Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1934)
- Article
- Die Weinindustrie in Palästina
- Date
- 1934-04-01
- Page
- Seite 179 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Weinind ustrie in Palästina 179 Einem ausführlichen Artikel in „Boust'nai" Nr. 40 und Nr. 41 entnehmen wir folgende Daten. Die Red. Die ersten Weinpflanzungen wurden in Rischon 1883 durch Baron Rothschild angelegt. Im Jahre 1889 wurde der Keller in Rischon erbaut, im Jahre 1892 jener in Sichron Jacob. Um diese Zeit hauste die Reblaus und die Weinstöcke wurden zum größten Teil durch amerikanische ersetzt. Die Ausdehnung der Pflanzungen im Jahre 1900 war 23.130 Dunum, und zwar: Rischon 5.500, Petach Tikwäh 3.500, Gedera 1.300, Neß Zionah 900, Mikweh Israel 300, Sichron Jacob 5.200, Meir Schefja 2.200, Chedera 1.000, Rosch Pinah 900, Ein Seitun 1.000, Minchmar Hajarden 100, Jessod Hamaalah 30, Mozza 100. Die Ausbeute war 1906 ca. 60.000 Hektoliter. Der Verkauf wurde den Karmelgesellschaften übergeben. Die Weinpreise auf den Weltmärkten fielen aber sehr stark. Im Jahre 1904 wurden 35.000 Hektoliter verkauft. Die Winzer erhielten bloß 16 Franc für den Kantar (200 Liter) Trauben und selbst dieser Preis verursachte einen Verlust von 600.000 Francs. Dieser Zustand war unhaltbar und die JCA., der der Baron im Jahre 1900 die Führung der Geschäfte übergeben hatte, beschloß 1906 die Leitung der Kellereien einer zu diesem Zwecke gebildeten Winzergenossenschäft, mit S. Gluskin an der Spitze, zu übertragen. Die übernommenen Vorräte waren am 1. Juli 1906 : 93.400 Hektoliter. Dazu kam die Weinlese 1906 mit 54.000 Hektoliter, so daß 147.400 Hektoliter vorhanden waren. Hievon wurden 52.000 Hektoliter bis 1. März 1907 verkauft, so daß an diesem Tage nur mehr 95.400 Hektoliter übrig blieben. Ferner wurde beschlossen, ein Drittel der Traubenstöcke auszureißen. Als Entschädigung hiefür erhielten die Winzer 170.000 Francs. An Stelle der ausgerissenen Weinstöcke wurden andere Bäume gepflanzt, hauptsächlich Mandeln. Die Leitung beschloß zu dieser Zeit, in Petach Tikwah und Rechoboth kleine Keller anzulegen. Nach vielen Verbesserungen konnte die Gesellschaft in den Jahren 1914 bis 1917 den Traubenübernahmspreis auf 32 Francs für den Kantar steigern. Die Wirrnisse nach dem Kriege beeinflußten die Weinindustrie in ungünstiger Weise. Die Prohibition in Amerika, der Ausfall des russischen Marktes, die Wirtschaftskrise, die hohen Zölle etc. drosselten den Absatz. Aegypten, das jährlich 10.000 Hektoliter Wein einführte, erhöhte den Zoll um 100o/o und vor kurzem noch weiter. Damit ist der Export dorthin ganz unterbunden. In Palästina selbst wird nur sehr wenig Wein konsumiert. Die europäischen Juden würden, falls die Akzise herabgesetzt werden würde, mehr kaufen können. Bisher betrug diese per Hektoliter 0,6 Pfund bis 15° Stärke und 1,20 Pfund auf alkoholreicliere Weine. Nach vielen Verhandlungen wurden diese Sätze auf 0,3 und 0,7 Pfund herabgesetzt. Jedesfalls konnten die Kellereien den Winzern keine solchen Preise zahlen, die noch einen Gewinn gelassen hätten. Der Kaufpreis für Trauben sank von 1,30 Pfund (1930) auf 1,10 Pfund (1931) für den Kantar, ein Preis der nicht die Kosten deckt. So kam es, daß die Weinbauern schweren Herzens anfingen, an Stelle von Trauben Orangen zu pflanzen, obzwar z. B. in Sichron Jakob, wo dies am meisten geschah, der Boden für Zitrus nicht sehr geeignet ist und Wasser mangelt. Sichron wird mehr und mehr das Hauptzentrum des Weinbaues.