Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1932)
- Article
- Bilu
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 348 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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um so mehr jeder Kenner der Geschichte weiß, daß trotz aller Größe des Erreichten die Folgen jener Pionierarbeit ganz anders geworden wären, wenn das Judentum schon vor 50 Jajüren dem Rufe des Zionismus gefolgt wäre. Unwiederbringliches ist versäumt worden. Doch muß andererseits gerechterweise zugegeben werden, daß diese Bewegung damals zu große Anforderungen an Voraussicht, Einkehr, Opferbereitischaft usw., der durchschnittlichen Judenschaft stellte, als daß es erstaunlich sein könnte, daß sie so wenig Echo finden konnte. Selbst nach der großartigen Wendung ins Weltpolitische, die Herzl 1897 dem Zionismus gegeben hatte, war der Widerhall in der Judenschaft noch immer ein ungenügender. Aber diese schmerzliche Erkenntnis darf nicht das Staunen über das Wunder mindern, daß diese Pionierbewejgung, die vor 50 Jajhren aufflammte, sich immer wieder erneute und schließlich eine permanente wurde. Die jüdische Jugend steht in einer ständigen heroischen Chaluz-Bewegung, eine Erscheinung, wie sie die Geschichte bisher nicht kannte und die uns die hohe sittliche Kraft des jüdischen Volkes aufs neue offenbart. Wenn der Bolschewismus das Schlagwort von der „permanenten" Revolution geprägt hat — hier ist die einzige Revolution (im Sinne von Umkehr und Neuschöpfung menschlicher Grundverhältnisse), die wirklich „permanent" genannt werden kann. Der Zug nach Palästina hat nach und nach auch alle anderen Kreise des jüdischen Volkes ergriffen. Die in Jahrhunderten aufgespeicherte Energie nimmt ihr Gefälle nach diesem „Land des geringsten Druckes" (Franz Oppenheimer). Es ist kein Zweifel, daß dieses Strömen immer kraftvoller und reichlicher werden wird. Den wenigen Ueberlebenden der „Bilu" ist die hohe Genugtuung zuteil geworden, daß ihr Jugenjdtraum sich erfüllt. Wir grüßen sie als die Vorboten dessen, was einer ihrer Lehrer, Mosche Lilienblum, als ihr Ziel bezeichnet hatte: Der Wiedergeburt des jüdischen Volkes im alten Heimatlande. a. b. Die Einnahmen der Fellachen. Von David Horowitz, Tel-Aviv. Obzwar Palästina in keiner W^eise immun ist gegen die Bewegungen am Weltmarkt, hat die Krisis des Nahen Ostens örtliche Besonderheiten. Hier ist die Frage keine bloß technologische, sondern es sind starke soziale Fak1*- toren in ihr wirkend, denn diese Länder befinden sich in dem Stadium der Auflösung einer halb feudalen Wirtschaft mit ihren Begleiterscheinungen wirtschaftlichen Verfalles, der Anarchie und der Verwirrung. Der Fellache hat nicht nur mit der Natur zu kämpfen, sondern auch mit der Last der Pach>irente für seinen oft abwesenden Grundherren, mit jener, die der Wucherer, zu dem er gezwungenermaßen Zuflucht für seine Kreditbedürfnisse nimmt, ihm auferlegt, und schließlich muß er Steuern zahlen. All dies kommt noch zw der allgemeinen Weltkrise hinzu, um ihn niederzuzwingen. In dieser Hid sieht ist die Lage in Palästina ähnlich wie in dessen Nachbarländern. Eine Untersuchung über die Lage des Fellachen im Nahen Osten zeigt« daß überall die Verschuldung seine Hauptbürde ist. Syrische Fellache»