Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 13 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Article
- Die Arbeitsbedingungen der jüdischen städtischen Arbeiter Palästinas
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 13)
- Language
- German
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Es ist nötig zu verzeichnen, daß der Niedergang der absoluten Lohnhöhe, der sich ans unseren Zahlen ergab, nicht vollkommen identisch ist mit einer Senkung des Reallohnes, denn auch der Lehensmittelindex weist seit 1922 eine Senkung von 25 bis 30% auf. Arbeitszeit. Obgleich in Palästina keine gesetzliche Beschränkung der Arbeitszeit für erwachsene Arbeiter (über 16 Jahre) besteht, ergibt sich aus der Zählung doch, daß 71% aller judischen Arbeiter acht Stunden und weniger arbeiten; und von den organisierten Arbeitern (80% aller jüdischen Arbeiter in Palästina) arbeitet nur eine unerhebliche Minderheit mehr als acht Stunden. Diese wichtige Eroberung in einem ökonomisch unentwickelten Lande fast ohne soziale Gesetzgebung ist die Folge des intensiven und systematischen Kampfes der Allg. Organisation der jüdischen Arbeiter. Der Achtstundentag, der in allen Zweigen der jüdischen Arbeit vorherrscht, findet langsam Eingang auch in die arabische Wirtschaft und gilt in der jüdischen Wirtschaft als ,JNormalarbeitstag,,\ Neun Stunden am Tage sind 9% der Arbeiter beschäftigt, zehn Stunden — 10,5%, und mehr als zehn Stunden — 9,5%. In den einzelnen Städten und Berufszweigen existieren nicht unerhebliche Unterschiede in der Länge des Arbeitstages. An erster Stelle Naharaim, ein neuer, durch die Konstruktion des Jordan-Elektrizitätswerkes geschaffener Siedlungsort (500 Arbeiter) mit vollkommen durchgeführtem Achtstundentag; an zweiter Stelle Haifa und Tel-Aviv (74% aller Arbeiter arbeiten dort acht Stunden); an dritter Stelle Jerusalem (57,5%); an vierter Stelle Tiberias (56,5%). Von den wichtigsten Berufszweigen steht an erster Stelle die Industrie, in der 92,7% aller Arbeiter acht Stunden und weniger beschäftigt sind; es folgen die Angestellten in öffentlichen Ämtern (91,5%), Bauarbeiter (82,6%), die im Handwerk Beschäftigten (51,8%), die Büro- und Handelsangestellten (44,5%) und, weit zurück, die Hausangestellten, von denen nur 26,4% acht Stunden arbeiten. Die Gründe für diese Unterschiede in den einzelnen Städten und Berufszweigen liegen zum Teil in der sozialen Zusammensetzung der jüdischen Arbeiter: in den Städten Jerusalem und Tiberias befinden sich verhältnismäßig viel Arbeiter, die aus orientalischen Ländern stammen, schwer organisierbar und in ihrer Lebenshaltung den Arabern ähnlich sind; anderseits sind die Berufe der Handels- und Hausangestellten organisatorisch schwer erfaßbar, da es sich hier um kleine Betriebe und Wirtschaften handelt, die sich auch der Kontrolle leichter entziehen. III. Wohnungsverhältnisse der städtischen Arbeiter. In der diesjährigen Arbeiterzählung sind zum erstenmal zwei Fragen enthalten, deren Zweck es war, in gewissem Umfange die Wohnungsbedingungen der städtischen Arbeiterschaft zu beleuchten. Die Fragen betragen: 1. die Zahl der Zimmer, die jede Arbeitereinheit (Familie, Tinverheiratete) bewohnt; 2. die Monatsmiete (im Vergleich zum Arbeitslohn). Die folgenden Zahlen beziehen sich auf Tel-Aviv-Jaffa, Haifa und Jerusalem. Aus Raummangel begnügen wir uns hier mit der Skizzierung der wichtigsten Ergebnisse. Die Frage der Höhe der Miete beantworten 8070 zur Zeit der Zählung beschäftigte Arbeiter, ohne ihre Familienangehörigen, von ihnen in Tel-Aviv 4092, in Haifa 2197 und in Jerusalem 1781 Arbeiter. Von der Gesamtzahl (8070) bezahlen 2262 28% keine Miete; von ihnen wohnen 1179 14,6% bei Eltern, Verwandten oder am Arbeits-