Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 3 (März 1936)
- Date
- 1936-03-01
- Page
- None (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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PALÄSTINA ZEITSCHRIFT FÜR DEN AUFBAU PALÄSTINAS XIX. Jahrg. März 1936 Nr. 3 Artlllir Rlippin Von Adolf Böhm, Wien. Dr. Arthur Ruppin feierte am 1. März seinen sechzigsten Geburtstag an der Stelle, von der aus er vor fast einem Menschenalter die neue Ära der jüdischen Kolonisation in Palästina eingeleitet hat. Von all den vielen, fast nicht mehr zu überblickenden wissenschaftlichen und praktischen Taten Ruppins hat sich diese besonders in die Herzen und Köpfe der neuen jüdischen Generation eingegraben, denn sie bedeutete die Herbeiführung einer Wende von der Hof f nungslosigkeit' der alten Siedlungsepoche zu einer neuen und zukunftsträchtigen. Arthur Ruppin war als Student ein Nimmersatt der Wissenschaft gewesen. Den jungen »Assessor«, als der er in die jüdische Aktivität eintrat, sah man natürlich als Fachjuristen an, er war aber nicht nur ein solcher, sondern so nebenbei, was niemand wußte, auch »Dr. phil.«. Er hatte einfach alles studiert, was man in 24 Tagesstunden studieren kann; seine besondere Vorliebe galt nicht nur dem Jus, sondern noch mehr der Soziologie, der Rechtsphilosophie und den Naturwissenschaften, wie dies seine erste preisgekrönte Schrift: »D arwinismus und Sozialwissenschaft« (Jena, 1903) erwies. In dieser fühlt man den Einfluß des bahnbrechenden Rechtsphilosophen Rudolf Stammler auf den jungen Verfasser, der in seiner Erstlingsschrift auch eine diesem großen Lehrer verwandte Geistesart zeigte: in der Klarheit und Schönheit der Systematik, der Wohlabgewogenheit des Urteils, der knappen Herausarbeitung des Wesentlichen, den treffsicheren Formulierungen und der erstaunlichen Weitgespanntheit seines Wissens, Vorzüge, die sich in allen weiteren Arbeiten Ruppins nur immer mehr und mehr entfalteten. Ruppins seltene wissenschaftliche Befähigung ließ erwarten, daß er die Laufbahn eines Forschers und Gelehrten einschlagen werde. Doch Ruppin ist ein zu lebendig empfindender, zur Aktivität strebender Mensch, als daß ihn eine bloß wissenschaftliche Tätigkeit hätte befriedigen können. Sein Tätigkeitsdrang wie seine Wissenschaft widmete er der Judenfrage. Als Dr. Nossig im Jahre 1904 den »Verein für jüdische Statistik« gegründet hatte, wurde Ruppin dessen Seele und der Leiter der Arbeit. Er gründete 1905 die »Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden« und veröffentlichte 1904 die erste umfassende soziologische Arbeit über »D ie Juden der Gegenwart«, die in mehrfachen Neuauflagen bis zu dem 1930 erschienenen zweibändigen Standardwerk, »Soziologie der Juden« anwuchs und kürzlich auch in englischer Ausgabe erschienen ist. Ruppin war dadurch der Schöpfer der systematischen gesellschaftswissenschaftlichen Behandlung der Judenfrage 'geworden und wurde später der erste, bisher auch einzige Vertreter der Sozio-