Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 8 (August 1936)
- Date
- 1936-08-01
- Page
- None (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2379786-2379939-2379948--23199-2408795- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
PALÄSTINA ZEITSCHRIFT FÜR DEN AUFBAU PALÄSTINAS XIX. Jahrg. August 1936 Nr. 8 Handelspolitische Neuorientierung Palästinas Von Dr« Ludwig Grünbaum, Jerusalem. Palästina steht seit Jahren unter dem Damokles-Schwert eines erheblichen Passivsaldos seiner Handelsbilanz. Dieser Saldo ist erklärlich und notwendig, um die Kapitaleinfuhr ohne Erschütterung der Wirtschaft des Landes sich vollziehen zu lassen. Stellt man sich nämlich vor, es fände Kapitaleinfuhr ohne Wareneinfuhrüberschuß statt, — 2. B. dadurch, daß das Kapital in Form fremden Stückgeldes hereinkommt, so daß also neben palästinensischen Pfunden englische, amerikanische, polnische usw. Noten umliefen — so würde das Preisniveau steigen und erst wieder fallen, wenn die dadurch bewirkte Anregung der Wareneinfuhr und Drosselung des Exportes einen entsprechenden Passivsaldo der Handelsbilanz und Abfluß von Zahlungsmitteln erzwungen hätte. Wirtschaftspolitisch bedenklich ist also nicht die Tatsache des Passivsaldos an sich, sondern die Gefahr eines plötzlichen starken Rückgangs der Kapitaleinfuhr. Es fragt sich nämlich, ob dann die Wareneinfuhr ebenso schnell zurückgehen, bzw. die Ausfuhr ebenso schnell steigen wird. Auf lange Sicht sicher; aber die Übergangszeit bis zum neuen Gleichgewicht zwischen Handels- und Kapitalbilanz kann eine schwere Wirtschaftskrise über das Land hereinbringen. Diese Gefahr ist jetzt wieder in den Gesichtskreis gerückt worden, einmal durch die Unruhen, und dann durch die Beschränkungen des Vermögens-Transfers in Polen. Polen stellte 1933 27%, 1934 37% und im ersten Halbjahr 1935 48% der Kapitalisten-Einwanderer1. Bedeutet die Drosselung des Vermögens-Transfers eine Drohung von der Einfuhrseite der Handelsbilanz her, so besteht auf der anderen, der Exportseite, ein ständig wachsender Ausfuhrhunger, vor allem von Seiten der Zitrus-Wirtschaft, die vier Fünftel der Ausfuhr stellt. Jedes Jahr wachsen neue Pardeß-Flächen in das Alter der Tragfähigkeit hinein. Die Ausfuhrwerte und -mengen der letzten fünf Jahre spiegeln das deutlich wieder2: Jahr 1931 1932 1933 1934 1935 £P 926.586 1,780.565 2,078.361 2,650.242 3,506.925 Kisten 2,696.958 3,674.400 4,450.741 5,549.211 7,767.704 1 Bericht der Exekutive der ZO an den XIX. Kongreß. London 1935, S. 272. 2 Trade Bulletin des Office of Statistics der Regierung Nr. 2/1936 vom 6. IV. 1936, Table Nr. 4.