Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1934)
- Article
- Das Konjunkturrätsel in Palästina
- Date
- 1934-06-01
- Page
- Seite 239 (sequence 7)
- Language
- German
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oben erwähnt haben, kann diese Grenze als ziemlich breit betrachtet werden. Die Entwicklung einer Einwanderung kaufkräftiger Massen, eine entsprechende Proportion .zwischen Einwandererkapital und Einwandererarbeit, sowie die erwünschte Disproportion zwischen den drei wichtigsten Wirtschaftszweigen können den Zeitpunkt der Stabilisierung aufschieben, indem die Dynamik in eine relative wirtschaftliche Statik übergeht. Es mag sein, daß sich in diessem Momente zeigen wird, daß die stabile Basis der Wirtschaft, nachdem sie geschaffen wurde, die definitive Aufnahme all der Einwanderer, die ins Land kamen, nicht ermöglicht; es kann überhaupt nicht vorausgesehen werden, auf welcher Stufe diese Lage entstehen kann. Dann wird für die palästinensisch© Wirtschaft das Problem der Differenz zwischen der Anzahl der Einwanderer, die auf Basis der wirtschaftlichen Dynamik aufgenommen wurden, und der Anzahl der Einwanderer, die auf der Basis der stabilen Wirtschaft, die sich inzwischen kristallisiert ihat, leben können, entstehen. Es kann nicht vorausgesagt werden, ob und wann eine solche La,ge eintreten wird und welcjhem Umfang dieses Problem haben wird, es ist aber klar, daß die Basis der palästinensischen Wirtschaft in jenem Zeitpunkt viel breiter und stabiler sein wird als heute. Es kann nicht die Sicherheit geschaffen wierden, daß die; palästinensische Wirtschaft .für immer vor der Krise bewahrt bleiben wird. Nach der Stabilisierung, nach dem Abschluß des Prozesses der Wirtschaftsdynamik wird ,hier, wie überall in der kapitalistischen Wirtschaft, der konjunkturelle Zyklus und die konjunkturelle Krise eintreten, eine Entwicklung, die nicnt <zu vermeiden ist. Dieser Widerspruch mulß im Lauie der Zeit in einem Lande, in dem die Wirtschaftsdynamik die Kaufkraft von außen }ier nährt, eintreten. Sie wird jedoch dann in einem breiterein Rahmen in einer Wirtschaft auf einer breiteren Basis, in einer industriell besser entwickelten Siedlung entstehen. Nach dem Prozeß der Stabilisierung wird die palästinensische Wirtschaft in den verzauberten Kreis der konjunkturellen Krise und auch der allgemeinen andauernden Wirtschafts-Stagnation eintreten. Wir haben bemerkt, daß die Aussichten der wirtschaftlichen Entwicklung für die nächste Periode in großem Maße von der Proportion der einzelnen Wirtschaftszweige abhängen wird. Was das Baugewerbe anbelangt, so hängt der Umfang der Entwicklung vollständig von äußeren Kräften, von der Einwanderung und dem Kapitalimport ab. Der wirtschaftliche Boykott in Deutschland, die Verschärfung der ökonomischen Lage in anderen Ländern Europas, dies sind die Kräfte, die zur Auswanderung treiben. Das jüdische Kapital ist in der Diaspora an der Peripherie der Wirtschaften in schwachen Positionen investiert, wird aus seinen Stellungen verdrängt und wandert ab. Die Krise der Weltwirtschaft ihat die Investitionsmöglichkeiten eingeschränkt und die Profitrate und den Zinsfuß für das Kapital herabgesetzt. Andererseits haben die Investitionsmöglichkeiten in Palästina eine große Attraktionskraft. Die politir sehen und gesellschaftlichen Verfolgungen, das Ansteigen der antisemitischen Bewegung — dies sind soziale Kräfte, die in Verbindung mit den wirtschaftlichen Faktoren das Kapital und die Menschen zur Auswanderung treiben. Andererseits wird diese Entwicklung durch ernste politische Schwierigkeiten, vor allem durch die Einwanderungseinseihränkung in Palästina behindert. Wie aus der Aufzählung dieser Faktoren zu ersehen ist, kann ihre Wirkung nicht im vorhinein vorausgesehen werden, da sie in weitem Maße nicht von Wirtschaftsbedingungen im Lande selbst abhängig sind.