Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1929)
- Article
- Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
- Date
- 1929-06-01
- Page
- Seite 39 (sequence 4)
- Language
- German
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Äußerungen führender Nichtzionisten ist zu entnehmen, daß die Nichtzionisten gegenwärtig keinen Anspruch darauf erheben, die ihnen zustehende Hälfte der Sitze in der Exekutive zu besetzen. Es scheint, daß die Exekutive in der Hauptsache aus Zionisten bestehen wird. Schon darin zeigt sich, welchen großen Einfluß der Zionistenkongreß, der die Zionistische Exekutive wählt, auf die Führung der Agency haben wird. Ob freilich der Kongreß ohne jede Rücksicht auf die nichtzionistischen Agency-Partner die Exekutive besetzen kann, ist noch eine offene Frage. Manche neigen zu der Ansicht, daß die Exekutive der Agency als Gesamtheit vom Plenum des C o u n ci 1 s gewählt werden muß, weil sonst die Anomalie entstünde, daß für eine Körperschaft, die in hohem Maße praktische Verwaltungsaufgaben zu leisten hat, die beiden Teile der Agency unabhängig voneinander ihre Persönlichkeit präsentieren, ohne die Frage zu prüfen, ob die so entstehende Gesamtexekutive ein brauchbares Team ergibt. Diese Frage der Form der "Wahlen wird also noch einer Überlegung bedürfen. Es scheint uns darin bereits ein Anzeichen zu liegen, daß das fifty-fifty-Prinzip im Laufe der Entwicklung überhaupt nicht streng aufrechtzuerhalten sein wird, da es auch innerhalb der Agency auf innige Zusammenarbeit ankommt, wobei ein Gegenüberstehen zweier getrennter Lager auf die Dauer nicht förderlich ist. Die Zusammensetzung des Councils ist bis jetzt noch nicht bekannt. Nach den Beschlüssen des Kongresses müssen mindestens sechs Länder vertreten sein. Die Delegation aus den Vereinigten Staaten, die von dem hierzu ermächtigten Komitee ernannt wird, ist gesichert. Als sicher kann man auch die Abordnung aus England bezeichnen, deren Entsendung bei der von Board of Deputies einberufenen Konferenz der englischen Juden in London am 21. April beschlossen wurde. Die Namen der Vertreter sind noch nicht bekannt. Die Entsendung seitens der Dominien dürfte keine Schwierigkeiten machen. In Deutschland tritt am 26. Juni das Initiativkomitee für die Vertretung der deutschen Juden in der Jewish Agency zusammen. Dieses Initiativkomitee wurde am 10. März von einer unter Vorsitz von Direktor Oskar Wassermann tagenden Landesversammlung des Keren Hajessod eingesetzt mit dem Rechte der Kooptation. Dem Komitee sind nicht nur eine große Zahl führender jüdischer Persönlichkeiten beigetreten, sondern auch Delegierte von Organisationen, z. B. der Jüdischen Gemeinde Berlin, des Hilfsvereines der deutschen Juden (dessen einer Vertreter der Hamburger Bankier Max Warburg ist), des Deutschisraelitischen Gemeindebundes, verschiedener nichtzionistischer Jugendverbände usw. Die „Vereinigung für das liberale Judentum" und der „Zentralverein" haben ihre Teilnahme abgelehnt, bevor sie noch dazu aufgefordert wurden. Dennoch gehören dem Initiativkomitee eine ganze Reihe von prominenten Mitgliedern sowohl des Zentralvereines aLs auch des liberalen Judentums an. Es ist zu erwarten, daß das Initiativkomitee die ersten Vertreter in der Agency selbst wählen wird, da die geplante Palästinakonferenz mit Rücksicht auf die Kürze der Zeit erst nach der konstituierenden Council-Tagung stattfinden kann. — In der Tschechoslowakei ist eine Palästinakonferenz für den 23. d. M. einberufen. Schwieriger ist die Durchführung in Polen, doch sind auch dort bereits Vorbereitungen im Gange; man denkt zunächst an die Einberufung einer Konferenz sämtlicher jüdischer Mandatare, Abgeordneten, Stadtverordneten usw. Auch in Rumänien, Bulgarien, Jugoslawien, Litauen und Lettland sind die Vorbereitungen ziemlich weit vorgeschritten, so daß zumindest ein Teil dieser Länder bereits bei der konstituierenden Sitzung vertreten sein wird. Schwieriger ist die Sachlage in Frankreich, wo bisher noch kein fester Plan über die Methode der Wahl des geeigneten Vertreters besteht.