Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 4 (April 1936)
- Article
- Zur Problematik des palästinensischen Außenhandels
- Date
- 1936-04-01
- Page
- Seite 188 (sequence 14)
- Language
- German
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gegangen, um nur einige charakteristische Beispiele herauszugreifen. Hingegen ist der Rückgang der Seifenausfuhr von 79.300 £P auf 71.500 £P zum großen Teil das Ergebnis der steigenden Absatzschwierigkeiten auf dem ägyptischen Markt, der seine eigene Seifenindustrie durch hohe Zollmauern zu schützen sucht. Immerhin weisen einzelne Industriezweige trotz der Ausweitung des einheimischen Marktes bereits eine Ausfuhrsteigerung . auf. Vornehmlich die Textilindustrie kann mit einer Steigerung ihres Ausfuhrwertes von 27.000 £P auf 38.000 £P einen schönen Erfolg buchen. Tendenzen zur Export-Ausweitung machen sich ferner in der Papier- und Kartonnagenfabrikation, in der Essenzenindustrie und in der Fabrikation künstlicher Zähne bemerkbar. Trotz dieser Erfolge, die das Ergebnis der Industrialisierung der palästinensischen Wirtschaft sind, nimmt die Orange eine Monopolstellung in der palästinensischen Ausfuhr ein und da mit einer Steigerung der Orangenausfuhr auf 10 Millionen Kisten in den nächsten Jahren und auf 20 bis 25 Millionen Kisten im Laufe von sieben bis acht Jahren zu rechnen ist, wird sie auch diese Monopolstellung einstweilen beibehalten, falls nicht inzwischen der Ausbau anderer Produktionszweige in besonders raschem Tempo vor sich geht. Es liegt auf der Hand, daß aus dieser Einseitigkeit der palästinensischen Ausfuhrstruktur bei Preisreduzierungen für Zitrusfrüchte Gefahren erwachsen können, die sich nicht nur auf den Kreis der Zitruspflanzungen beschränken, sondern bis in alle Zweige des palästinensischen Wirtschaftslebens hinein spürbar würden. Auch unter diesem Aspekt erweist es sich, daß die Industrialisierung der palästinensischen Wirtschaft im Rahmen der volkswirtschaftlichen Gegebenheiten und die Ausbreitung der gemischten Wirtschaft volkswirtschaftliche Notwendigkeiten sind. Die Zahlungsbilanz Erez Israels im Jahre 1934 Von Dr. Justus Schloss. Tel Aviv. Immer wenn die Mandatsregierung die monatlichen Einfuhr- und Ausfuhrziffern veröffentlicht, kann man die bange Frage hören: wie kann Erez Israel auf die Dauer ein solches Defizit der Handelsbilanz bezahlen? Die Frage ist zugleich richtig und falsch gestellt; richtig, weil in der Tat jeden Monat mehr als eine halbe Million Pfund dazu verwendet werden muß, um den Überschuß der Einfuhr über die Ausfuhr zu bezahlen. Falsch ist es aber, wenn man im Einfuhrüberschuß als solchen einen unnatürlichen oder gar gefährlichen Zustand erblickt, der je eher desto besser beseitigt werden müsse. Erez Israel ist ein Kolonialland. Kolonialländer pflegen ihre Entwicklung immer mit einem großen Einfuhrüberschuß zu beginnen. Erst wenn ihre produktiven Kräfte entwickelt sind, können sie Einfuhr und Ausfuhr ins Gleichgewicht bringen oder sogar einen Ausfuhrüberschuß erreichen. Bis dahin müssen sie den Einfuhrüberschuß durch Kapitaleinfuhr mit oder ohne Einwanderung ausgleichen. So sind alle großen und kleinen Kolonialländer entwickelt worden, und nur so kann auch Erez Israel entwickelt werden. Nicht die Handelsbilanz als solche ist wichtig, sondern wichtig allein ist die Zahlungsbilanz, von der die Handelsbilanz nur einen einzelnen, wenn auch sehr wichtigen Posten bildet. Die wirtschaftliche Lage eines Landes ist nicht schon darum günstig, weil das Defizit der Handelsbilanz klein ist, und sie muß nicht darum ungünstig sein, weil das Defizit der Handelsbilanz groß ist. Alles hängt davon ab, in welchem Verhältnis das Defizit der Handelsbilanz zu den Ziffern der Zahlungsbilanz steht. Diese Ziffern muß man kennen, um zu wissen, ob beispielsweise die Einfuhr