Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1929)
- Article
- Das Pressewesen in Palästina
- Date
- 1929-06-01
- Page
- Seite 31 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Während die arabische Presse also ziemlich gleichmäßig über das Land verteilt ist, konzentrieren sich die hebräischen Zeitungen ausschließlich in Jerusalem und Tel-Aviv. Das Fehlen einer hebräischen Zeitung in Haifa ist auffällig. Verschiedene Versuche, dort Wochenblätter herauszugeben, sind immer wieder gescheitert. In der Gesamtsumme nimmt Jerusalem naturgemäß den ersten Platz mit 30 Publikationen — z= 50% ein, es folgt dann Tel-Aviv mit 14 oder beinahe einem Viertel. Zum Abschluß sei noch erwähnt, daß die Regierung eine Preßsektion unterhält, die dem Chief Secretary untersteht. Es arbeiten dort je ein arabischer und jüdischer Sekretär, die Auszüge aus den wichtigsten Artikeln in englischer Sprache zu machen haben. Der Liebenswürdigkeit der Herren Bendack und Simon verdanke ich die vorliegenden Angaben. Außer den oben angeführten palästinensischen Zeitungen erhält die Preßsektion auch auswärtige Zeitungen, so unter andern: „Haint" (Warschau), „Jüdische Rundschau" (Berlin) und — last, not least — „Palästina". Rundschau*) Politik. Von Dr. Ernst Simon, Jerusalem. Internationale Zusammenhänge: Die hier allzu leicht vergessene Tatsache, daß Erez Israel mitten in den Zusammenhängen der großen Weltpolitik steht, kommt dem palästinensischen Juden manchmal gerade bei kleinen, gleichsam anekdotischen Anlässen wieder ins Bewußtsein. So meldeten die Zeitungen vor einigen Wochen, daß der geplante Besuch des anglikanischen Erzbischofs von Canterbury auf ein Eingreifen des päpstlichen Staatssekretariats hin unterblieben sei, da die befreundete Kirchenmacht gebeten habe, in diesem politischen Augenblick von einem so aufsehenerregenden Schritte abzusehen. Dieser Nachricht folgte prompt das fällige Dementi, das die, zugegebenerweise, ursprünglich geplante und, gleichfalls zugegebenerweise, dann plötzlich aufgegebene Reise mit irgendwelchen harmlosen Schiffsverbindungen motivierte. Und zwischendurch, vorher und nachher, hörte man von einer angeblich geplanten Jerusalemreise des Papstes selbst, der seine neue Freiheit dazu benutzen wolle, um den nach Rom heiligsten Ort der Christenheit zu besuchen. Aber auch das wurde, und mit größerem Recht, bald endgültig dementiert. Was bleibt von alledem? Es bleibt der unzweifelhafte Eindruck einer erhöhten italienisch-katholischen Aktivität im nahen Orient, insbesondere in Palästina und Jerusalem. Schon vor dem weltgeschichtlichen Friedensschluß zwischen dem weltlichen und dem geistigen Schwert, zwischen Mussolini und dem Papst, hat sich jene Aktivität durch den Besuch des italienischen Kronprinzen in Jerusalem gezeigt, und diejenigen Kommentatoren des römischen Friedens mögen nicht unrecht haben, die eine seiner außenpolitischen Hauptmotive in dem faschistischen Wunsche sehen, *) Wir bemerken gegenüber verschiedenen Zuschriften über die Führung der „Rundschau", daß wir den Referenten volle Freiheit geben, ihren Standpunkt gegenüber den von ihnen besprochenen Vorkommnissen zu wahren, was in aller Zurückhaltung geschieht. Eine unpersönliche Objektivität gibt es gegenüber einer lebendigen Entwicklung nicht. Die. Red.