Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 11 (November 1934)
- Article
- Lohnprobleme in Palästina
- Date
- 1934-11-01
- Page
- Seite 476 (sequence 4)
- Language
- German
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Die Tabelle zeigt, daß im Bau- und Metallgewerbe die palästinensischen Löhne den englischen, mit denen sie die Währjungseinhieit verbindet, ziemlich gleich sind; dagegen sind in anderen Gewerben (Holz, Druckerei, Lebensmittelgewerbe usw.) die englischen Löhne erheblich höher als in Tel-Aviv. Eine zweite Gruppe stellen die Löhne in Wien und Rom dar». Siehlt man vom Baugewerbe ab, so sind auch in diesen Ortetti die Löhne hlöhiejr als in Tel-Aviv. Für das Baugewerbe aber liegen in Palästina infolge des Mangels an Facharbeitern besondere Bedingungen vor. Es ist z. B. interessant, daß die Löhne der tungeletrlntien Bauarbeiter in Pialästina nur ganz unwesentlich höher sind als in Rom und Wien. Die dritte Gruppe stellen osteuropäische Agrarländer (Ungarn und Polen) dar. In diesen Ländern ist das Nominallohnniveau in vielen Berufen nSfedringe r als in Palästina (und in allen anderen Ländern!), interessanterweise aber auch selbst dort in einigen Berufen (Druckereigewerbe, Elektroschlosserei) höher als in Tel-Aviv. Im allgemeinen läßt sich wiederum feststellen, was wir schon 1929 gesagt hatten: „Der palästinensische Durchschnittsnominallohn deckt sich ungefähr mit dem mitteleuropäischen"; wir können hinzufügen, daß er in Westeuropa (abgesehen von England) und selbstverständlich in Amerika teilweise bedeutend höher, in einigen Agrarländern, aber keineswegs durchwegs, niedriger als in Palästina ist; diese Länder sind aber keine erheblichen Kon>- kurrenzländer für Palästina in industrieller Hinsicht (das Beispiel von Japan stellt einen exzeptionellen Fall dar). Es ist also in keiner Weise zutreffend, daß das Lohnniveau in Palästina überhöht ist; nur in einigen Baufächern haben besondere Bedingungen zu einer zeitweiligen Steigerung geführt, die in Einzelfällen als Ueberhöhung bezeichnet werden kann; aber gerade das Baugewerbe ist ja kein für den Industriemarkt produzierendes Gewerbe. Es ist aber auch? von Wichtigkeit, festzustellen, und zwar ohne jede wertende Beurteilung, sondern rein faktisch, daß das Lohnniveau in Palästina im Vergleich zum Ausland gegenüber 1929 nicht überhöht wurde, sondern daß das Verhältnis im allgemeinen gleich geblieben ist. Wo eine relativ starke Erhöhung stattfand, haben die Löhne erst jetzt den Tiefstand im Vergleich zum Ausland, der Krisenjahre 1926 bis 1929 wieder eingeholt. Die Kaufkraft des palästinensischen Lohnes. Sind diese Angaben für den Produzenten und den Kapital investierenden Immigranten von Bedeutung, so interessiert den Arbeiter die (reale Kaufkraft des Lohnes. Was kann sich der palästinensische Arbeiter für seinen nominalen Lohn, dessen Höhe im Vergleich zum Ausland wir eben festgestellt haben, kaufen? Als Anhaltspunkt können nur drei wichtige Faktoren dienen (die Auslandziffern sind dem Juniheft 1934 der „Int. Labour Review", Seite 862—863, entnommen) : 1. Die Preise einiger wichtiger Lebensmittel, 2. der Preis einer Kilowattstunde Elektrizität^. 3. die Mieten für Arbeiterwohnungen verschiedener Typen. Von den wichtigeren Lebensmitteln fehlen nur Gemüse, die aber im palästinensischen Arbeiterhaushalt (Aschkenasim in Jerusalem) nur ca. 7 o/o, sowie Früchte (ca. 5o/o) des Geldwertes sämtlicher Lebensmittel ausmachen (siehe: