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Palästina · 1930-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1930) · p. Seite 395

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Journal
Palästina
Volume
13 (1930)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1930)
Article
Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
Date
1930-10-01
Page
Seite 395 (sequence 2)
Language
German
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liegenden Heftes erschien das neue Weißbuch der englischen Regierung über ihre künftige Politik in Palästina und der Bericht von Sir John Hope Simpson über seine Untersuchung der Möglichkeiten einer Ansiedlung und Einwanderung in Palästina. Diese Dokumente haben auf das an Palästina interessierte Judentum und insbesondere auf das palästinensische Judentum niederschmetternd gewirkt. Die Juden hatten den Eindruck, daß durch die neue englische Palästina-Politik die jüdische Aufbauarbeit erschwert, ja die Durchführung großer Siedlungspläne unmöglich gemacht wird, und daß England sein feierlich gegebenes Versprechen, den Aufbau des jüdischen Nationalheims in Palästina zu erleichtern, gebrochen hat. Als Protest gegen diese Haltung Englands sind die maßgebenden Würdenträger der Jewish Agency von ihren Posten zurückgetreten, und zwar Dr, Weizmann, Felix Warburg und Lord Melchett. Eine Sitzung des politischen Komitees der Agency, die in der ersten Novemberwoche in London gleichzeitig mit dem zionistischen Aktionskomitee zusammentritt, wird die verantwortungsvolle Aufgabe haben, die weitere Politik der Jewish Agency zu bestimmen. Auch der Zionistenkongreß soll bereits zu Anfang des Jahres 1931 zusammentreten. Die Krise hat jedenfalls ihren Höhepunkt erreicht und die nächsten Monate werden nicht nur über das äußere Geschick des jüdischen Palästina-Unternehmens entscheiden, sondern auch über die innere Einstellung des jüdischen Volkes zu dem ganzen Komplex der mit Palästina verbundenen Fragen und ihre Bewertung. Wie schwierig diese innere Auseinandersetzung zu werden droht, davon gab die letzte Sitzung des zionistischen Aktionskomitees in Berlin im August einen Vorgeschmack. In dieser Sitzung hat der Präsident der Bewegung, Doktor Weizmann, versucht, die führenden Politiker des Zionismus — denn diese sitzen doch wohl im A. C. — auf den Boidien der Realitäten zu führen und die Möglichkeiten der jüdischen politischen Zielsetzung im heutigen Palästina in aller Nüchternheit zu besprechen. Dr. Weizmann stellte keineswegs ein geringes Bild vor seine Hörer hin, er sprach von einer jüdischen Siedlung von vielen Hunderttausend, ja Millionen Juden, und wollte die Hörer fühlen lassen, welche ungeheuren Anstrengungen an Geld und Kraft erforderlich sind, um das von ihm gekennzeichnete Ziel zu erreichen; weit mehr Mittel in dejr Tat, als das A. C. in Anbetracht der Weltwirtschaftskrise heute bewilligen könnte und deren Beistellung in der nahen Zukunjft jedenfalls ein außerordentlicher, kaum wirklich zu erreichender Erfolg wäre. Aber zugleich stellte Weizmann die elementare Wahrheit hin, daß Palästina kein leeres Land ist, daß seine Bevölkerung national erwacht und eigene politische Ambitionen hat, und daß daher ein Ausgleich zwischen unseren und ihren Bestrebungen gefunden werden muß. Der A. C. war völlig einig in der Entrüstung und Ablehnung der Weizmannschen Anschauungen. Die ihm folgenden Stimmen können an den Fingern einer Hand gezählt werden. Die aus diesem Konflikt resultierende Leitungskrise wurde zwar schnell beigelegt, aber der Vorfall ist geistig von großer Wichtigkeit, weil er zeigt, welche Fülle von Fragen noch innerhalb der jüdischen Bewegung zu klären sind. Und leider ist keine Zeit zu langsamer Prüfung. Die Dinge sind im Fluß, und ehe man sich zu einer Erkenntnis, die eine Handhabe zu realer Politik bieten könnte, durchgerungen hat, ist bereits ein neues Stadium erreicht, das die Chance nicht mehr bietet. So ähnlich ist es auch jetzt. Durch die neue englische Politik ist eine Situation geschaffen, der gegenüber nicht nur das von Weizmann im August vorgetragene Programm, son-

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