Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1935)
- Article
- [Rezension] / l. n.
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Natürlich hat Tel-Aviv auch ernstere und weniger erfreuliche Seiten — besonders wenn man es z. B. vom städtebaulichen, wohnungshygienischen oder industriepolitischen Standpunkt aus betrachtet. Von diesen Gesichtspunkten erscheint nicht alles so schön und lustig in dieser Stadt, wie es in dem Büchlein aussieht. Aber diese Bemerkung soll seinem Werte keinen Abbruch tun. Es bleibt jedenfalls für jeden, der die Stadt schon kennt, eine sympathische Erinnerung und für jeden, der sie noch nicht kennt, eine wirksame Aufmunterung, diese Bildungslücke so bald als möglich auszufüllen. 1. n. Juden und Judentum in deutschen Briefen aus drei Jahrhunderten. Herausgegeben von Franz Kobler. Saturn-Verlag, Wien 1934. S. 416. — Im richtigen Zeitpunkt ist eine Anthologie von Briefen zwischen deutschen und jüdischen Persönlichkeiten erschienen, welche in gewissem Sinne persönliche, intime Hintergründe zu dem Drama — Geschichtsdrama und zuletzt vielfach Tragödie — der Emanzipationsepoche enthüllen. Eine fast unübersehbare Fülle von Material, aber geistvoll geordnet, eingeleitet und verbunden, erscheint! hier aus einer ganzen -Literatur, , zum kleinen Teil auch aus neuen Quellen zusammengetragen, wobei oft hinter knappster Auswahl ganze Welten persönlicher Verbindungen, Schicksale, Lebenserfahrungen stehen. Wie getaucht in den Nebel einer in ihren Intimitäten immer noch wenig erforschten Vergangenheit nehmen sich Briefe aus der Vorzeit der Emanzipation, dem Ende des „jüdischen Mittelalters" aus, das bis zu der bedeutsamen Mendelssohnepoche reicht, in gewissem Sinne dem Perihel der Annäherung zweier großer Nationen auf den Höhen des geistigen Lebens. Dann aber folgen sich, aus der Distanz wellenförmig erscheinend, Annäherung und Entfernung, Freundschaften und Distanzierung, Freiheitskämpfe und E^ttäusclhHingein. Strömlujnjgen der Has-- kalaih, des politischen LiberalAsmujs und Sozialismus (erfahren von persönlichen Aspekten aus eine neue Beleuchtung, die Bewegung des nationalen Wiedererwachens im Judentum. Aus der Vorgeschichte des Zionismus sei besonders das Kapitel über Moses Heß hervorgehoben, das einige der in Briefform abgefaßten Abschnitte von „Rom und Jerusalem" und ein charakteristisches Schreiben an den Szegediner Rabbiner Leopold Low enthält. Es werden aber auch zwei Judenstaatsprojekte, beide von Nichtjuden abgefaßt, erwähnt: das eine von einem anonymen „Mann vom "Stande" an Mendelssohn adressiert, aus dem Jahre 1770, aus dessen Beantwortung die beiden Sätze angeführt seien: „Ueberhaupt genommen, scheint mir die Idee groß und in einem Geiste entstanden zu sein, der sich seiner Kräfte bewußt ist"; „Die größte Schwierigkeit, welche mir dem Projekte im Wege zu stehen scheint, ist der Charakter meiner Nation. Sie ist nicht vorbereitet dazu, irgend etwas Großes zu, untermehmen." Das andere in einer AblhandJunjg über die Juden entihaltene Projekt stammt von dem Fürsten von 4 Lignie, der im Goethe-Kreis; heimisch war und von einier jüdischen 'P^oselytiiv der Gräfin Cosel, starkej Impulse empfangen hatte. Sehr glücklich ist die Auswahl der Herzl-Briefe, unter denen ein Brief des Großherzogs von Baden nach Herzls Begegnung mit Wilhelm II. und ein verspätetes Beileidsschreiben des Fürsten von Eulenburg, das von dem tiefen persönlichen Eindruck spricht, sowie ein noch späterer Brief Scholem Alechems bis jetzt unveröffentlicht waren. Die letzten Briefe des Bandes, bis zum Jahre 1921 reichend, grenzen schon an die Vorbereitung einer für das deutsche Judentum katastrophale Entwick-