Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1935)
- Date
- 1935-10-01
- Page
- None (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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PALÄSTINA ZEITSCHRIFT FÜR DEN AUFBAU PALÄSTINAS XVIII. Jahrg. Oktober 1935 Nr. 10 Die Veränderungen im arabischen Parteileben Von Michael Assaf, Tel Aviv. Nach dem Weltkrieg traten die ersten arabischen Parteien im Lande im Jahre 1921/22 auf. Im Zeitraum zwischen dem Waffenstillstand und jener Periode herrschte eine solche Begeisterung, daß sie die Spaltung in Parteien verhinderte. Nicht nur die mohammedanischen Araber waren geeinigt, sondern auch die christlichen Araber vereinigten sich mit ihnen zu Gesellschaften, die man unter dem Namen »Mohammedanisch-Christliche Vereinigung« kennt, und diese Einigung brachte das Arabische Aktionskomitee hervor, die oberste, nicht gewählte, sondern in Übereinkommen bestellte Institution, die bis zum Jahre 1934 an der Spitze der arabischen Bewegung stand. Gewiß bestanden immer Neigungen und Meinungen, die zur Parteibildung führten und die auf seelischer Veranlagung, auf nationalsozialen Bestrebungen und nicht minder auf persönlichen und Familiengegensätzen beruhten. Aber in der ersten Zeit nach dem Waffenstillstand meinten die Araber, daß sie ihr Ziel in einem großen Elan erreichen würden und daher wagte niemand, die Front zu spalten. Auch die Beamtenschaft der Okkupationsbehörden, die sich damals nur für e i n Ziel interessierte — dafür, daß die arabischen Bewohner das britische Mandat unterstützen t half dazu, diese eine Front zu errichten, die leicht durch Ratschläge zu lenken und der leicht ein erwünschtes Protektorat aufzuerlegen sein würde. Dies war die Periode der einen Front, die nach außen und auf ein nahes Ziel gerichtet war. Im Jahre 1921/22 wurde aber deutlich, daß dieses Ziel weder nahe noch leicht erreichbar war. Die Unterstützung der britischen Beamtenschaft aus der Zeit der Okkupation verminderte sich immer mehr: ein großer Teil der Beamten wurde aus dem Lande entfernt, um den Zivilbehörden Platz zu machen; das englische Ziel —- das Mandat über Palästina — war schon gesichert; das Mandat verpflichtete zu einer Politik, die derjenigen entgegengesetzt war, welche die Beamten der Okkupationszeit gepflegt und gefördert hatten, denn seine Grundlage war die jüdische nationale Heimstätte. Das Ziel der neuen Behörde, an deren Spitze Sir Herbert Samuel stand, war vor allem anderen, die nach außen gerichtete Front der Araber Palästinas nach Möglichkeit zu beschränken, sie wirkungslos zu machen, ihren politischen Ehrgeiz auf innere Angelegenheiten (lies: Streitigkeiten) abzulenken und nur ein einziges Ventil nach außen offen zu lassen —- den Zionismus. Dem arabischen Aktionskomitee und den Mohammedanisch-Christlichen Vereinigungen blieb nach dem Wunsch der britischen Behörden nur ein Amt: die Mohammedaner im allgemeinen und die Extremen unter ihnen im besonderen zu zügeln.