Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1936)
- Date
- 1936-12-01
- Page
- None (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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PALÄSTINA ZEITSCHRIFT FÜR DEN AUFBAU PALÄSTINAS XIX. Jahrg. Dezember 1936 Nr. 12 Transferproblem und Palästina- Wirtschaft Von Dr, Alfred Marcus, Tel Aviv. In diesen Monaten politischer Hochspannung in Erez Israel ist uns noch mehr als bisher die zwingende Notwendigkeit einer wirklichen ökonomischen Verwurzelung des Jischuw vor Augen geführt worden. Auch der Abseitsstehende — und deren gibt es immerhin auch im Lande selbst — hat begreifen gelernt, daß unser politisches Ringen erfolglos bleiben muß, solange wir nicht in der Wirtschaft des Landes, von der Urproduktion bis zur letzten Verfeinerung, unseren Platz gefunden haben. Ich will hier nicht darauf eingehen, wie weit wir in dieser Hinsicht noch von unserem ökonomischen Ziel entfernt sind. Es liegt mir lediglich daran, einmal aufzuzeigen, in welchem Umfange wir heute bei der Lösung unserer spezifisch palästinensischen Aufgaben unter dem Einfluß von Gegebenheiten stehen, die aus der allgemeinen Judennot in der Welt erwachsen. Denn es ist hohe Zeit, diese Dinge zu erkennen und die Folgerungen daraus zu ziehen. Ein paar Grundtatsachen: Der Aufbau des Landes ist nicht möglich ohne Kapital. Dieses Kapital wird von bestimmten Einwandererschichten ins Land gebracht. Nun kann man Kapital aus dem einen Lande in ein zweites, also sagen wir: aus irgendeinem europäischen Lande nach Erez Israel, nur auf zwei Wegen transferieren: auf dem Wege über Gold oder auf dem Wege über Ware. Ein — vermeintlicher — dritter Weg ist allgemein als Transfer von »Bargeld« oder »Girogeld« von Bank zu Bank bekannt, mündet aber immer in einem Gold- oder in einem Warentransfer. Die Länder, aus denen Juden mit Kapital nach Palästina wandern, sind — von •einigen Ausnahmen abgesehen, die aber bisher eine Massenauswanderung nach Palästina nicht kannten — die goldärmsten Länder der Welt. Sie geben daher — und auch das nur mit beschränkenden Bedingungen — nur den einen Weg des wirklichen Kapitaltransfers frei: den über die Ware! Das heißt, das nach Palästina einwandernde Kapital wandert als Ware in das Land ein. Und hier entsteht nun für uns das entscheidende Problem unserer ökonomischen, damit aber auch unserer politischen Zukunft: das einwandernde Kapital tritt in unmittelbare Konkurrenz zu dem bereits eingewanderten' und produktivierten Kapital. Denn das erstere bringt Ware ins Land und das letztere produziert Ware im Land und diese beiden »Warengruppen«, die man in unserem Zusammenhang auch »Kapitalgruppen« nennen könnte, bekämpfen einander auf dem palästinensischen Markt Man wird nun mit Recht einwenden: Wenn das bereits »produktivierte« Kapital zu dem neueinwandernden in Konkurrenz tritt, besteht ja doch die Möglichkeit, auch das neu-