Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1929)
- Article
- Erklärung des "Brith Schalom" [Nachricht]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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der Jugend das Verständnis dafür wecken, daß es möglich ist, Formen des Zusammenlebens zu finden, bei denen Juden und Araber in Palästina ein ungestörtes nationales Eigenleben führen können. Er will darauf hinwirken, daß die augenblickliche Fremdheit und Gegnerschaft nicht als ein notwendiger und dauernder Zustand betrachtet wird. Über allen noch unausgetragenen Gegensätzen und Kämpfen der Gegenwart soll der Gedanke thronen, daß beide Völker sich doch eines Tages zu friedlicher Zusammenarbeit finden werden. 2. Dem Brith Schalom schwebt ein binationales Palästina vor, in welchem beide Völker in völliger Gleichberechtigung leben, beide als gleich starke Faktoren das Schicksal des Landes bestimmend, ohne Rücksicht darauf, welches der beiden Völker das andere an Ziel überragt. Ebenso wie die wohlerworbenen Rechte der Araber nicht um Haaresbreite verkürzt werden dürfen, ebenso muß das Recht der Juden anerkannt werden, sich in ihrem alten Heimatlande ungestört nach ihrer nationalen Eigenart zu entwickeln und eine möglichst große Zahl ihrer Brüder an dieser Entwicklung teilnehmen zu lassen. Die Juden, die durch die Bibel und die Propheten Palästina zu einem Ausgangspunkt der Weltkultur gemacht haben, haben in der langen Zeit ihrer Zerstreuung niemals die Sehnsucht nach Palästina aufgegeben und täglich um Rückkehr gebeten. Millionen von Juden setzen alle Hoffnung für die Zukunft ihres Volkes darauf, daß in Palästina ein nationales jüdisches Zentrum entsteht. Das ist nur möglich, wenn die Juden in Palästina zahlenmäßig und wirtschaftlich so wachsen, daß ihre kulturellen Leistungen eine achtunggebietende Höhe erreichen. Aber das Wachstum der Juden soll, ob sie die Mehrheit der Bevölkerung bilden oder nicht, niemals eine Verschiebung des rechtlichen Zustandes zur Folge haben. Beide Völker sollen in alle Ewigkeit gleiche Rechte genießen, keines soll herrschen und keines soll dienen. 3. Die Frage, die zurzeit im Brennpunkt des Interesses steht und für die zukünftige Gestaltung Palästinas von einschneidender Bedeutung sein wird, ist die Frage der Verfassung. Der Standpunkt des Brith Schalom in dieser Frage ist der, daß eine fortschreitende Beteiligung der Bevölkerung an der Verwaltung des Landes wünschenswert ist. Wie eine solche Beteiligung im einzelnen beschaffen sein und auf welche Gebiete der Verwaltung und Gesetzgebung sie sich erstrecken soll, ist eine Frage, die nur in gemeinsamen Verhandlungen gelöst werden kann. Es ist möglich, daß solche Verhandlungen im Anfang zu keinen Resultaten führen werden, weil die Mauer des Mißtrauens zwischen beiden Völkern noch zu hoch ist. Dann müssen die Verhandlungen später wieder von neuem aufgenommen werden. Aber unsere stete Verhandlungsbereitschaft muß klar sein. Das arabische Volk muß wissen, daß wir bereit sind, mit ihm an der Entwicklung der Selbstverwaltung in Palästina mitzuarbeiten, sobald wir Garantien dafür bekommen, daß uns dadurch nicht der Weg zu unserem nationalen Ziele versperrt wird. 4. Der Brnh Schalom spricht heute nur für eine kleine Gruppe von Menschen. Er ist sich darüber klar, daß seine Bemühungen um eine friedliche Verständigung zwischen Arabern und Juden nicht von heute auf morgen zu Resultaten führen werden. Es ist eine Arbeit auf lange Sicht. In diesem Sinne bemüht sich der Brith Schalom in Wort und Schrift, aufklärend zu wirken und in beiden Völkern allmählich eine neue Einstellung zum Probleme des Zusammenlebens herbeizuführen. Dadurch soll der Boden für künftige Verhandlungen der Vertreter der beiden Völker geschaffen werden. Der Bri.h Schalom hofft, daß seine Stimme allmählich in beiden Völkern einen immer stärkeren Widerhall finden und sie zu gemeinsamer Arbeit zum Wohle des Landes führen wird, das ihnen beiden teuer ist.