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Palästina · 1928-08-01 · Heft 8-10 (August 1928) · p. Seite 471

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 8-10 (August 1928)
Article
[Rezension] / ad. bm.
Date
1928-08-01
Page
Seite 471 (sequence 2)
Language
German
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471 wie z. B. »An beiden Orten« (Jericho und Jesreel) »hat die Landwirtschaft zum Teil infolge der jüdischen Kolonisation ein so verändertes Aussehen erhalten, daß man kaum noch glauben kann, sich in dem dürren und verwilderten Palästina zu finden.« Aber gleich darauf kommt die Einschränkung, daß solchen »Versuchen« Grenzen gezogen seien. Bei »Tierzucht« findet man kein Wort über die von den Juden eingeführten Zuchtviehrassen, Kreuzungen, der großen Steigerung der Milchergiebigkeit. Von den landwirtschaftlichen Leistungen der Juden ist auch sonst nirgends die Rede. In dem Kapitel »Die Bewohner des Landes« wird mit breiter Ausführlichkeit das Aussehen, Leben, Wohnen etc. der arabischen Bevölkerung in Stadt und Land geschildert, für die Juden gibt es nur einige Sätze und von diesen ist mehr als die Hälfte aus dem Buche von 1908 entnommen. Guthe legt viel Gewicht auf die Verschiedenheit der jüdischen Typen, wegen welcher es nach ihm schwer sei, all diese Menschen für Angehörige ein und desselben Volkes zu halten! Die Einheit des Blutes ist nach Guthe nicht vorhanden. Bei Besprechung der Küstenebene wird von der großartigen Orangenzucht gesprochen, aber natürlich werden die Juden nicht erwähnt, sondern gesagt, daß diese Gärten ihre Ausdehnung und hohe Kultur der Arbeit — der deutschen Kolonisten verdanken! Tel-Aviv wird dafür von Guthe als »staunenswertes Denkmal der Entschlossenheit und Leistungsfähigkeit der Zionisten« bezeichnet. Bei der Schilderung Jerusalems erfahren wir von den Juden, der überwiegenden Majorität der Bevölkerung, gar nichts, mit Ausnahme von »Bezalel« und die neuen jüdischen Stadtviertel sind -ebensowenig erwähnt, wie die Universität. Von der modernen Wirtschaft, von Industrie, Schul- und Versuchswesen etc. ist in dem 172 Seiten starken Buch kein Wort enthalten. Unter 158 Abbildungen finden wir nur ganz wenige jüdische Objekte. Vom Ostjordanland sagt Guthe sehr richtig, daß es niemals eine eigene Geschichte gemacht oder gehabt hat, es ist stets von der Geschichte des eigentlichen Palästina abhängig geblieben. Der Autor, ein bekannter Bibelkenrier und Schätzer des Alten Testamentes, ist in seinem Palästina-Interesse, wie all seine Kollegen, christlich-religiös, daneben geographisch, geologisch und ethnographisch interessiert. Nach all diesen Seiten hin ist -das längst bekannte und geschätzte Buch sehr inhaltsreich und belehrend. Es macht jedoch anscheinend Guthe Schmerzen, daß heute durch das von ihm als Reliquie und Kuriosum vor Jahrzehnten durchforschte Land eine fieberhafte Aktivität pulst. Deshalb schiebt er alles, was in diese Sphäre gehört, beiseite, verdrängt es und gibt 1927 das Buch von 1908 mit ein paar winzigen Retuschen. Ein Bild des heutigen Palästina gibt er deshalb nicht. Er verschweigt nicht nur bedeutsame Tatsachen, sondern das ganze Buch ist von vornherein so angelegt, daß die Dynamik nicht zu ihrem Recht kommt. Tritt noch die zumindest im Unterbewußtsein wirkende Abneigung gegen den Zionismus hinzu, dann geht man eben blind vorbei an der Tatsache, daß dieser das Land vollkommen umgestaltet hat. Man muß aber dem Verfasser zubilligen, daß er wenigstens nicht, so wie sein Berufskollege Hoppe, der im selben Verlag ein »Volksbuch« über Palästina herausgab, den Zionismus herabwürdigt. ad. bm. »Palästina.« Von Superint. Fritz Hoppe. Verlag Velhagen & Klasing, Bielefeld. Das sehr hübsch ausgestattete und reich illustrierte Büchlein enthält sehr gut geschriebene Schilderungen des Landes wie des arabischen Volkslebens, am meisten über die den Christen heiligen Stätten. Es wäre natürlich gar nichts darüber zu sagen, daß von diesem Autor mit seinem christlich eingestellten Interesse der Faktor, der heute hauptsächlich die Entwicklung des Landes bestimmt, nur an ganz wenigen Stellen erwähnt wird, und daß er die Aussichten des Zionismus sehr gering einschätzt. Aber man muß sich ganz energisch gegen die antisemitische Tendenz verwahren, die in dem Buche eines gelehrten protestantischen Pastors enthalten ist. Sehr geistreich ist es schon, v/enn er Tel-Aviv ein städtisches »Ghetto« nennt und heute, in einem Palästinabuch, die Eignung des Juden zur Landwirtschaft bezweifelt. Im übrigen bringt der Verfasser es fertig, eine Reise durch das Emek zu beschreiben, ohne die jüdischen Kolonien zu erwähnen und über die in Judäa mit folgenden acht Worten zu berichten: »dann noch ein Ritt durch die jüdischen Kolonien.« Das alles zeigt schon, daß er die jüdischen Leistungen bagatellisiert, denen in einem 101 Seiten starken Buche zwei bis drei Seiten gewidmet sind. Was soll man aber dazu sagen, wenn er S. 50 den politischen Zionismus wie folgt charakterisiert: »Und diese Politik ist noch genau derselbe Zionismus, den einst Judas der Galiläer und Kaiphas und Hannas hatten und um dessentwillen sie Jesum ans Kreuz geschlagen haben: Gründung einer unabhängigen Judenschaft in Palästina, um von dort aus die anderen Völker zu beherrschen.« Das schmeckt stark nach den »Weisen von Zion« und' mit solchen Sätzen kann sich ein gelehrter Professor nur eine traurige Blamage holen. Denn daß die jüdischen Nationalisten in Palästina zur Zeit, als dieses Provinz des römischen. Weltreiches war, nach der Weltherrschaft gestrebt hätten, diese Entdeckung ist ebenso wissenschaftlich fundiert wie

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