Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1929)
- Article
- Jüdische und nichtjüdische Erziehung in Palästina im Jahre 1927/28
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 48 (sequence 6)
- Language
- German
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kein Wort zu verlieren ist. Trotz der anerkennenswerten Versuche seitens der Alliance Israelite Universelle, durch kostenlose Beistellung des Unterrichts und von Lehrmitteln, Kleidung und Essen, der Mission das Wasser abzugraben und jüdische Kinder der ärmeren Schichten zu sich herüberzuziehen, erobert diese -weiter das Feld. Solange es uns nicht gelingen wird, den Unterricht in den zionistischen Volksschulen kostenlos zu erteilen und — was nicht übersehen werden darf — das Lehrprogramm stärker als bisher den praktischen Bedürfnissen des palästinensischen Lebens anzugleichen, das heißt, vor allem englisch, aber auch arabisch mehr zu pflegen als bisher, wird die Mission immer wieder Erfolge haben. Bei dieser Gelegenheit sei auf die in zionistischen Kreisen oft unterschätzte segensvolle Tätigkeit der Alliance- Schulen sowie der Evelina-de-Rothschild-Schule hingewiesen, die immer Tausenden von jüdischen Kindern, die sonst zweifellos der Mission anheimgefallen wären, eine jüdische Erziehung gewähren. Es wäre vielleicht eine Aufgabe für den nichtzionistischen Partner in der Jewish Agency, sich dieser Frage, die ja außerhalb der Parteigrenzen steht, besonders anzunehmen. Bei der Betrachtung des jüdischen Schulwesens fällt auf, daß die Schulen, die der Zionistischen Exekutive unterstehen, zwar gewachsen sind, ihre führende Stelle aber nur mit Verlusten behaupten konnten (63 3% gegen 65*5% im Vorjahre). Die Ursachen liegen in der immer noch unbefriedigten finanziellen Lage begründet, über die sich der Regierungsbericht des längeren verbreitet. Trotz des erhöhten Pauschalbeitrages der Regierung und verschiedener Sonderstiftungen und trotz der rigorosesten Sparmaßnahmen schloß das Schuljahr mit einem Defizit von mehr als £ 10.000 ab. Nichtauszahlung der Lehrergehälter und drohende Schließung der Schulen waren die Folgen dieses unerquicklichen Zustandes. Erst in diesem Jahre gelang es der Exekutive, besonders dank der rastlosen Tätigkeit von Miß Szold, die Gehälter ä jour zu bringen und die alten Schulden auszubezahlen. Diejenigen Lehrer, deren Stellen aus dem Etat der Sondergruppen gedeckt werden (Misrachi und Arbeiter) leiden allerdings noch jetzt unter finanziellen Schwierigkeiten. Die Regierung stellt fest, daß trotz aller technischen Hindernisse die Struktur des zionistischen Schulwesens im ganzen unbeschädigt aufrechterhalten werden konnte, wenn auch mit einem ziemlich großen Verlust an „efficiency". Die disziplinierte Haltung der Lehrerschaft, die ungeachtet ihrer schlechten Lage die Arbeit weiterführten, wird gerühmt. Auf der anderen Seite wird getadelt, daß ihre „konservative" Haltung gegenüber den Reformvorschlägen des Departements sowie die Abhängigkeit der Exekutive von Kongreß und Aktionskomitee, deren Durchführung unmöglich machte. Trotz der Energie von Miß Szold sei die Autorität der Exekutive gegenüber dem Kongreß, dem Waad Hachinuch und der Lehrerorganisation viel zu schwach, um einen Wechsel des Systems zu gewährleisten, das als „radikal falsch" bezeichnet wird. In der Haltung der Regierung gegenüber dem zionistischen Schulwesen hat sich also seit dem vorigen Jahre nichts geändert und wird sich auch wohl vorläufig nicht viel zu ändern. Die Lehrerschaft ist ängstlich auf ihre „Autonomie" bedacht und wehrt sich gegen alle Versuche der Regierung, diese Freiheit zu beschränken. Daß damit -auch durchaus begrüßenswerte Vorschläge unter den Tisch fallen (so unter andern die Umorganisation der hypertrophierten Lehrerseminare) ist bedauerlich. Solange die Regierung nicht die volle finanzielle Verantwortung für das zionistische Schulwesen übernimmt — eine Maßnahme, die am Widerstand beider Teile scheitern wird — wird unser Erziehungssystem „radikal falsch" im Sinne der Regierung bleiben^). *) Wir bringen über dasselbe Thema unter „Rundschau" einige Anmerkungen von Dr. Hugo Bergmann.