Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1936)
- Article
- Das Wirtschafts-Barometer: Mai 1936
- Date
- 1936-06-01
- Page
- Seite 296 (sequence 2)
- Language
- German
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in eine große Zukunft Palästinas felsenfest bestehen und wird ' nunmehr (diese Zeilen wurden am 24. Mai niedergeschrieben) noch dadurch gefördert, daß jetzt die Mandatarmacht nach bedauerlich langem Zögern sich offenbar doch dazu entschlossen hat, die Friedensstörer niederzuschlagen. Im Augenblick wäre es noch müßig, hier zu erörtern, wie sich nach Wiederkehr von Ruhe und Ordnung der Wirtschaftsorganismus weiter entwickeln wird. Eines freilich ist wohl ganz klar, daß nämlich der arabische Wirtschaftssektor für den so leichtfertig vom Zaune gebrochenen Streik bitter zu büßen haben wird, durch einen kaum so rasch wieder einzubringenden Ausfall an Löhnen und Umsätzen, durch Verluste an Mietzahlungen, die nicht mehr einzutreiben sind, an nicht eingelösten Wechseln, an notleidend gewordenen Waren- und Barkrediten — all das eine akute Krisis, die der arabische Wirtschaftssektor dem eigenen Verschulden zuzuschreiben hat. Mag dies wohl auch nach einiger Zeit allmählich wieder verschmerzt werden, so wiegt ein anderes Moment umso schwerer, der vor einem Monat sich erst bloß andeutende, heute aber schon scharf und kräftig ausgeprägte Übergang wichtiger Wirtschaftsfunktionen, die der arabische Sektor bisher für die Gesamtheit erfüllte, — mindestens im Rahmen der jüdischen Bedürfnisse — an den jüdischen Sektor. Auf den arabischen Streik, dessen Ziel die »Aushungerung Tel Avivs« sein sollte, haben die Juden damit geantwortet, daß sie die Selbstversorgung mit Gartenbau- und Geflügelprodukten sofort umfassend organisiert haben, durch Expansion der eigenen Erzeugung (charakteristisch der Aufruf der Landstadt Petach-Tikwah zum allgemeinen Gemüseanbau!), und durch schnellste Aufnahme von Geschäftsbeziehungen zu syrischen und ägyptischen Exporteuren, um nicht mehr vom streikenden arabischen Importeur abhängig zu sein. Was vor Monatsfrist in dieser Hinsicht erst nur als Provisorium erscheinen konnte, darf heute schon aller Voraussicht nach als Dauerzustand gelten. Eine ähnliche Entwicklung bahnt sich jetzt auch auf dem Baustoff markte an, wo man bisher mit zwei wichtigen einheimischen Produkten, »Zif-Zif« (feiner Sand) und »Chazaz« (Klarschlag), überwiegend auf arabische Lieferungen angewiesen war; auch hier ersetzt man heute den Ausfall durch Ausdehnung der eigenen jüdischen Produktion, trotz der großen Schwierigkeiten, die davon herrühren, daß die Gewinnungsbetriebe zum Teil weitab von jüdischen Siedlungen liegen und daher augenblicklich unter erheblicher Gefahr arbeiten und liefern. Geradezu epochale Bedeutung im Zusammenhange dieser Emanzipation des jüdischen Wirtschaftssektors vom arabischen beansprucht indessen die am 19. Mai stattgefundene Eröffnung einer eigenen Hafenanlage für Tel Aviv — genau einen Monat nach Beginn der Unruhen und der Selbstausschaltung des Jaffaer Hafens! Mit jüdischer Arbeit und jüdischem Kapital wurde in Tag- und Nachtschicht in knapp zwei Wochen am Tel-Aviver Strand, im nördlichen Stadtteil neben der Messe, ein 100 m langer Landungs-Pier aus Eisenbeton geschaffen, der zunächst den Erfordernissen des Leichter-Verkehres durchaus genügt, welcher seinerseits wiederum von einem jüdischen Unternehmen ebenfalls mit jüdischen Arbeitern (aus Saloniki stammend) betrieben wird. Es wäre ganz falsch, in der Eröffnung eines eigenen Tel-Aviver Hafenbetriebes nur einen demonstrativen Akt zu sehen. Vielmehr trat die praktische Bedeutung unmittelbar zutage, in der Ankunft großer Zement- und Lebensmittelsendungen, die sonst den verteuernden Umweg über Haifa oder Port-Said hätten wählen müssen. Da hinter den umfassenden Ausbauplänen der so rasch improvisierten Hafeneinrichtung sehr starke finanzielle Kräfte stehen, so werden keinerlei Quertreibereien den jetzt vollzogenen Schritt zum »ersten jüdischen Hafen der Welt« wieder zu annullieren vermögen. Eine nähere Analyse des jetzt so plötzlich aktuell gewordenen und so kühn gelösten Tel-Aviver Hafenproblems würde uns über den