Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1932)
- Article
- [Rezension] / m. a.
- Date
- 1932-05-01
- Page
- Seite 230 (sequence 2)
- Language
- German
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^uc^-e von ^ußen Müller, allein die Haltung ist gegenüber dem Zionismus eine selir unfreundliche. Aehnlich wie bei Müller werden die Araber wegen der Pogrome entschuldigt. Es sei natürlich, sagt der Autor, daß die Araber über den raschen Aufstieg der Juden „fassungslos" sind, daß sie mit der Faust in der Tasche dastehen und „eines Tages die Faust irgendwo zuschlägt". Ein gläubiger Christ hat also eine Entschuldigung dafür, daß die Araber die Juden wegen ihres wirtschaftlichen Aufschwunges totschlagen! Man muß leider konstatieren, daß eine solche Auffassung alles eher als eine christliche ist. Daß* derartiges offiziell von einem Verein gläubiger Christen verbreitet wird, isi] eine sehr bedauerliche Tatsache. Die sachlichen Ausführungen des Autors sind auf der ganzen Linie oberflächlich und auch reaktionär. Er beklagt es z. B., daß es einen Streik arabisch-christlicher Arbeiter gab. Der Streik (es handelte sich um Herabsetzung der Arbeitszeit von 12—14 Stunden auf 9 Stunden) „wurde allgemein als eine Versündigung gegen die göttliche Ordnung verurteilt." „Beim Gottesdienst wurde darüber gesprochen, daß es nicht richtig sei, gegen die Arbeitgeber so zu bandeln, die immer auf das Wohl ihrer Arbeiter bedacht gewesen seien." So etwas wird 1932 geschrieben. Der Autor behauptet, daß infolge des jüdischen Bodenkaufes einige hunderttausende Araber Palästinas in der arabischen Welt herumwandern — obzwar es bekanntlich keine arabische Auswanderung mehr gibt. Wir wollen aber hier die zahlreichen unrichtigen Angaben nicht im einzelnen widerlegen. Denn von Interesse ist bloß, wie der Autor die katholischen Kreise gegenüber dem Zionismus eingestellt wissen will. In bezug auf die religiöse Frage entdeckt er, daß zwischen der christlichen und der „arabischen" Religion „gewisse Verbindungen" bestehen — weil Christus auch den Moslem als Prophet gilt. Aber von den noch engeren Verbindungen zwischen Judentum und den beiden anderen Religionen wird nicht gesprochen. Die Christen haben nach Gramer ein Interesse daran, daß Palästina sich beruhige, sie müßten sich in aller Welt zusammentun und ein Komitee bilden, das von den Regierungen eine staats4reehtliche Form verlange, „die ausschließt, daß das heilige Land Mittelpunkt kriegerischer und politischer Gefahren sein wird". „Die Araber, die jahrhundertelang die Besitzer dieses Landes sind, sollen Eigentümer bleiben; der falsch verstandene Zionismus... soll verschwinden." Das Nationalpolitische „darf" bei ihm keine Rolle mehr spielen. Allen ruhigen und gläubigen Elementen soll erlaubt sein, sidh niederzulassen. Denn es handle sich darum, die politischen Bestrebungen auszuschalten. Man fragt sich, ob das auch für die Araber gilt, und wie der Autor heute irgendwo in der Welt die Menschen davon abhalten könnte, sich machtpolitisch zu betätigen und politische Bestrebungen zu verfolgen. Von den Arabern hofft der Autor, daß sie einen Unterschied zwischen der katholischen und den anderen christlichen Kirchen machen werden, insbesondere richtet sich das gegen die englische Hochkirche, deren Streben zur Vereinigung mit der griechisch-orientalischen macht, den Autor beunruhigt. Die heiligen Stätten müßten „unversperrt" bleiben, so daß „für alle Zukunffc die Freiheit und die Pflege unsetres Glaubens möglich ist". Wer hat je die heiligen Stätten der Christen „versperrt"? Wer hat diese an der Atisübung ihres Kultus gehindert? Es ist betrüblich, daß sich die Zeichen der Gegnerschaft gegen den Zionismus in deutschen katholischen Kreisen mehren. Doch wird deren Wunsch, daß der Zionismus verschwinde, das Mandat aufgehoben werde usw. nicht in Erfüllung gehen. Auch diese Kreise werden sich mit