Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- None (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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PALÄSTINA ZEITSCHRIFT FÜR DEN AUFBAU PALÄSTINAS XIX. Jahrg. Oktober 1936 Nr. 10 Die Frage der Lebenshaltung als Problem der Konsumentenerziehung Von Dr, Ludwig Grünbaum, Jerusalem. Gewöhnlich erscheint einem der Begriff »Lebenshaltung« in sozusagen linearer Form; man sagt etwa der Standard der Juden sei höher als der der Araber, der der Arbeiter niedriger als der der Angestellten usw. Noch deutlicher tritt diese eindimensionale Auffassung hervor, wenn sie durch Ziffern der Lebenshaltungsindizes ausgedrückt wird. In Wahrheit ist aber der Lebensstandard kein quantum, sondern ein quäle, und zwar eine höchst komplexe Größe. Ein und dieselbe Indexziffer kann aus unendlich vielen Kombinationen von Ausgabearten innerhalb des durchschnittlichen Haushaltsbudgets entstehen. Wie die Ausgaben des Haushalts sich zusammensetzen, wofür der Einkommensbezieher sein Geld verwendet, das ist statistisch und wirtschaftspolitisch unendlich interessanter, als der farblose Index, der das Endergebnis derartiger Untersuchungen bildet. Denn die Verwendungsarten der Geldeinkommen einer Volkswirtschaft, all die unzähligen kleinen Geldrinnsale sind es, die sich zu den Kanälen der Nachfrage nach den einzelnen Arten angebotener Waren und Dienste sammeln und damit das ganze Getriebe der Wirtschaft entscheidend beeinflussen. Im Haushaltsbudget liegt ein Hauptbestimmungsgrund des Wirtschaftskreislaufs und damit der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Struktur eines Landes. Nun liegt es nahe, bei einem im Aufbau begriffenen Lande, wie Palästina, zu untersuchen, ob und inwieweit es möglich oder vielleicht nötig ist, diesen Aufbau vom Konsumenten, von der Nachfrage her zu beeinflussen und zu lenken. Aber heißt das nicht, das Pferd am Schwänze aufzäumen? Die Wirtschaftsstruktur eines Landes, — das ist doch in erster Linie die Struktur der Produktion und Warenverteilung, das heißt des Angebots! Angenommen, ich gelange zu der Folgerung» es sei besser für das Land, daß anstelle von Eisdielen oder Kinos Bauern- und Handwerkerstellen errichtet werden, — muß ich mich dann nicht am besten und ersten an den künftigen Unternehmer wenden, der damit umgeht, das Kino oder das Eiskaffee zu errichten? Wenn er dem Konsumenten nicht die Gelegenheit, die Verführung zu solchen Vergnügungen bietet, so m u ß doch der Konsument sein Geld anderwärts, für erwünschtere Zwecke, verwenden! — Hiezu ist zweierlei zu bemerken: