Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1929)
- Article
- Technische Probleme des Bauens in Palästina
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 42 (sequence 6)
- Language
- German
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sprechenden praktischen Anwendung. Planlose, laienhafte Erfinderei kann ihre Entwicklung nur hemmen. Gut kopieren ist besser und billiger, aber auch anstrengender denn schlecht erfinden. Wir äußern zuweilen das Talent, uns an die minder wertvolleren Eigenschaften fremden Volkslebens zu assimilieren. „American" ist auch in Erez Israel ein klangvolles Losungswort! Es könnte segensreich für das Land werden, wenn es mehr bedeuten würde als bloßes „All-right"Nachäffen (daher „Allrajtnikes" ein bekannter terminus technicus), sondern es sollte als Wegweiser dienen zur sachlichen Nüchternheit, efficiency und economy. Scheinbare Vernunftsgründe und billige Entschuldigungsgründe trösten, daß hier die Wirklichkeit der Theorie vorangehen mußte, und daß die Wirklichkeit erst die richtige Theorie schaffen wird. Ein solcher Trost hält sachlichen Erwägungen nicht stand. Kolonisation und Kolonisieren ist ein altes Handwerk, zumindest in den technischen Belangen. Es hat seine Erfahrungen, Gesetze und Praktiken, und nur auf die sinngemäße Anwendung unter Beobachtung der vorhandenen Bedingungen kommt es an. Und noch auf etwas, was in der Tat füll american ist, welches das Geheimnis des Erfolges in sich birgt und Finanz- und Wirtschaftsprogramm darstellt: Research (Forschung). Ohne die vorhergehenden technisch-wissenschaftlichen Forschungsarbeiten in ungezählten Laboratorien, Forschungsinstituten, wäre die heutige moderne Entwicklung der Weltindustrie schlechthin nicht möglich gewesen. In diesem Belange ist bei uns leidlich wenig getan*) und sehr viel unterlassen worden. Ein Beispiel für viele: Das Problem einer billigen, Wärme und Regen widerstehenden Wand ist heute für den Emek eine höchst aktuelle Frage, für den Siedler im Emek die höchste Forderung seiner Gesundheit und Arbeitsfähigkeit und daher eine nicht zu vernachlässigende Existenzfrage. Dieses Problem ist eine ökonomische, technisch-konstruktive und eine wissenschaftliche Aufgabe der Wärmephysik, eine Frage der Forschung und des praktischen Versuches. Dieses aktuelle Problem des gewöhnlichen Alltags ist in Dunkel gehüllt und kann in Ermanglung eines entsprechenden Forschungsinstitutes nicht zur Lösung gebracht werden. Am Scopusberge hingegen wird ein mit vielen 10.000 £ dotiertes Budget in die für das heutige Erez Israel ganz abstrakten hochwissenschaftlichen Probleme der Kolloidalchemie aufgewendet. Die ihm gebührende Hochachtung sei diesem Zweige der chemischen Wissenschaft gezollt, aber dringendere Probleme der Siedlimgstechnik sind noch ungelöst und bedürfen des Alltags, fordern ihre Lösungen. Diese bleiben dem Zufall überlassen, Verluste an Volksvermögen, Vergeudung an Zeit und menschlicher Energie, Desillusionierung und Enttäuschung sind die natürlichen Folgen. Die moderne technische Wissenschaft und Wirtschaft setzte an die Spitze ihrer ersten Tätigkeit die Forschung, die Untersuchung und den Versuch. Und dies geschah und geschieht nicht auf Grund wissenschaftlicher Ambitionen oder wie es im Volksmund heißt: Spielereien, sondern ganz materialistische, nüchterne und ökonomische Erwägungen fordern diesen vorbereitenden, aufklärenden und vor Enttäuschungen und Verlusten bewahrenden Weg. In Ingenieurkreisen in Tel-Aviv wurde einst das Wort „study first" geprägt. Als erstes Wort der ökonomischen zehn Gebote für unsere künftige Aufbauarbeit in Erez Israel stehe dieses „Study first". *) Die in Tel-Aviv bestehende und aus eigenen Mitteln des Ingenieur- und Architektenverbandes in Palästina geschaffene Materialprüfungsanstalt verfügt nicht über die entsprechenden Geldmittel, um an größere Forschungsarbeiten heranzutreten.