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Palästina · 1929-02-01 · Heft 2-3 (Februar 1929) · p. Seite 62

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 2-3 (Februar 1929)
Article
Die Leder- und Schuhwirtschaft
Date
1929-02-01
Page
Seite 62 (sequence 2)
Language
German
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Jahre 1926 geltenden Zolltarif keinerlei Einfuhrzoll; Schuhwerk muß mit 12% Vom Werte verzollt werden. Im Lande selbst gibt es bereits eine Leder- und Schuhindustrie. Im Jahre 1926 existierten neben einer größeren Anzahl ganz kleiner Betriebe sechs größere Gerbereien mit zusammen 50 Arbeitern und £ 41.000 bis 42.000 Kapital. Ihr Hauptsitz ist Tel-Aviv. Im gleichen Jahre gab es neben zahlreichen, mehr handwerksmäßigen Betrieben sechs Schuhfabriken, unter ihnen eine mit 100 Arbeitern, eine mit 40 Arbeitern und die übrigen mit 10 bis 20 Arbeitern. Insgesamt wurden in der Schuhindustrie zirka 300 Arbeiter beschäftigt. Das investierte Kapital betrug 20.000 engl. Pfund. Im gegenwärtigen Augenblick existieren insgesamt 36 Industriefirmen der Lederindustrie mit £ 57.000 investiertem Kapital und 220 Arbeitern. Die Verringerung ist auf die Wirtschaftskrise zurückzuführen, die in den vergangenen beiden Jahren im Lande herrschte. Von diesen Firmen sind fünf Gerbereien und 31 Schuh- und Lederwarenfabriken. In Tel-Aviv allein gibt es jetzt zehn Schuhfabriken mit 142 Arbeitern und einer geschätzten Jahresproduktion von £ 43.000. 90% der ausgeführten Waren gehen nach Syrien. Man muß aber sagen, daß der Absatz noch nicht genügend entwickelt ist und daß die einheimischen Schuhfabriken noch keinen völlig sicheren Markt haben. Die industriellen Betriebe befinden sich durchweg in jüdischen Händen und arbeiten mit jüdischen Arbeitern. Die Araber kennen nur handwerksmäßige Betriebe. Es werden sowohl europäische wie arabische Schuhe hergestellt. Der Araber trägt ja zumeist eine Art von geschlossenen Sandalen. Die europäischen Schuhe werden im Lande in allen Arten fabriziert, gleichzeitig werden auch sämtliche Schuhsorten importiert. Die europäisch assimilierten reicheren städtischen Araber tragen aber zum Teil auch ihrerseits schon europäisches Schuhwerk. Sehr viel werden weiße Leinenschuhe getragen, insbesondere auch von Männern. Der Halbschuh beherrscht das Feld. In den Städten ist die Modeentwicklung in keiner Weise hinter europäischen Verhältnissen zurückgeblieben. Die Arbeiter tragen vielfach hohe Stiefel, Schaftstiefel und Ledergamaschen. In den letzten Jahren sind in den neuen Stadtvierteln der Städte auch eigentliche Schuhspezialgeschäfte entstanden. Sie traten neben die arabischen Basare, in welchen es allerdings hauptsächlich arabisches Schuhwerk zu kaufen gibt. Für das Geschäft mit Palästina vom Auslande aus ist es sehr wichtig, Näheres über die Zahlungsbedingungen zu wissen. Es wird sehr stark und sehr lange geborgt. Es empfiehlt sich für den Exporteur, Geschäfte nur unter der Bedingung abzuschließen, daß eine Bank als Treuhänder eintritt und die Konnossemente übernimmt. Die Anglo- Palestine Company in Tel-Aviv und Jerusalem hat für diesen Geschäftszweig eine besondere Abteilung eingerichtet. Wenn man auf diese Vorsichtsmaßregeln nicht achtet, so besteht die Gefahr, daß manche Käufer die Ware nicht abnehmen, die dann im Hafen lagert, nur schwer zurückzutransportieren ist und schließlich billig verkauft werden muß. Ferner empfiehlt es sich, Auskünfte bei den hierfür vorhandenen besonderen Gesellschaften einzuholen. Unter Beachtung dieser im ganzen Orientgeschäft notwendigen Vorsichtsmaßregeln ist es aber durchaus lohnend, das Palästinageschäft durchzuführen, das ja bei der ansteigenden Tendenz in der Landesentwicklung zwangsläufig anwachsen muß. Einzelne deutsche Exportfirmen sind hieran ja auch bereits nicht unerheblich beteiligt und pflegen diesen Zweig ihres Geschäftes mit großer Sorgfalt. Man betrachtet bei ihnen das Palästinageschäft als eine lohnende und für die Zukunft große Hoffnungen in sich bergende Angelegenheit.

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