Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1931)
- Article
- Probleme der Finanzierung des Palästina-Aufbaues
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 256 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2379786-2379892-2379897-2393748--12377-2393985- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
256 s°lcne Gründungen, wie die Palestine Electric oder die Palestine Potash (welche das amerikanische Programm als Normaltypus der palästinensischen Wirtschaftsunternehmung hinstellen möchte) zu den Ausnahmefällen gehören, weil sie auf Grund ihrer Konzessionen und Monopole direkten Zugang zum allgemeinen Kapitalmarkt besitzen oder doch wenigstens besitzen können. Aber derartige große Monopolkonzessionen gibt es außer den Wasserkräften des Jordan und den Mineralschätzen des Toten Meeres im absehbaren Bereich der palästinensischen Wirtschaft keineswegs beliebig viele. Vielleicht wäre es sogar schwer, — nachdem der Haifahafen in staatliche Regie genommen worden ist — mehr als noch eine, nämlich die Haifa-Bagdad-Bahn zu nennen. Fragt man die Wortführer der Privatwirtschaft, was sie eigentlich unter der Förderung der Privatiniative verstehen, so kann man sicher sein, in 99 von 100 Fällen die Antwort zu bekommen: Kredite! Aber auch das verlangt noch eine weitere Auflösung. Eine Statistik zeigt in Palästina über 60 Bankinstitute. Was gemeint ist, ist nicht der reguläre Geschäftskredit der Kommerzbank. Dieser Kommerzkredit wird heute im Lande nicht nur durch unsere Depositenbank, die Anglo-Palestine, gegeben. Es bemühen sich vielmehr bekanntlich eine ganze Reihe anderer ausländischer Institute, in den letzten Jahren besonders aktiv Barclays Bank, um diesen Zweig der regulären Finanzierung, und es kann nicht gesagt werden, daß das legitime Kreditbedürfnis dieser Art nicht befriedigt werden kann. Die Tätigkeit der Kreditinstitute auf diesem Gebiet, die doch zum großen Teil mit Depositengeldern arbeiten, ist dabei ziemlich genau durch die Regeln einer gesunden Bankleitung umschrieben. Dessenungeachtet stehe ich nicht auf dem Standpunkt, daß wir auch in diesem Bezirk, wo Operationsmöglichkeiten naturnotwendig sehr eingeschränkt sind, an der Existenz einer unter nationaler Leitung stehenden Bank uninteressiert sind und sie nur als sentimentales Plus werten sollten. Erstens verlangt auch das reguläre Bankgeschäft des jüdischen Jischuw eine spezielle Anpassungsfähigkeit an die Psychologie und die Geschäftsgebarung der jüdischen Kaufleute und eine besondere Bereitwilligkeit, mit der jüdischen Wirtschaftslage zu rechnen. Zweitens kann eine Bank, die in so großem Maße die nationalen Depositen verwaltet, in einem gewissen Zeitpunkt durch Beratung des anlagesuchenden Publikums auch zu einem gewissen Maße die Richtung der Investition beeinflussen. Drittens gehen natürlich die Profite dieser Hnternehmungen nicht der nationalen Wirtschaft verloren. Dabei