Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1929)
- Article
- Die Julitagung der Mandatskommission : der Bericht der Regierung [Nachricht]
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 90 (sequence 2)
- Language
- German
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Gleichzeitig war eine positive Entwicklung in mehreren Richtungen zu verzeichnen. Die Zahl der Orangenplantagen und der Umfang des aufgeforsteten Gebietes erhöhten sieh. Fabriken erweiterten ihre Betriebsanlagen und erhöhten ihren Absatz. Die Bautätigkeit wurde erneuert, der Touristenverkehr ausgedehnt. Gegen Ende des Jahres war ein Stadium stetiger Besserung erreicht, so daß man sich dafür entschied, die Einwanderung von Arbeitskräften zu begünstigen. Was die politische Atmosphäre betrifft, ging das Jahr in Ruhe vorüber, wie das gleiche auch in dem Bericht für 1927 vermerkt wurde. Die wachsende gegenseitige Toleranz unter Juden und Arabern wurde nur durch den unseligen Zwischenfall am Versöhnungstage an der Klagemauer in einem gewissen Maße verzögert. Keinerlei Schritte wurden ergriffen, um eine repräsentative, gesetzgebende Körperschaft zu errichten. 2178 jüdische Einwanderer kamen im Berichtsjahre nach Palästina. Auf Ersuchen der Jewish Agency gewährte die Administration 600 Einwandererzertifikate auf Grund der Arbeitsliste für das am 1. Oktober begonnene Halbjahr. 4500 Bürgerschaftszertifikate wurden jüdischen Einwanderern gewährt. Im Dezember wurden weitere Vergünstigungen an jüdische Industrien in Form eines neuen Tarifes von Importschutzzöllen und einer neuen Liste von zollfreien Rohmaterialien gewährt. Die Jewish Agency legte der Administration nahe, 600 neue Arbeiter für das Halbjahr Oktober 1928 bis Marz 1929 einwandern zu lassen; dies wurde gewährt. Die Jewish Agency gab im ersten Vierteljahr 1928 29.300 Pfund für Arbeitslosenunterstützung aus. Kein einziger arbeitsloser Jude fiel dem Regierungsfonds direkt zur Last. Die Jewish Agency führte in direkter und indirekter Zusammenarbeit mit anderen jüdischen Institutionen öffentliche Arbeiten zur Beschäftigung von Arbeitslosen, die eine Ausgabe von etwa einer Viertelmillion Pfund erforderlich machten, durch. Im April stellte man die Arbeitslosenunterstützung ein. Für wirtschaftliche und soziale Dienste gab die Jewish Agency von Oktober 1927 bis September 1928 715.000 Pfund aus. Insgesamt hat die qewish Agency seit November 1917 rund sieben Millionen Pfund in Palästina verausgabt. Ein wesentlicher Fortschritt ist in der Jewish Agency-Kolonisation zu verzeichnen: drei neue Siedlungen im Jordantale und in der Ebene Jezreel wurden bei einem Kostenaufwand von 31.000 Pfund vollendet; Gebäude wurden mit einem Kostenaufwand von 34.000 Pfund errichtet. Die Institution für Bodenerwerb der Jewish Agency erwarb rund 30.000 Dunam Boden und brachte ihren Bodenbesitz auf insgesamt 250.000 Dunam. Der Verlauf der Sitzung. Über die Tagung wurde folgendes offizielles Kommunique veröffentlicht: Am 6. Juli begann die Permanente Mandatskommission des Völkerbundes mit der Prüfung des Berichtes der britischen Regierung über die Verwaltung Palästinas im Jahre 1928. Die Mandatarmacht war vertreten durch den Oberkommissär von Palästina, Sir John Chancellor, und Herrn G. L. M. Clauson vom Londoner Kolonialamt. Bevor die Kommission in die Diskussion des Berichtes eintrat, nahm sie ein zusammenhängendes Expose des Oberkommissärs Sir John Chancellor über die politische und wirtschaftliche Lage Palästinas entgegen. Chancellor erklärte, daß in der Verwaltung des Mandatsterritoriums Palästina im Verlauf des Berichtsjahres keine großen Änderungen vorgekommen sind. In den Beziehungen zwischen Arabern und Juden sei eine Besserung eingetreten. Außer dem Zwischenfall an der Klagemauer war im Verlauf des vergangenen Jahres nichts vor-