Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 2-3 (Februar 1934)
- Article
- Arbeiterwohnviertel
- Date
- 1934-02-01
- Page
- Seite 76 (sequence 1)
- Language
- German
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Arbeiterwohnviertel. Von Leo Kaufmann, Sekretär des Amtes für städt. Arbeitersiedlungen, Tel-Aviv. Die Wohnverhältnisse der jüdischen arbeitenden Bevölkerung in Palästina lassen viel zu wünschen übrig. Sie sind viel weniger befriedigend, als die in den meisten anderen Ländern. Vergleichende Statistiken zeigen, daß während zum Beispiel in Frankreich 18 o/o der Arbeiterfamilien in einem Raum wohnen und in England bloß 60/0, diese Ziffer in Palästina 60 0/0 beträgt. Und während der Arbeiter für Wohnzwecke von seinem Budget ausgibt: in Frankreich 120/0., in England und Amerika 11 resp. 10 0/0 , ist der Arbeiter in Palästina gezwungen, 20 bis 40o/o seines Lohnes für viel weniger befriedigende und kleinere Behausungen aufzuwenden. Dieser Zustand hat sich seit dem letzten Jahre infolge der starken Zunahme der Bevölkerung noch verschlechtert. Die Mieten sind gestiegen, ohne daß gleichzeitig eine Erhöhung der Löhne eingetreten wäret Infolge dessen war der Arbeiter gezwungen, seinen Wohnstandard weiter zu, senken, wobei außerdem die Last der Mietkosten auf 30 bis 40 0/0 seines Einkommens stiegen. Mit anderen Worten: der jüdische Arbeiter muß neun Tage im Monate für die Bezahlung der Miete arbeiten, so daß bloß das Einkommen für 16 Tage für die anderen Bedürfnisse seiner Familie übrig bleibt. Die Wirkung der hohen Mieten sind eine Senkung des Reallohnes des Arbeiters und die Ueberfüllung der Wohnungen, deren unbefriedigender Zustand seine und seiner Familie Gesundheit gefährden. Die Lösung des Arbeiterhaus-Pi'oblemes. Diese Lösung ist dringend nötig. In Palästina liegt sie, sichtlich mehr als in anderen Ländern in der Errichtung van recht viel Arbeiter vor Stadtniederlassungen. In diesen besitzt der Arbeiter außer seinem Haus ein kleines Stück Land, worauf er Gemüse ziehen, Geflügel und eine Milchkuh halten kann. Er wird daraus nicht nur den Eigenbedarf decken, sondern auch etwas für den Marktverkauf ziehen. Dieses zusätzliche Einkommen wird es ihm erleichtern, die Raten für das Haus abzuzahlen. Der Besitz von Haus und Grund, von dem er dieses zusätzliche Einkommen gewinnt, ist gerade für den organisierten jüdischen Arbeiter nötig, um gegen die billige (arabische) Arbeit zu konkurrieren. Jener Arbeiter, welcher ein kleine Farm als Rückhalt besitzt, wird nicht nur in guten Zeiten mehr ersparen, als ein anderer, sondern auch in schlechten Zeiten eher standhalten können. Was ist geschehen, um diese Lösung des Wohnproblems des jüdischen Arbeiters zu verwirklichen? Der Beginn der Bewegung für Arbeitervorstädte datiert zehn Jahre zurück, als eine große Einwanderungswelle eine neue Aera des Wachstums der palästinensischen Städte einleitete. Es vergingen jedoch einige Jahre bevor ein praktischer Fortschritt bei den verschiedenen, zu diesem Zwecke entworfenen Projekten gemacht werden könnte. Ein zentrales Amt für Arbeitervorstädte wurde von der Allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation im Jahre 1928, als die praktische Arbeit begann, errichtet. Deren Tätigkeit war eine mannigfaltige. Sie umfaßte die allgemeine Propaganda, die Zusammensetzung immer neuer Gruppen als Kandidaten für Arbeitervorstädte, der Beistand für die vorhandenen, den Kauf von Boden (dies, wo es möglich war, in Verbindung mit dem KKL.) und die Vorsorge für die Bauplätze. Das Amt sorgt auch für