Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 2-3 (Februar 1934)
- Article
- [Nachricht] / A. T.
- Date
- 1934-02-01
- Page
- Seite 94 (sequence 2)
- Language
- German
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als möglich zur Fun&erung der wirtschaftlichen Existenz der Arbeiterschaft und Hebung ihres Lebensniveaus ausgenützt werden sollte. Die palästinensisch« Arbeiterschaft steht dagegen diesem großen wirtschaftlichen Aufschwung, des jedwede Arbeitslosigkeit abgeschafft und die Löhne bedeutend in die Höhe getrieben hat, mit einer großen Dosis von Skepsis und mit vielen Sorgen gegenüber. Man versucht es eben immer wieder, über die äußerliche Hülle der günstigen Entwicklung hindurch bis zu den entscheidenden nationalen und sozialen Aufgaben der jüdischen Arbeit in Palästina zu dringen und da treten auf Schritt und Tritt die Gefahren ins Blickfeld, die sich gerade aus der gegenwärtigen Konjunkturperiode ergeben und den eigentlichen Sinn dieser Arbeiterbewegung zu verwischen geeignet sind. Versuchen wir es nun, diese innerliche Gärung in der jüdischen Arbeiterbewegung Palästinas auf ihre einzelnen Bestandmomente zurückzuführen. Was zunächst am meisten zu Besorgnis Anlaß bietet, ist die Differenz zwischen Stadt und Dorf, die jetzt erneut und mit der gani&en Vehemenz in Erscheinung getreten ist. Die eklatantesten Erscheinungen der Konjunkturperiodo sind, wenigstens soweit es sich um die Arbeiterschaft handelt, auf die Stadt beschränkt geblieben. Hier ist das Lohnniveau in fast allen Arbeitszweigen, in erster Reihe in den Baubetrieben und in den Indu^trieun^ernehmungen, bedeutend gestiegen, hier ist auch der Bedarf an jüdischen Arbeitskräften am s)tärk« sten fühlbar. Ganz anders sieht es dagegen in den jüdischen Kolonien, wie auch in den staatlichen Unternehmungen aus. Um nun zunächst bei den Kolonien zu bleiben, so sind hier die Folgen des Aufschwunges viel weniger zu bemerken, als in der Stadt. Der ununterbrochene Kapitalzufluß der letzten Jahre und die großen Bodenkäufe haben allerdings auch zu einer bedeutenden Vergrößerung der Pflanzungsflächen geführt. So sind allein in den letzten zwei Jahren ca. 70.000 Dunam neue Pflanzungen angelegt worden, was an und für sich eine Neuanstellung von 7000 bis 8000 Arbeitern nach sich ziehen müßte. Doch hat diese Tatsache nur wenig sowohl auf die Zahl der jüdischen Arbeiter in den! Kolonien, als auch auf deren Lohnniveau gewirkt. Es sind heute in den jüdischen Kolonien ca. 16.500 jüdische Arbeiter konzentriert, was allerdings im Vergleich mit den früheren Jahren einen großen Fortschritt bedeutet, doch steht dieses Wachstum in keinem richtigen Verhältnis zu dem großen Emporschnellen der Gesamtzahl von Arbeitern in den Kolonien, da der Perzentsatz von jüdischen Arbeitern in diesen gerade im letzten Jahre bis auf 45 (in den Kolonien mit gemischter jüdisch-arabisdher Lohnarbeit gar auf 30) zurückgegangen ist. Dasselbe bezieht sich auch auf das Lohnniveau, das im allgemeinen im letzten Jahre fast unverändert geblieben ist und sich lediglich bei den ständig angestellten Arbeitern etwas (bis auf 22,5—25 Piaster täglich) gehoben hat, ohne auch nur annähernd das Durchschnittsniveau der städtischen Verdienste zu erreichen. Diese wenig erfreuliche Erscheinung, die ein ziemlich starkes Anwaehjsjen der arabischen Lohnarbeit in den Kolonien zur Folge gehabt hat, ist in der Hauptsache auf zwei ganz verschiedene Gründe zurückzuführen: Erstens einmal auf die Taktik eines bedeutenden Teiles der Kolonisten, der — sei es» infolge der scharf zugespitzten Klassengegensätze in den Kolonien oder aus einer bestimmten politischen Einstellung heraus — geneigt ist, zum Prinzip der arabischen Lohnarbeit oder wenigstens einer gemischten jüdisch-arabischen Lohnarbeit zurückzukehren. Nicht minder wichtig ist indes die Tat-