Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1930)
- Article
- Die Notwendigkeit eines Bewässerungsinstitutes
- Date
- 1930-12-01
- Page
- Seite 433 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2379786-2379883-2379891-2392498--11465-2392563- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Mängel unserer Arbeit. Wir haben zum Beispiel bisher noch nicht gelernt, das Regenwasser rationell auszunützen, wie und wo das GrundV wasser zu beobachten ist, damit es nicht erschöpft wird, wie die Bewässerung den verschiedenen Arten der Böden und der angebauten Früchte anzupassen ist, welche Wirkung die Bewässerung auf die Verbesserung des Bodens hat und wie sie der Düngung anzupassen ist, wie die GeScahr der Malaria, veruM sacht durch Bewässerung, zu vermeiden ist usw. Wir kennen nicht die Formen der Irrigation, die in diesem Lande anzuwenden sind: unter- oder oberirdische Kanäle oder Beregnungssystem. Wir sind uns noch nicht klar über die ökonomischen Beziehungen zwischen den verschiedenen bewässerten Kulturen. Ein neues Problem erhebt sich: die gesetzliche Regelung zwischen Regierung und Bodenbesitzern, sowie das Gesetz, betreffend die Benützung des Wassers. Gewiß bestehen diese Fragen auch in anderen Ländern, aber es ist nicht immer leicht, die in anderen Ländern gefundenen Lösungen für Palästina anzupassen, denn jedes Land erfordert eine individuelle Lösung. Eine solche bedarf des Zusammenwirkens Vieler und eine Erforschung aller Elemente, welche mit der Bewässerung in Beziehung stehen. Die Wichtigkeit und die Schwere solcher grundlegender Fragen werden noch erhöht durch die besonderen Bedingungen in diesem Lande. Denn wir arbeiten in einem Lande, dessen Wasserversorgung gegenwärtig so begrenzt ist, daß sie kaum genügt, um die für intensive Kulturen geeigneten Flächen zu versorgen. Noch mehr, das Volk, für das wir tätig sind, bestellt im allgemeinen aus Neulingen in der Landwirtschaft, die Leute sind mit den einfachsten Grundsätzen der Verwertung von Wasser unvertraut, sie haben keine landwirtschaftliche Tradition, welche gewiß nicht weniger wichtig ist, als durch Studien erworbene Kenntnisse, und sie haben keinen Begriff von den Rechtsfragen, die ihre rechtliche Beziehung zu den Wasserreserven festsetzen. Das alles ist geeignet, das schwierige Problem der Bewässerung nochmals zu verwickeln. Bewässerungsforschung im Ausland. Unsere Rückständigkeit in bezug auf unsere Irrigation und insbesondere unsere Haltung zu ihren Problemen wird noch deutlicher, wenn wir sie mit der Tätigkeit auf diesem Gebiet in anderen Ländern vergleichen, in deren ökonomischen Leben die Bewässerungsfragen eine entscheidende Rolle spielen. In allen solchen Ländern fußen wasserteehnische und besonders Bewässerungsanlagen entweder auf Erfahrung und Tradition hunderten von Jahren und organisierter wissenschaftlicher und erzieherischer Tätigkeit (wie zum Beispiel in Italien) oder, in Ländern, welche solche Traditionen nicht haben, auf detaillierten Forschungen durch besonders eingerichtete Institute (zum Beispiel in Kalifornien und anderen Staaten von USA.). Bewässerungsforschung in Palästina. In Palästina ist, trotz der langjährigen Kolonisationsarbeit, den zahlreichen Bemühungen und vieler Geldinvestitionen die wissenschaftliche Forschung entweder völlig mangelnd oder so zerstreut und unsystematisch, daß sie für unsere Zwecke nicht brauchbar ist. Von seiten der Führung der Bewässerungsarbeiten ist praktisch kein ernster Schritt in dieser Richtung getan worden. Wir haben die verschiedenen Folgerungen, zu denen wir im Laufe unserer Arbeit hätten kommen sollen, nicht gezogen und in ein System gebracht. Außerdem waren alle unsere Beobachtungen und Versuche gelegentlicher Natur und ohne einheitliche Methode.