Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1936)
- Article
- Die Industrialisierung Palästinas
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2379786-2379939-2379941-2406760--21822-2406908- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Diese Schätzung richtet sich nach der Anzahl der Arbeiter, die in jeder Industrie beschäftigt sind, das heißt 8 bis 12% der industriellen Arbeiter sind in der Industrie beschäftigt, die mit der Plantagenwirtschaft zusammenhängt, während 30 bis 35% in Baumaterialien- und verwandten Betrieben beschäftigt sind. In dieser Schätzung wurden nur solche Unternehmen in Betracht gezogen, die unmittelbar mit diesen Wirtschaftszweigen zusammenhängen. Es darf aber nicht vergessen werden, daß eine Stagnation in diesen zwei Zweigen oder in einem von ihnen zu-einer Herabsetzung der Kaufkraft der Bevölkerung führen würde und daß dadurch auch die anderen Industrien betroffen werden müßten. Weiter kann aus_ dieser Schätzung gefolgert werden, daß die Abhängigkeit der Industrie vom Baumarkt viel größer ist als die Abhängigkeit der Industrie von der Plantagenwirtschaft. Es' ist ferner interessant, die Industrie nach einem anderen Gesichtspunkt zu analysieren: Produktion von Kapitalgütern und Konsumgütern. Nach verläßlichen Schätzungen sind 75% der palästinensischen Industrie auf die Produktion von Konsumgütern gerichtet, während die Produktion von Kapitalsgütern 25% ausmacht. Eine besondere Aufmerksamkeit muß den Problemen der neuen Industrien geschenkt werden. Diese beginnen jetzt mit ihren ernstesten Problemen und Hindernissen zu kämpfen. In der ersten Gründungsperiode wird die Kalkulation oft außer acht gelassen und die Verluste werden auf Konto der Investitionen gebucht, es handelt sich um die Anlaufzeit der Industrie, in der aus selbstverständlichen Gründen der Rentabilitätsgesichtspunkt nicht entscheidend sein kann. Es ist die Periode der Überwindung technischer Schwierigkeiten, der Sondierung des Marktes, der Schaffung neuer Organisationsformen, der Ausbildung der Arbeiter usw. Jetzt geht diese Anlaufzeit zu Ende und es tauchen neue grundlegende Probleme auf. In den meisten Fällen übertreffen die Investitionen die veranschlagten Summen und dadurch steigen die Amortisations¬ und Verzinsungslasten. Im Auslande gibt es eine viel größere Tradition in diesen Dingen. Es bestehen Kennzahlen für die erforderliche Investition pro Produktionseinheit. Die Abweichungen von diesen Kennzahlen sind unbedeutend. In Palästina aber sind diese Abweichungen recht groß und dadurch ergeben sich manchmal Schwierigkeiten, das notwendige Betriebskapital aufzubringen. Es kommen hinzu technische Schwierigkeiten, Mangel an Facharbeitern, Mangel an Hilfsindustrien usw. All diese Schwierigkeiten sind jedoch nicht organisch, sondern akzidentiell, und deshalb ist ihre Oberwindung in den meisten Fällen möglich. Schwieriger und grundlegender ist das Absatzproblem. Die fortgesetzten Preissenkungen, der Kampf der Kartelle gegen die neuen Industrien, das Dumping aus dem Auslande beeinträchtigen die bei der Gründung des Betriebes zugrunde gelegten Kalkulationen. Hinzu kommt die größere Ilmlaufszeit des Kapitals, das sich im Auslande zwei- bis dreimal im Jahr, in Palästina nur ein- bis eineinhalbmal umsetzt (wie aus dem Zensus 1933 zu errechnen ist). Die Schätzungen für heute scheinen auf ein noch größeres Mißverhältnis hinzuweisen, nämlich 7 Millionen £P in der Industrie investiertes Kapital und 6.5 Millionen £P Produkticnswert. Dieses Verhältnis ist aber darauf zurückzuführen, daß die Investitionen der großen neuen Betriebe bereits mit eingerechnet wurde, während ihre Produktion in der Anlaufzeit noch unbedeutend ist. Dieser Umstand führt zur Steigerung der Regiekosten und zur stärkeren Belastung per Produktionseinheit. Diese Umstände spiegeln sich in der Lage mancher Betriebe und Industriezweige wider. Durch die Einschränkung der Pflanzungstätigkeit und die verstärkte Auslandskonkurrenz haben sich diese Hindernisse oft gesteigert und haben die Lage zeitweise verschärft. Auch die Exportindustrie kann sich ohne einen ausreichenden. Binnenmarkt, der die Renta-