Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 8-10 (August 1928)
- Article
- Die Arbeiterbibliothek [Nachricht]
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 465 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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465 auch Literatur fremder Sprachen, insbesondere russisch, polnisch, deutsch, englisch und französisch. Die Zahl der Schulen in Transjordanien. Nach dem letzten offiziellen Bericht ist deren Zahl 53 mit 133 Lehrern und 4270 Schülern. Außer diesen Regierungsanstalten gibt es noch 162 private, davon 86 mohammedanische mit 1611 und 76 Missionsschulen mit 2961 Schülern. Die arabischen Regierungsschulen. In einem Interview sagte Chefsekretär Luke, daß es 1920 171 solcher Schulen mit 10.000 Schülern gab und jetzt 360 Schulen mit 20.000 Schülern vorhanden sind. Weitere Anstalten können nur nach Maßgabe der Mittel gegründet werden. Solange es nicht genügend Schulen gäbe, könne die allgemeine Schulpflicht nicht eingeführt werden. Das Nationalhaus in Jerusalem. Das Urteil in dem Wettbewerb um den Plan des Nationalhauses in Jerusalem, das die Büros der Zionistischen Exekutive und der nationalen Fonds aufnehmen soll, ist jetzt gefällt worden. Der erste Preis ist Rattner aus Haifa, der zweite Krakauer, der dritte Kuczinski, der vierte Kaufmann und der fünfte Hecker zugefallen. — Insgesamt sind 38 Arbeiten eingereicht worden. Die preisgekrönten Pläne wurden dem Publikum zugänglich gemacht. Preisrichter war der bekannte Wiener Architekt Prof. Frank, Ing. Dr. Markus Reiner und Architekt Chaikin. Prof. Frank über die Bauweise in Palästina. Prof. Dr. Josef Frank, ein führender Architekt Wiens, war (wie oben berichtet) Vorsitzender der Jury für die Entwürfe zum Bau des Hauses der Zion. Exekution in Jerusalem. Einem Redakteur der »Neuen Welt« gegenüber äußerte er sich in einem Interview (in Nr. 52) über verschiedene Fragen der Bauweise im Lande wie folgt: Was zunächst die Frage des »palästinensischen Stils« betrifft, der von mancher Seite angestrebt wird und über dessen vorr aussichtliche Entwicklung Frank insbesondere von Bialik befragt wurde, sagte er; Der neue Stil werde in Palästina ebenso wie anderswo international sein, zumal der moderne internationale Baustil (bedingt durch das Material und die zeitgemäße Wohnbaukultur) sich an den orientalischen Stil der Vergangenheit anlehnt. Vor allem sei nicht zu. wünschen, daß man immer wieder die Bauart der Moscheen imitiere. Da es jetzt vortreffliche Isolierungsmittel gibt, seien auch im Orient die dicken Mauern überflüssig geworden, also unzweckmäßig, ebenso die winzigen Fenster. Hingegen bedinge das Klima, daß die Fensteröffnungen, insbesondere die der Wohnräume, durchaus nach dem Westen gehen, worauf die Araber bei ihren Bauten niemals Rücksicht genommen haben. — Das häufige, mitunter sehr krasse Aburteil über das »Bauungetüm« Tel-Aviv teilt Professor Frank nicht. Eine Stadt, die in so kurzer Zeit gebaut worden sei, könne nicht anders aussehen. Hingegen seien die einzelnen Stadtteile sehr charakteristisch für ihre Bewohner, die ja aus den verschiedensten Ländern nach Palästina gekommen sind. Uebrigens hätten die meisten Häuser kurzfristige Lebensdauer und man müsse sich über einzelne Bauexzesse nicht sonderlich aufregen. Was Jerusalem anlangt, hatte Professor Frank sehr gute Eindrücke. Die neuen Bauten seien einheitlicher als in Europa, Das verwendete ausgezeichnete Material, das Gebot der Sparsamkeit und das Prinzip der Dachlosigkeit hätten hier günstig zusammengewirkt. Was hingegen gegenwärtig die Engländer bauen, sei nicht erfreulich, und der nach Franks Meinung recht verunglückte Bau der Universitätsbibliothek keine Aktivpost des jüdischen Aufbaues, denn er finde ihn weder zweckmäßig noch schön. Im allgemeinen lasse sich mit Bewunderung feststellen, daß die jungen Juden Palästinas ganz ausgezeichnete Bauarbeiter geworden sind, daß man städtebaulich und in bezug auf die Bauten sowie Anlagen in den landwirtschaftlichen Siedlungen auch bisher gut beraten war, daß in einer kurzen Spanne Zeit sehr viel geleistet, eine treffliche Grundlage geschaffen wurde. Für die Zukunft sei die rechtzeitige Erkennung der Notwendigkeiten, die Vermeidung der Fehler, wie sie in Tel-Aviv begangen wurden, und — die zweckmäßige Verwendung der vorhandenen Kräfte zu wünschen, denn leider seien auch in Palästina gerade die besten Architekten zu wenig beschäftigt. Der Grundsatz: »Heimatstil ist nicht der beste«, möge erkannt und befolgt werden. Professor Frank fand es bezeichnend, daß man an den eingereichten Projekten für das zionistische Amtsgebäude, wie bei europäischen Konkurrenzen, die verschiedensten Richtungen erkennen konnte und daß die jüdischen Architekten Palästina nach enger Fühlungnahme mit den Zentren Europas streben, um aller Errungenschaften der modernen Technik und Architektur für ihre schöne und geliebte Aufgabe teilhaftig zu bleiben. Die Idee der »Stadt im Emek« hält Professor Frank für verfrüht. Aber der Kranz von Gartenansiedlungen rund um Jerusalem sei erst der verheißungsvolle Anfang. Herzls Bemerkung, das alte Jerusalem sei in ein Museum zu verwandeln, werde sich aus städtebaulichen Gründen ehestens bewahrheiten müssen, denn die Häuser Alt-