Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 11 (November 1936)
- Article
- [Rezension] / m.
- Date
- 1936-11-01
- Page
- Seite 596 (sequence 2)
- Language
- German
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Schatzes und Führer des Unterhauses und als solcher der zweitwichtigste Mann in der Regierung. Mrs. Dugdale bringt einige unbekannte Dokumente über Balfours Rolle bei den berühmten Chamberlain—Eckardsteinschen Bündnisverhandlungen aus dem Jahre 1898 bei, worauf hier aber nicht eingegangen werden kann. Als 1902 Lord Salisbury aus dem politischen Leben schied, wurde die Ernennung Balfours zum Premierminister als die natürliche Lösung der Nach folge frage empfunden. Ein grundstürzendes Unterrichtsgesetz, die englisch-französische Entente, die Erneuerung des Bündnisses mit Japan und die Errichtung des »Reichsverteidigungsrates« sind die Marksteine des Ministerium Balfours. Aber 1903 ging das Kabinett wegen der Schutzzollfrage aus den Fugen und zwei Jahre hindurch nahm Balfour zwischen den unbedingten Freihändlern und dem ungestümen Joe Chamberlain, der Reichsvorzugszölle forderte, eine abwartende Mittelstellung ein, die zwar logisch, dem Lande aber unverständlich war und die konservative Partei in eine schwere Krise stürzte. Im Dezember 1905 'mußte das Kabinett Balfour schließlich doch zurücktreten, die neue liberale Regierung führte Neuwahlen durch und die Konservativen erlitten eine schwere Niederlage. Balfour selbst verlor seinen Sitz. Die Verantwortung für diese Niederlage trug Balfour, dem man vorwarf, als Premier versagt zu haben, und sein staatsmännischer Ruf war demgemäß sehr gesunken. Damit schließt der erste Band. Vorher aber wird eine Begegnung geschildert, welche zumindest in der Geschichte des jüdischen Volkes eine besondere Seite erhalten wird. Es ist die Begegnung Balfours mit dem Zionismus in der Person Chaim Weizmanns (1907). Es gehört zu den jüdischen Wundern, daß der britische Staatsmann, der nach Herkunft, Erziehung und Milieu, den denkbar größten Gegensatz zu dem aus Rußland »zugereisten« wandernden jüdischen Intellektuellen darstellte, und die magnetische Persönlichkeit Weizmanns, sogleich einander fanden.- Die Initiative zu jener Unterredung war von Balfour ausgegangen, der sich die Ablehnung des Uganda-Projektes nicht erklären, konnte. Wie gut ihm Weizmann diese Gründe auseinanderzusetzen wußte, zeigte sich genau zehn Jahre später. m. The Makirig of Modern Irag. By Henry A. Foster. Mit dem Porträt Feisals und 4 Karten, University of Oklahoma Press, Norman 1935, 319 Seiten. — Dieses Buch gibt eine ausführliche Geschichte der Gründung und Entwicklung des nunmehr selbständigen Staates Irak. (Es sei bemerkt, daß Fosters Angabe, der vereinigten Kampagne der Engländer und Araber sei die Eroberung Palästinas zuzuschreiben, eine Überschätzung der Leistungen der Handvoll beduinischer Truppen Feisals bedeutet. Sie haben nichts Wesentliches zum Siege der Engländer beigetragen, hingegen gilt das von den Taten der jüdischen Legion, die an der gefährdetsten Stelle den Angriff Allenbys verschleierten.) Ebenso ausführlich wie der geschichtliche Teil werden das Regime Englands bis zur Aufhebung des Mandates und die gegenwärtige Verwaltung behandelt. Von Interesse ist, daß Irak eine eigene Luftflotte entwickelt, die dazu bestimmt ist, die englische abzulösen. Angesichts der Größe des Gebietes und der Tatsache, daß es überwiegend aus Wüsten besteht, ist es nur mit Hilfe von Aeroplanen möglich, einen Polizeidienst im ganzen Lande aufrechtzuhalten. Die Landwirtschaft zeigt nur im Baumwollbau, der auf Plantagen betrieben wird, einen großen Fortschritt, die Bevölkerung hat keine Vorliebe für Agrikultur. Die Einnahmen der Regierung aus den Ölkonzessionen schwanken von 0.7 bis 1 Million Pfund (ein Drittel der Gesamteinnahmen). Das Schulwesen wird ausgebaut, 1930 zählte man 32.000 Schüler. (In Palästina, das fast nur ein Viertel der Bevölkerung hat wie Irak, gab es 1934 56.000 moslemische Schüler; die Zahl der jüdischen war 52.000.) Merkwürdigerweise fehlt in dem Buche eine genaue Angabe der Zusammensetzung der Bevölkerung nach Nationen, Religionen, Stand der Seßhaftigkeit usw. Die