Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1933)
- Article
- Die Leitung zum Boykott gegen Deutschland [Nachricht]
- Date
- 1933-05-01
- Page
- Seite 187 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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JEWISH AGENCY. J37 Die Leitung zum Boykott geigen Deutschland. Die Exekutive der Jewish Agency und der Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat, die Exekutive der Jüdischen Nationalversammlung) in Jerusalem, haben am 30. März an Reichskanzler Hitler ein Telegramm gerichtet, worin erklärt wird, es handle sich bei dem antideutschen Boykott um spontane individuelle Aktionen, die aufhören würden, wenn die deutschen Behörden ihre gegen die Juden gerichtete Aktion nicht fortsetzen. Eine Kopie des Telegramms wurde dem deutschen Konsul in Jerusalem überreicht. Dieser richtete nach Besprechung der Lage mit einer Delegation des Waad Leumi ebenfalls ein Telegramm nach Berlin, in dem erklärt wird, daß der bisher auf individuelle Aktionen beschränkte Boykott abflauen werde, wenn die palästinensischen Juden nicht durch eine judenfeindliche Aktion in Deutschland in eine deutschfeindliche Haltung gedrängt werden. Ein Aufruf englischer Staatsmänner. Ende Mai wurde in London ein Aufruf an die Juden aller Welt veröffentlicht, den Palästinafonds für deutsche Juden zu unterstützen. Unterzeichner sind Lord Cecil, Lloyd George, Herbert > Samuel, General Smuts, ferner Cyrus Adler, Morris Rothenberg, Nahum Sokolow, Felix War bürg, Prof. Weizmann. Die Vorsorge für die Einwanderer aus Deutschland. Am 23. April fand in Jerusalem eine Sitzung der leitenden zionistischen Körperschaften statt, die über Pläne einer Aktion zur Aufbringung der Mittel zur Ansiedlung der aus Deutschland kommenden Juden beriet. Die Exekutive London erließ einen Aufruf zwecks Gründung eines „Palästina Notfonds für deutsche Juden." In Palästina wurde ein Zentralhilfskomitee gebildet, dem fast alle leitenden Persönlichkeiten angehören. Die erste Spende, 1000 Pfund, übergaben die jüdischen Gemeinden Tel-Aviv—Jaffa. In Palästina hat die „Hitachduth Ole Germania" Vorsorge für die Einwanwanderung aus Deutschland getroffen. Durcjh die Arbeit unseres geschätzten Mitarbeiters Ing. Josef Loewy ist in der Haifa-Bay beim Arbeiterviertel auf Gründen des KKL. ein Lager errichtet worden, das erweitert werden soll. Dieses Lager soll auch der Umschulung dienen. Auch Zimmer, sowie Zelte im Arbeiterviertel wurden zur Verfügung gestellt. Insgesamt sind derzeit 10(1 deutsche Einwanderer dort untergebracjht. In anderen Städten wird ebenfalls Vorsorge getroffen. In Tel-Aviv wurde eines der Ausstellungsgebäude zur Unterbringung von deutschen Einwanderern hergerichtet. Zur Errichtung von Notbauten hat die Stadtgemeinde 5000* Pfund bewilligt. Bis 20. April waren 500 deutsche Juden in Palästina angekommen. Inzwischen hat sich die Zuwanderung verstärkt. Der Waad Leumi hat in einer Sitzung vom 10. Mai beschlossen, von England die freie Einwanderung für Juden aus Deutschland zu fordern. Dr. Chaim Arlosoroff, der auf einer Europareise ist, äußerte sich über die Frage der Eingliederung deutscher Juden in verschiedenen Reden. Er sagte, daß in erster Linie die Unterbringung von Schjulkijndern aus Deutschland möglich wäre. In den Siedlungen könnten 600—700 Kin'der sehr billig untergebracht werden. Bei Aufbringung von Geldmitteln könnten neue Kinderdörfer geschaffen werden.