Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1932)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 135 (sequence 2)
- Language
- German
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"wird von B. verneint; nur reine eozäne (unteneozäne) Formen sollen vertreten sein. (Diese Kontroverse seheint mir nicht abgeschlossen zu sein. Der Londoner Paläontologe Cox will nach einer mir zugesandten brieflichen Mitteilung (vom 17. 8. 1931) neuerdings in den Ramleh-Sehiehten einen gut erhaltenen Pecten camaretensis Fontannes erkannt haben, der nach ihm „unzweifelhaft ins Mioizän gehört". Anm. d. Ref.) Seit 1927 ist die Bedeutung des martinien- und Bininenpliazäns für Palästina (Küstenebene, Galilaea) klar erkannt worden. Besondere praktische Bedeutung kommt dieser Formation bei der Beurteilung der Grundwasserfrage in" den Niederungen zu. Die liegenden (200 Meter oder mehr mächtigen) marinen Tone sind wahrscheinlich Unterpliozän, die hangenden, foraminiferen-1 reichen Kalksandsteine und Grobkalke wohl dem Mittelpliozän zuzurechnen. Das Binnenpliozän liefert gipsführende, brakische und Süßwasserablagerungen,, die Unter- und Mittelpliozän (Kischon-Jordangebiet) vertreten. Dem Diluvium fällt in der Küstenebene die Entwicklung der verschiedenen Dünensysteme zu. ilm Innern das Landes entstehen die Pluvialterrassen, deren bekannteste durch» die, die Lisanschichten bergende, Hauptteirrasse des Jordantals verkörpert wird. Endgültige Vertiefung des nördlichen Toten Meter es und Aufstau des Tiberiassee werden ins Oberdiluvium verlegt. Die Behandlung der tektonischen Vorgänge nimmt einen breiten Raum ein. B.'s „Horsttheorie" von 1913, 1925, wird verlassen; der palästinensich-syrische Gebirgskörper stellt nunmehr eine Reihe von Antiklinalen (in NO-, bezw. NNO-Richtung) dar, die schon um die Wende der Kreide zur Tertiärzeit angelegt sind. Letztere Epoche ist daher die entscheidende Faltungsphase, die zur Herausbildung des idumaeisch-judaeisch-samarianischen Gebirgszuges führt. Fast alle späteren, Struktur schaffenden Bewegungen äußern sich in Spalten, Verwerfungen, Gräben, vulkanischen Ergüssen, in anderen Worten: meist in Zerreißungen und Niederbrüchen. Diese Ereignisse spielen sich ab in der sog. „zweiten Hauptphase" an der Grenze Miozän- Pliozän (NS-Brüche, Jordangrabenanlage) und der „dritten Hauptphase" im oberen Mittelpliozän (SO—NW-Spalten, vulkanische Periode). Einzig die „vierte Phase" zu Beginn des Diluvium kennt wiedjer „Anzeichen von Fai-? tung", die auf starken, von Westen kommenden, seitlichen Schub zurückgeführt' werden und NO und NNW gerichtete Sprünge auslösen. Im übrigen ist sowohl das untere wie das obere Diluvium von zernenden tektonischen Kräf-. ten beherrscht. „Letzte" vulkanische Tätigkeit, Ausbrüche von Thermen, Solfataren (Gaza-Schwefel), Fumarolen, Erdöl (Jordantal, Totes Meer, Sodom- Katastrophe) führen in der „fünften oder schwächsten Phase" zur allmählichem Ausgestaltung der heutigen Landschaft. i Der Beurteilung dieser tektonischen Vorgänge gilt in besonderem Maße B.'s Schlußwort: „Vor Ueberraschungen und neuen Entdeckungen in P. ist man nie sicher und bedarf es noch vieler, eingehender Studien, um volle Klarheit über alle Probleme zu gewinnep." (Ich verweise hier nur auf die oft betonten Querstellungen des Gilboa- und Karmelzuges, die in das System der anders' gerichteten NO-Antiklinalen nur schwer einzuordnen sind. Anm. d. Ref.) Der ergebnisreichen Arbeit ist ein ausführliches Schriftenverzeichnis und eine tektonische Skizze beigegeben. Dr. L. Picard, Jerusalem.