Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1934)
- Article
- Die neue Anleihe und die Finanzpolitik der Regierung [Nachricht]
- Date
- 1934-06-01
- Page
- Seite 279 (sequence 2)
- Language
- German
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In der offiziösen Zeitschrift „Near East and India" vom 19. April finden sich einige Bemerkungen über die Finanzpolitik der Regierung. Die Anhäufung der Reserven geschieht wegen der Gefahr, daß magere Jahre kommen können, auch kann man nicht annehmen, daß der „Boom", der die jetzigen Rekordeinnahmen brachte, anhalten werde. Jedenfalls habe die Regierung seit 1930 vor allem die notleidenden Ackerbaudistrikte mit bisher zusammen 200.000 Pfund unterstützt. (Es ist eine schöne Umschreibung, von Ackerbaudistrikten, also geopraphisch zu sprechen — tatsächlich haben nur arabische Fellachen Unterstützungen erhalten.) Zu dieser Thesaurierungspolitik bemerken wir wiederholt, daß die Berufung auf schlechtere Zeiten ihren Sinn« völlig verliert, wenn in einem Einnahmebudget ein Plus von 50 o/o über die Ausgaben vorhanden ist (1. April bis 31. Dezember 1933 Einnahmen 2,8 Millionen Pfund, Ausgaben 1,9 Millionen Pfund, Plus 0,9 Millionen Pfund, das sind fast 50o/o der Ausgaben.). Das heißt, selbst wenn die Einnahmen wegen eines Rückschlages um ein volles Drittel zurückgehen würden, so wäre das Budget noch immer balanziert. Außerdem ist doch noch eine Reserve da, die heute schon so groß sein dürfte, wie die Ausgaben eines ganzen Budgetjahres. Es ist also hoch an der Zeit, daß die Regierung nicht nur einseitig die Bürde, die auf den Fellachen liegt, sondern auch die hohe Steuerlast erleichjtert, mit der sie speziell die Juden trifft. Hier ist zu nennle/n der Abusus, die Werko (Grundsteuer) nach dem letzten Verkaufsertrag, (also vom inflatierten Wert) zu berechnen, die Nichteinräumunig von Freijahren für neue Kolonisation, gewisse Zollsätze, die nur den jüdischen Konjsum treffen, die Taxen auf die Einwanderung, die die Nichtgewährung von Freijahren bei Neukolonisation u. a. m. i j '(• 11 ' Am 11. Mai hat das Unterhaus der Regierung einstimmig die Bewilligung zur Emission der Anleihe erteilt. Der Kolonienminister sagte, daß eine Berechnung ergeben habe, daß die Ausgaben aus der Anleihe zu zwei Drittel den Arabern und zu einem Drittel den Juden zugute kommen würden. Von den geplanten Anlagen werde das Oeldock aliein 30.000 Pfund per Jahr tragen^ auch das Postamt in Jerusalem wird die dafür aufgewendeten Kosten aufbringen. — Merkwürdigerweise ist kein Betrag für den Bau des neuen Postamtes in Tel-Aviv, für das schon der Boden erworben wurde, ausgesetzt Sowohl die Exekutive der Jewish Agency, als der Waad Leumi haben gegen die Art der Verwendung der Anleihe protestiert (siehe Rubrik „Jewish Agency"). Inzwischen ist die Anleihebill in dritter Lesung angenommen worden. Wir finden es übrigens merkwürdig, daß die arabische Oeffentlidhkeit sich angesichts der durch die andauernde Trockenheit verschärfte Notlage von zehntausenden Fellachenfamilien nicht dagegen wehrt, daß 1/4 Million Pfund just für Ansiedlung ein paar hundert Familien ausgegeben werden sollen, die von den Juden schon entschädigt worden waren und keinerlei Vorzug vor der der Masse der Fellachen haben sollten. Geldumlauf und Deckung. Joseph L. Cohen schreibt über dieses Thema in „The New Judaea" Nr. 7. Der Geldumlauf hat sich in den letzten Jahren fortwährend stark ausgedehnt, und in fünf Jahren nahezu verdoppelt. Er betrug (in pal. Pfund) 1929: 1,788.000 und wird für 1934 auf 3,800.000 geschätzt. Da trotzdem keine Erhöhung der Preise eingetreten ist, so ist die Vermehrung eine dem Bedarf entsprechende gewesen.