Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 2-3 (Februar 1929)
- Article
- Weibliche Friedensrichter [Nachricht]
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 83 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2379786-2379874-2379877--08750-2388850- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Weibliche Friedensrichter. Der Stadtrat von Tel-Aviv hat 57 männliche und 3 weibliche Friedensrichter ernannt. Nichtzulassung weiblicher Advokaten. Der Schwiegertochter des verstorbenen großen hebräischen Philosophen Achad Haam, Frau Ginsberg, die sich als Rechtsanwältin etabliert hat, wurde vom Jerusalemer Oberrichter untersagt, vor der Richterbank zu plädieren, da nach seiner Interpretation des palästinensischen Advokatengesetzes nur männliche Personen das Recht auf Ausübung der Advokatur vor Gericht haben. Frau Ginsberg hat an das Oberste Gericht appelliert. Abschluß eines Gerichtsabkommens zwischen Palästina und Ägypten. Am 12. Jänner wurde in Kairo nach dem „Haarez" ein Gerichtsvertrag zwischen den Regierungen von Palästina und Ägypten geschlossen. Im Namen der ägyptischen Regierung wurde das Abkommen von Dr. Afifi, dem ägyptischen Außenminister, unterzeichnet, während der Attorney General von Palästina, Mr. N. Bentwich, für den High Commissioner unterzeichnete. — Das Abkommen wird die Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern erleichtern, da künftig ein ägyptischer Kaufmann seinen Gläubiger in Palästina verklagen kann und die palästinensische Regierung den Urteilsspruch des Gerichtes vollziehen wird und umgekehrt. Früher mußten bei solchen Forderungen politische Verhandlungen zwischen den beiden Regierungen geführt werden, die viel Kosten und Zeit erforderten. Die Kriminalität. Wie einer Mitteilung des Jerusalemer Polizeidepartements zu entnehmen ist, ist eine beträchtliche Zunahme der Verbrechen in Palästina im Jahre 1928 zu verzeichnen gewesen. Es wurden 1928 in Palästina 4235 Verbrechen gegen 3656 im Jahre 1927 registriert. Im Jahre 1928 waren 118 Morde und 409 Sittlichkeitsattentate gegen Frauen gegenüber 84 Morden und 345 Sittlichkeitsattentaten im Jahre 1927 zu verzeichnen. Unter den gegenwärtig in Haft befindlichen 2478 Personen sind nur 81 Juden (1927 zählte man 1954 Haftgefangene). — Die Juden, die 18 bis 19% der Bevölkerung ausmachen, stellen also nur 3.3% der Zahl der Gefängnisinsassen. Die Zahl der kooperativen Gesellschaften. Im September 1928 waren 199 Gesellschaften auf kooperativer Grundlage in Palästina eingetragen, darunter 80 Gesellschaften für Landerwerb, Landbau und Häuserbau, 42 Spar- und Darlehensgenossenschaften, 25 Produktionsgenossenschaften, 41 Ackerbaugenossenschaften. An der Bewegung für Kooperation sind Juden und Deutsche, aber keine Araber beteiligt. Konflikt wegen Raheis Grab. Die Blätter melden aus Jerusalem: Zwischen der Jerusalemer jüdischen Gemeinde und dem Distriktskommissär von Jerusalem Major Keith-Roach ist im Zusammenhang mit der Reparaturbedürftigkeit des Rachel- Grabmals ein Konflikt entstanden. Die Kapelle über dem Grabe bedarf dringend einer Reparatur, die die Jeru3alemer jüdische Gemeinde in Angriff nehmen wollte. Keith Roach aber verweigerte die Erlaubnis zur Durchführung und begründete dies damit, daß neben den Juden auch die Moslems Rechte auf das Grab haben. Die Regierung, erklärte er, wolle selbst für die Reparatur des Grabmals Sorge tragen. Nach dieser Richtung wurde aber von den Regierungsbehörden nichts unternommen. Von jüdischer Seite wurde beim Oberkommissär Sir John Robert Chancellor interveniert. Der Oberkommissär befaßt sich gegenwärtig mit der Frage des Rechtes der Juden auf das Rachel-Grab. Beduinenüberfälle bei Chedera. Im vorigen Monat fanden zwei solche Überfälle statt, denen durch Eingreifen der Polizei ein Ende gemacht wurde. Man schreibt