Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 3 (März 1935)
- Article
- Das Fehlen städtebaulicher Erkenntnisse u. Gesetzesvorschriften in der Entwicklung Palästinas
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 130 (sequence 2)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
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Uns sollen heute in dieser Zeitschrift, die für den Aufbau Palästinas wirkt und wirbt, weniger die allgemeinen Aufgaben, Werte, Ziele und die Bedeutung dieser Wissenschaft beschäftigen, sondern wir wollen zeigen, welche Mängel durch Nichtbeachtung der Lehren dieser Wissenschaft entstanden sind und noch entstehen können. In den letzten Jahren wuchs die Bevölkerung der palästinensischen Städte Tel-Aviv, Haifa und Jerusalem (durch Einwanderung) enorm, Anwachsen von Tel-Aviv: 1910 1919 .1926 1928 1930 1931 1932 1933 1934 Bäche 109.000 991.000 6,320.000 — — 6,500.000 — — — Einw. 550 2084 38.000 38.239 42.000 46.116 52.240 72.000 rund 103.000 Häuser '60 182 2946 — — — — — — Zimmer 300 1424 18.560 21.469 22.978 24.544 28.265 35.000 Die Städte- und Staatsverwaltungen wurden hiedurch vor Probleme gestellt, denen vergleichbar, die etwa in den Jahren 1870—1905 in allen großen Städten aller Länder Europas auftauchten, als sich die Einwohnerzahlen dieser Städte verdreifachten und teilweise in noch größerem Maße stiegen, Probleme, die durch die Wissenschaft des Städtebaus planmäßig untersucht und beobachtet wurden. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen können als Leitsätze für kommende Entwicklung Verwendung finden; es sind dies Fragen der städtischen Verkehrsstraßen, der Ausweisung von Flächen für Grünanlagen, für: Öffentliche Gebäude, wie Rathäuser, andere Verwaltungsgebäude, Gotteshäuser, für Sport- und Erholungsplätze, ferner vor allem für Bahnhofsanlagen und Flugplätze, kurz die gesamte Stadtplanung, die Einteilung in Wohngebiete, Geschäftsgebiete und Industriegebiete. Es ist bekannt, daß die meisten europäischen Städte die Nichtbeachtung dieser Lehren mit ungeheuren Summen für spätere Sanierungen, Straßendurchbrüche, Umlegung von Bahnhöfen usw. bezahlen mußten. In Paris hat verhältnismäßig früh, nämlich schon in den sechziger Jahren, der Seine-Präfekt Hausmann großzügige Straßendurchbrüche durchgeführt (mehr unbewußt freilich, da er sich von militärischen Grundsätzen leiten ließ, nämlich möglichst schnell Truppen an die Residenzschlösser heranführen zu können). In London sind die Verkehrsverhältnisse in den engen Gassen der City noch heute ganz unzureichend. Das Wachsen der Städte in Europa beruhte im wesentlichen, abgesehen von den Eingemeindungen, die alle Großstädte vornahmen, auf der Innenwanderung, also der Abwanderung der ländlichen und kleinstädtischen Bevölkerung in die großen Orte. Die ländliche Bevölkerung wurde durch die geregelte und verhältnismäßig leichtere Arbeitszeit, die besseren Verdienstsätze der Industrie und die Annehmlichkeiten, die die Stadt bietet, vom Land und Dorf dorthin zu wandern veranlaßt. Die folgenden Zahlen zeigen das Anwachsen der europäischen Städte während der Industrialisierungszeiten: