln zum Boykott der von Christen geleiteten Nationalen Omnibus- Gesellschaft auf. In Betlehem kam es am Weihnachtsabend zu einem Feuerüberfall auf die Andächtigen, der aber keine Opfer forderte. Besonders in Jaffa kam es zu Zusammenstößen zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen. Der Führer der christlichen arabischen Arbeiter, Michael Mitri in Jaffa, wurde von einem Moslem auf offener Straße durch Revolverschüsse niedergestreckt und erlag seinen Verletzungen. Der bekannte Führer der christlichen Araber, Alfred Rok, Mitglied des Obersten Arabischen Komitees, wurde, ebenfalls in Jaffa, von Mohammedanern verprügelt. Zunehmende Unsicherheit. Trotz des sogenannten Waffenstillstandes und der Anwesenheit zahlreicher Truppeneinheiten nimmt die öffentliche Unsicherheit infolge der Passivität und Laxheit der Polizei und Militärbehörden, die sich aus politischen Rücksichten offenbar noch immer nicht zu energischen Maßnahmen entschließen können, immer mehr zu. Es vergeht kein Tag ohne Überfälle, Plünderungen und Morde. Den Terroristen gelingt es immer wieder auf den Landstraßen Autos anzuhalten, die Insassen zu berauben und in manchen Fällen sogar mitfahrende Polizisten zu entwaffnen. Überfälle auf Dörfer zur zwangsweisen Einhebung von Kontributionen werden jetzt häufiger, wobei es oft ohne Tote und Schwerverwundete nicht abgeht. Straßen werden mit Nägeln bestreut, Minen auf Eisenbahnschienen gelegt und nach bewTährtem Muster größere Mengen Sprengstoff aus Regierungsdepots gestohlen. Gegner der Aufständischen werden ermordet. Auf jüdische Landarbeiter und Siedler werden Feuerüberfälle verübt, so in Migdal Zedek, Ben Schemen, Meschek Hactzar, Baumfrevel werden verübt, kurz, die Zustände des zweiten Halbjahres 1936 scheinen wiederzukehren. Dazu kommt noch eine ständig steigende Aktivität des im Irak mit allen Ehren aufgenommenen militärischen Führers der Aufständischen, Fasi el Koakdschi, der vor den Augen der Grenz- und Militärbehörden einen neuen Aufstand organisiert und dabei reichlich Geldmittel aus Palästina erhält, die zum Teil indirekt von der Regierung stammen. Keine Entlassung der jüdischen Hilfspolizisten» Wegen der Vorstellungen der Jewish Agency über die Sicherheitszustände hat die Regierung beschlossen die am 1. Jänner zu entlassenden Hilfspolizisten weiter im Dienste zu belassen. Auch die an die Siedlungen verteilten Waffen bleiben vorläufig in deren Besitz. Die ins Zivilleben zurückgekehrten jüdischen Hilfspolizisten haben von den Polizeibehörden die Weisung erhalten, sich für Wiedereinstellung in den Dienst bereit zu halten. Die Siedlungen sind aufgefordert worden, Listen neuer Kandidaten einzureichen. Nach längeren Verhandlungen hat sich die Regierung auch bereit erklärt, die m Tel Aviv eingestellten Hilfspolizisten ganz zu besolden, während sie bisher nur den halben Sold zahlte. 100 Mann werden definitiv in die reguläre Polizei eingereiht werden. Militärische Bewegungen, 224 Offiziere und 4156 Soldaten haben Palästina verlassen. Es wird angenommen, daß die ständige Garnison von 2 Bataillonen vor den Unruhen auf 8 Bataillone Infanterie erhöht werden wird. Im »gefährlichen Dreieck« Schchem—Dschenin—Tulkarm, legen die Truppen befestigte Stellungen an strategisch wichtigen Punkten an. Freisprüche von Aufständischen. Wegen Verfahrens- und Beweismängel hat das Oberste Gericht den zum Tode verurteilten Mörder der Juden Levison und Morrison