Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 14 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Article
- [Rezension] / ad. bm.
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 164 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Palestina von Dr. J. H. R o s c h a r. Sammlung, Vreemde Landen en Landstrecken, Nr. 5, mit 15 Abbildungen und Figuren. Verlag J. B. Wolters, Groningen, S. 235. — Das Buch gibt eine gute Skizze der Geologie und Geographie. In den anderen Teilen: Bevölkerung, Wirtschaft, Kultur, Politik ist eine solche Geringschätzung der Bedeutung der Juden und ihrer Leistungen zu konstatieren, daß dadurch die Darstellung völlig einseitig und sehr lückenhaft wird. Dies ist um so weniger begreiflich, als der Autor die zionistische Literatur einigermaßen zu kennen scheint und die vorliegende Zeitschrift ofti zitiert. Er gibt z. B. bei Acfkerbau den Juden von 8 Seiten einige Zeilen und gar keine Zahlen. Bei den Kulturen widmet er der wichtigsten, den Orangen, nur ein paar Worte, gibt auch unrichtige Zahlen an: 1924/25: 200.000 Kisten nach Aegypten, 160.000 Kisten nach Europa. In Wirklichkeit sind 1924/25 nach England allein fast 1 Million Kisten verschifft worden. Der Abschnitt über Industrie gibt ein paar veraltete Ziffern über die jüdische Industrie von* 1927 und auch dies nur .in einer Anmerkung. Bei Sanität werden die Juden zwar lobend, aber nur beiläufig erwähnt, keine Ziffern über ihr Spitalwerk usw. gegeben; ähnliches gilt für die Schulen, wo ausschließlich die Statistik der Regierungsschulen angeführt wird. Dafür äußert sich der Autor sehr kritisch über die jüdische Umverität: „Jerusalem hat eine Universität, aber was für eine." Es folgen absprechende Zitate von Dr. Wiener und die Bemerkung, daß ein Mißverhältnis zwischen der Zahl der Lehrer und der Studenten besteht, wie nirgends sonst auf der Welt. Daß die Universität vor allem ein Forschungsinstitut ist, sagt der Autor nicht. Die politischen Fragen sind in einem ähnlichen Geist erörtert, was gerade für das erste ausführliche Buch über Palästina, das in holländischer Sprache erscheint, sehr unangenehm ist. Bekanntlich hat das offizielle Holland sich stets sehr sympathisch gegenüber den Zionismus verhalten, sein Vertreter in der Mandatskommission, van Rees ein hervorragender Jurist, zeichnete sich stets durch Wohlwollen und Objektivität aus. Es ist sehr peinlich, daß die holländischen Studenten, für die dieses Lehrbuch bestimmt ist, derart informiert werden. Wir ersparen uns Zitate aus den politischen Bemerkungen bis auf eine. Im politischen Teil sagt der Autor: „Wer die Einrichtungen in den kommunistischen Siedlungen betrachtet, muß lachen, so daß der traurige Ernst vergeht!" Die Kinder werden im Kindergarten gemeinschaftlich erzogen. (Man denke nur, wie lächerlich!) „Die Kinder haben nicht eine, sondern viele Mütter (und viele Väter?)" „Aber im allgemeinen werden keine religiösen Ehen geschlossen — Promiscuität im 20. Jahrhundert." Diese kaum glaubliehen Aeßerungen sind jedoch noch nicht die schlimmsten in diesem wissenschaftlichen Buch. Der Autor schreibt (S. 43) über Tel-Aviv (nachdem er die „Frage", ob diese Stadt sich „halten" können wird, damit beantwortet, daß das davon abhänge, ob die Juden sich in Palästina „halten" werden), daß 1927 von 40.000 Einwohnern 27.000 von Unterstützung lebten.' Dann schreibt er wörtlich: „Daß un'ter diesen Umständen die Uebelstände der Großstadt einen guten Boden finden, ist begreiflich: Mord, Raub, Prostitution." Das schreibt ein Mann der Wissenschaft, der in Palästina war und genau weiß, daß gerade Tel-Aviv die einzige Stadt der Welt ist, wo Kriminalverbrechen noch nie vorgekommen sind. Es ist wohl nicht nötig, ein Wort zur Charakteristik dieser Art Wahrheitsforschuhg — und diese ist doch die Aufgabe der „Wissenschaft" — zu verlieren. ad. bm. Herausgeber und veraniworil. Redakteur: Adolf Böhm, Wien, XVI., Wilhelminensir. 28. - Eigentum. Drude und Verlag: Josef Hajek's Nfg. Friedrich Holzer & Co., Wien, XVII., Kalvarienberggasse 32