Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1930)
- Article
- [Rezension] / f. m.
- Date
- 1930-12-01
- Page
- Seite 454 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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steht der Westen, auch ideell. Es ist ein zweites Armenien im Werden. Die Religion dient in der jüdisch-arabischen Frage zum Vorwand. Sie dient als Sprengmasse bei den Minen, die England legt. Christen und Mohammedaner wenden sich gegen die Juden als Vertreter das Westens. Die Juden sind der Degen Englands! Schade, daß ein so origineller Autor nicht die bewegende Kraft des Zionismus erkannt hat. Er scheint mjit vorgefaßter politischer Meinung an die Fragen herangetreten zu sein und sie nur oberflächlich betrachtet zu haben. Für den Nationaldeutschen ist eben Albion immer perfid und für ihn können alle Geschehnisse der Welt nur durch bewußten offenen und geheimen Machtkampf erklärt werden. Eine gute Probe der glänzenden Darstellungsgabe des Autors möge folgen: „Das Bild Haifas ist in der Erinnerung ganz und gar geprägt durch die marschierenden Kolonnen junger Zionisten. Wie Bataillone eines Heeres bewegten ,sie sich durch die Hauptstraßen der Stadt von und zu der gemeinsamen Arbeitsstätte. Die Haltung von gestrafftestem Selbstgefühl. Aller Mienen von einem nervösen Ernst zusammengeraffter Energie. Der leise Versuch eine Kolonne zu photographieren erweckte sogleich eine geschlossene Front zorniger \Angesichter. Alle waren blitzsauber gekleidet. In den weißen Hemdblusen trugen viele das rote Sowjetbändchen. So hatte ich die jüdische Jugend in Deutschland nie gesehen. Da ist in jedem Juden noch so etwas Gedrücktheit vom Ghetto. Hier aber waren sie" auf dem Urgrund ihrer Rasse. Hier marschieren sie mit dem Kohortenschritt der Eroberer." f. m. Zeitschrift des Deutschen Falästinavereines, Bd. 53, Heft 3. Neben einer Reihe sehr interessanter Beiträge findet sich in dieser Nummer auch ein Bericht über die Lage in Palästina. Prof. Dj*. Steuernagel gibt wie immer eine vorzügliche, reichhaltige Uebersicht, die man als objektiv bezeichnen kann. Dieser einwandfreie und instruktive Bericht soll seine Ergänzung finden durch einen solchen von Prof. Kampffmeyier über „Die Stellung der Araber zu den Gegenwartsproblemen Palästinas". Leider ließ sich der Verfasser, der bekanntlich stark proarabisch eingestellt ist, völlig einseitig und selbst in Ziffern und Daten falsch informieren. Er stellt daher die arabische Bewegung in Palästina in dem Lichte dar, in dem sie deifen Führer gerne gesehen haben möchten. Nach ihm ist sie ein Teil der gesamtarabischen Bewegung in Vorderasien. Er spricht von einer starken muslimischen Solidarität usw. Wo war diese, als für den Hilfsfonds gesammelt worden ist? Die Araber fürchten nach K. in den fruchtbaren Gebieten „enteignet" und in die dürftigen Steppen ver» pflanzt werden. Die Araber haben keinen Judenhaß. Die kleine und außer in politischer Beziehung unbedeutende arabische Presse, die noch sehr in den Anfängen steckende arabische Jugendbewegung wird von dem in Berlin lebenden Autor sehr überschätzt. (Er lese einmal in der arabisch-palästinensischen Zeitung „Ul Dajamia ul Arabia" (August), die als Blatt des Mufti gilt, die bittere Kritik der arabischen Jugend, die keinen Patriotismus und keinen Mut zeige und nur unfruchtbare Kritik treibe.) Er druckt Proklamationen der arabischen Führer ab, in denen von der „feindseligen" Haltung des* Juden gesprochen wird, ebenso werden sehr viel andere völlig parteiische arabische Stimmen kritiklos reproduziert, so daß der uninformierte Leser glauben muß, daß die Juden als erbarmungslose Eroberer den schutzlosen Arabern den Fuß auf den Nacken setzen, indes die englische Regierung „mit glühendem Eisen" das arabische Pferd sticht. All das wäre noch verständlich, denn der Autor will