Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1929)
- Article
- Die Bedeutung Palästinas für die Juden
- Date
- 1929-12-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
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sein, als wenn die Juden in Palästina glauben würden, daß das Schicksal der Juden in der Diaspora Palästina nichts anginge. Der ganze Aufbau Palästinas hat überhaupt nur Sinn, weil wir durch ihn die Diasporajudenheit in ihrem jüdischen Bewußtsein zu stärken hoffen. Darüber hinaus haben die Juden noch eine andere große Aufgabe vor sich. Das wichtigste Geschehnis in unseren Tagen, das einzige, das vielleicht den grausigen Unsinn des Weltkrieges der historischen Betrachtung einmal Sinn geben kann, ist die Gründung des Völkerbundes, der den Krieg abschaffen und eine friedliche Zusammenarbeit aller Völker herbeiführen will. Wir Juden sind das einzige Volk, das über dieganze Welt verstreut ist und das bei keinem Kriege gewinnenkann. Jeder Sieg in einem Lande ist für uns gleichzeitig eine Niederlage in einem anderen Lande. Wir sind auf diese Weise geradezu prädestiniert, die Schildknappen des Völkerbundes zu werden und überall in der Welt für die Völkerversöhnung einzutreten. Aber wir können diese Aufgabe nur dann erfüllen, wenn wir nicht in den umgebendenVölkern aufgehenund somit in den allgemeinen Widerstreit der Volk er eintreten, sondernwenn wir uns als Juden erhalten. Soziale Frauenarbeit in Palästina. Von Helene Hanna Thon, Jerusalem. „Soziale Frauenarbeit" ist heutzutage überall auf der Welt ein stark umstrittener Begriff. Auf der einen Seite findet sich noch immer die Auffassung, daß die Frau ihrer speziellen Veranlagung nach sich besonders zur Fürsorge für alles Schwache und Kranke im Gemeinwesen eignet und daß hier — besonders in der Fürsorge für notleidende Frauen und Kinder — ihre spezielle Aufgabe liegt. Auf der anderen Seite steht die Anschauung, daß solche karitative Fürsorge weder der helfenden Frau noch der Hilfsbedürftigen würdig ist, daß es nur eine allgemein staatliche Fürsorge geben darf, in der die Frauen in gleicher Weise wie die Männer mitarbeiten müssen. Zwischen diese beiden ganz konsequenten Auffassungen liegen die verschiedenartigsten Schattierungen derselben: auf der Seite der „wohltätigen" Frauen muß man zugeben, daß ihre organisatorischen und finanziellen Kräfte vielfach nicht ausreichend sind, um das ganze Arbeitsgebiet zu umfassen und sie sich deshalb nur