Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 531

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Article
Die Angelegenheit der Klagemauer : die Behandlung seitens der Mandatskommission [Nachricht]
Date
1928-11-01
Page
Seite 531 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2379786-2379867-2379873--07978-2388036
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

53 t Während also die Kommission diese bedauerlichen Vorkommnisse ebenso, wie die vergangenen und gegenwärtigen Ursachen, die zu ihnen geführt und den ungünstigen Widerhall, den sie hervorgerufen haben, aufs lebhafteste bedauert, unterläßt sie es, einen Tadel betreffend die Personen auszusprechen, deren Handlungen oder Unterlassungen diese Vorfälle hervorgerufen oder verschärft haben. Solche Zwischen« falle müssen jedoch den Frieden und die Wohlfahrt Palästinas gefährden und alle diejenigen in der Welt betrüben, für die Palästina teuer und heilig ist. Die Mandatskommission hegt also den zuversichtlichen Glauben, daß keine Anstrengung gescheut werden wird, um einen gerechten und freundlichen Ausgleich herbeizuführen, der allein die Wiederholung ähnlicher Vorfälle verhindern kann. Zu diesem Zweck genügt es nicht, daß die Regierung von Palästina es bekanntgibt, daß sie bereit ist, zu vermitteln, wenn sie von irgend einer der Parteien angerufen wird, wie sie es bei einer früheren Gelegenheit getan hat. Es scheint nicht nur zweckmäßig, sondern geradezu unumgänglich notwendig zu sein, daß sie aktive Schritte unternimmt, um die beiden streitenden Parteien zu einer Einigung zu veranlassen, und daß sowohl Juden wie Moslems auf diese Schritte mit der aufrichtigen Bereitschaft reagieren, den Streitfall auf der Grundlage der vollen und gleichen Berücksichtigung der moralischen und materiellen Rechte beider Parteien beizulegen., . Die Kommission hofft zuversichtlich, daß keine Partei durch unvernünftige Ansprüche oder unduldsame Weigerung die Verantwortung dafür übernehmen wird, die Herbeiführung eines gerechten Ausgleiches vereitelt zu haben." Zum Schluß macht die Mandatskommission darauf aufmerksam, daß, falls kein Ausgleich gefunden werden kann, wenigstens provisorische Vereinbarungen getroffen werden müssen und daß keine Ruhestörungen versucht oder geduldet werden dürfen. Die Erregung in Palästina. Diese war anfangs sowohl in jüdischen Kreisen, als auch in arabischen sehr groß. Letztere stellte die Angelegenheit als einen Angriff der Juden auf heilige Stätten der Araber dar, da die Westmauer zur Omarmoschee gehöre. Die Araber begannen am 15. Oktober Bauarbeiten auf dem obersten Teil der Mauer auszuführen; angeblich sollte ein Minaret errichtet werden. Jüdische Proteste blieben wirkungslos, Der Waad Leumi und auch andere Kreise wendeten sich direkt an die Araber, um alle Mißverständnisse aufzuklären, da die Juden niemals die Frage des Besitzes der Klagemauer aufgeworfen haben. — Zur Stunde ist noch keine Klärung der Sachlage eingetreten; die Erregung zittert in der Presse nach. Die Erklärungen im Unterhaus. Auf verschiedene Anfragen, die in der Sitzung des englischen Unterhauses vom 13. November an ihn gestellt wurden, erwiderte der Kolonialminister Amery: Er beabsichtige dem Hause ein Weißbuch vorzulegen, in welchem die Intervention der Polizei und die Schritte, die ergriffen wurden, um die Gefahr weiterer Zwischenfälle hintanzuhalten, ausführlich dargelegt sind. Sache der Regierung ist es, den Status quo aufrechtzuerhalten. Die Aktion der Polizei hatte den Zweck, das empfindliche Gleichgewicht zu erhalten. Gleichzeitig beklagt es die Regierung, daß die jüdischen Andächtigen durch die Aktion der Polizei gestört worden sind. iSir Frank Sandersons Sorge wegen der Moslemiten ist unnötig. Während es nicht bestritten werden kann, daß die Aufseher des jüdischen Gottesdienstes gewisse Neuerungen eingeführt haben, soll gleichzeitig festgestellt werden, daß die Juden die Frage des Eigentumsrechtes an der Westmauer niemals aufgeworfen haben und auch nicht beabsichtigen, dies in Zukunft zu tun oder sonst etwas zu unternehmen, das die Unverletzlichkeit der moslemitischen heiligen Stätte irgendwie antasten könnte. Die Regierung glaubt, daß bei einem Nachlassen der noch herrschenden Erregung eine Schlichtung des Streitfalles in Freundschaft möglich sei. Die Zahl der Austritte aus der palästinensischen Einheitsgemeinde Knesseth Israel. Wie der „Dawar" erfährt, wurden Ende September durch die Vertreter der Agudas Jisroel und des Verbandes der Orthodoxen dem Waad Leumi die Listen der Anträge auf Austritt aus der Einheitsgemeinde Knesseth Israel übergeben. Danach beträgt die Gesamtzahl der Anträge 9000, davon 5000 Mitglieder der Agudas Jisroel und 4000 solche des Verbandes der Orthodoxen. Wie der „Dawar" weiter mitteilt, hat der Waad Leumi festgestellt, daß eine Anzahl der Anträge ohne Kenntnis der Antragsteller registriert wurde und daß weitere Anträge auf andere illegale Weise zustande gekommen sind. — Laut Meldungen der Presse wurden für die Einheitsgemeinde bisher rund 80.000 Mitglieder registriert. Die jüdische Bürgerpartei (Hitachduth Esrachith Leumith). Diese hielt vor kurzem ihre Jahreskonferenz in Tel-Aviv ab. Nebst Resolutionen über die neue Einwanderung, die Knesseth Israel, die Vorfälle an der Klagemauer, faßte sie auch eine solche betreffs Förderungr der Kolonisation auf privaten Boden (nebst einer Resolution für den KKL.), womit sie sich in Gegensatz zu den Anschauungen der Arbeiterklasse stellte.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.