Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1934)
- Article
- Die Einwanderung des Jahres 1933
- Date
- 1934-04-01
- Page
- Seite 156 (sequence 5)
- Language
- German
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Nimmt man nur den Mindestsatz von 1000 Pfund pro Kapitalisteneinwanderer an, so sind 1933 allein 3,250.000 Pfunkl auf diese Weise nach Palästina importiert worden. In Wirklichkeit liegt diese Summe aber viel höher. Nach G u r e v i c h und Cyderowitsch, die diese Frage in einer hier besprochenen, sehr interessanten Studie eingehend untersucht haben („Ein« Wanderungsstruktur und Kapitalimport Palästinas", Jerusalem 1933),*) liegt der Durchschnitt pro Einwanderer unter Kategorie „A" bei 3763 Pfund. Für 1933 würde das also einen Kapitalimport von nicht weniger als rund 12,430.000 Pfund bedeuten! Jedoch dürfte diese Zahl zu hoch gegriffen sein, da besonders unter den Kapitalisteneinwanderern aus Deutschland, die 55% dieser Kategorie darstellen, die; weitaus überwiegende Mehrzahl nur genau 1000 Pfund mitgebracht hat. Immerhin wird man mit durchschnittlich 2000 Pfund pro Kopf, d. h. insgesamt 7,000.000 Pfund, der Wahrheit wohl ziemlich nahekommen. Was der Zustrom von!90 Millionen Mark (deren Kauf wert im Lande übrigens weit höher liegt als in Deutschland und bei 120 Millionen anzusetzen ist) innerhalb eines Jahres für ein so kleines und bevölkerungsarmetS: Land wie Palästina bedeutet, ist kaum zu ermessen, ganz «^gesehen von dem mindestens ebenso wertvollen Kapital an menschlicher Energie, Initiative und Erfahrung, die auf diese Weise mit ins Land gekommejn sind, und die in einem ungeheuren Aufschwung von Industrie, Handel und intensiver Landwirtschaft ihren Ausdruck finden. Hier liegt auch der Schlüssel für die sonst unerklärliche Tatsache, daß Palästina mit einer zu 75% passiven Handelsbilanz nicht nur nicht Bankrott erleidet, sondern als beinahe einziges Land der Erde von der Weltwirtschaftskrise völlig unberührt geblieben ist. An dritter Stelle steht die Einwanderung von Angehörigen von im Lande schon Ansässigen und Eingeordneten, die stets einige Tausende nach Palästina bringen, während Handwerker mit 250 Pfund Kapital leider noch einen sehr geringen Prozentsatz darstellen. Die Regierung gibt Handwerkervisen sehr ungern und läßt die betreffenden Leute lieber auf Arbeiterzertifikate einwandern, da die Jewish Agency so das Risiko für ein Jahr übernimmt. Auf der anderen Seite ist der Mangel an wirklich guten Handwerkern im Lande sehr groß und es sollten von jüdische^ Seite Maßnahmen getroffen werden, geeignete Elemente, vielleicht durch Gründung und Unterstützung von speziellen Handwerkerkooperativein, heranzuziehen. Der starke Zustrom aus Deutschland macht sich natürlich auch' in der Berufsschichtung der Einwanderer geltend. 1643 ungelernten Arbeitern und 1586 ausgebildeten Landwirten stehen z. B. 1071 Einwanderer aus dem Handel und nicht weniger als 1564 Angehörige der freien Berufe gegenüber. Unter diesen sind allein 516 Aerzte und Zahnärzte, 280 Architekten und Ingenieure und 768 andere (Rechtsanwälte, Lehrer, Rabbiner, Künstler usw.). Gewiß berechtigt eine Einwanderung von 40.000 Menschen auch zu e;inem gewissen Prozentsatz an Medizinern (obwohl die schon vorhandene jüdische] Aerzteschaft auch diesen Zustrom mit Leichtigkeit bewältigt hätte), jedoch' ist dieser Prozentsatz um das Zehnfache überschritten worden. Es kann also nur imme* wieder auf das nachdrücklichste davor gewarnt werden, mit der Hoffnung einzuwandern, sich in Palästina eine ärztliche Praxis laufbauien zu können. Wie bei allen Einwanderungsbewegungejn überwiegt der männliche Teil; in Palästina allerdings nur leich^, wie die folgende Aufstellung zeigt: *) Siehe Jahrgang 1933, S. 427. — Die Red.