Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1928-08-01 · Heft 8-10 (August 1928) · p. Seite 458

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 8-10 (August 1928)
Article
Die Festsetzung eines Minimallohnes [Nachricht]
Date
1928-08-01
Page
Seite 458 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2379786-2379867-2379872--07745-2387477
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

458 Die Festsetzung eines Minimallahnes. Die von der Regierung eingesetzte Kommission zur Prüfung der Frage des Arbeitslohnes hat ihre Untersuchungen beendet. Der Bericht selbst ist nicht veröffentlicht worden, aber die Presse nennt unter den wichtigsten Forderungen, daß die Höhe des Mininrallohnes auf Mil 120 festgesetzt wurde. Im ,,Haarez" vom 12. August nimmt M. M. dazu Stellung, und weist auf die Schwierigkeiten hin, die sich bei der Behandlung dieser Frage naturgemäß ergeben müssen. Die Festsetzung eines niedrigen Arbeitslohnes nehme einem großen Teil der palästinensischen Arbeiterschaft die Möglichkeit, an den großen zur Vergebung kommenden Arbeiten teilzunehmen, da ihre MiinimaLbedürfnisse dadurch nicht gedeckt werden. Auf der anderen Seite könne nicht übersehen werden, daß die künstliche Festlegung eines hohen Minimums unerwünschte Konsequenzen tragen könne, da ein hoher Arbeitslohn eine starke Anziehungskraft auf die Arbeiter in den Dörfern ausüben werde und so nicht nur neue Kräfte aus dem Lande selbst, sondern auch ein Zustrom billiger Arbeitskräfte a.us den umliegenden Ländern auf den palästinensischen Arbeitsmarkt erwarten lasse. Die Anfänge dieses Prozesses könne man bereits jetzt verfolgen. Der Minimallohn von Mil 120, wie er nach den Pressenachrichten durch die Kommission festgesetzt wurd-e, sei allerdings in dieser Höhe nicht als glücklich zu bezeichnen. Er könne vielleicht eine Kategorie von Afbeitern mit sehr geringen Lebensansprüchen zufriedenstellen, aber niemals auch nur die Existenz von Arbeitern mit bescheidenen Ansprüchen sichern. Bei den gegenwärtigen Verhältnissen im Lande und angesichts der herrschenden Wohnungs- und Lebensmittelteuerung könne ein europäischer Arbeiter in keinem Falle mit diesem geringen Lohne auskommen. Wenn die Regierung die Tendenz, diesen Minimallohn zu dem normalen Lohn zu machen, nicht energisch zurückweise, so sei die Teilnahme des jüdischen Arbeiters an den gesamten Regierungsarbeiten in Zukunft gefährdet. Gerade in diesem Augenblick, vor dem Beginn der großen Hafenarbeiten, könne auf die Wichtigkeit dieses Punktes nicht genug hingewiesen werden und dürfte insbesondere das von der Kommission aufgestellte Existenzminimum nicht mit dem Begriff eines angemessenen Arbeitslohnes („fair wage"), wie es in dem Anleihegesetz den Arbeitern zugesichert wurde, gleichgesetzt werden. Die Arbeitslöhne der Landwirtschaft, Bei der Zählung der Histadruth im Frühjahr 1928 wurde bei 1879 landwirtschaftlichen Arbeitern festgestellt; daß von den Tagarbeitern 40 bis 100 Müs, 51 von 100 bis 140, 401- 150, 33, von 160 bis 170,844: 175,, 455 von 180 bis 250, 41 von 260 bis 300, und 14 über 300 Müs per Tag (1 Mil zirka 2 Pfennige) erhalten. Von den Arbeitern mit Monatsgehalt hatten 6 bis 2 Pfund, 7 von 2 bis 3, 66 von 4 bis 8 und 9 über 10 Pfund per Monat. Die Arbeit beim Haifaer Hafenbau; Der arabische Aktionsausschuß hat Resolutionen angenommen, in denen er für den künftigen Hafenbau gleiche Entlohnung für Araber und Juden fordert, die entsprechend ihrer. Bevölkerungszahl verwendet werden sollen. Es sollen keine ausländischen Arbeiter importiert werden. Araber seien an der Leitung des Baues zu beteiligen. Der Misrad Kablani, Diese von der Histadruth gebildete Gesellschaft zur Durchumter dem Namen „Jachin" (p^*)» das heißt „er wird vorbereiten", registriert wor- Bührung landwirtschaftlicher Arbeiten als Beauftragter für fremde Rechnung, ist jetzt den, und zwar als Tochtergesellschaft des „Nar", Bericht des Internationalen Arbeitsamtes. Der Leiter des Internationalen Arbeitsamtes des Völkerbundes, Albert Thomas, der bekanntlich vor kurzem selbst in Palästina war, hat für die am 30. Mai in Genf stattgehabte XI. internationale Arbeiterkonferenz einen Bericht hergestellt, in welchem es mit Bezug auf Palästina unter anderem heißt; Im Jahre 1927 kamen zu viele Einwanderer nach Palästina, als daß sie sofort vom Lande hätten absorbiert werden können. Dies mußte Arbeitslosigkeit im Gefolge haben. Die Regierung und die Zionistische Organisation waren sehr bemiüiht die Arbeitslosigkeit zu lindern. Einer Besserung der Arbeitsbedingungen steht der Umstand entgegen, daß die Lebensbedürfnisse und die Kulturstufe der arabischen Arbeiter ganz andere sind als die der jüdischen Arbeiter, Eine Sonderkommissioh 'beschäftigt sich mit der Frage der Einführung eines Minimallohnes, der höher sein soll als der Lohn der arabischen, aber niedriger als der des jüdischen Arbeiters. Den Resultaten der Arbeiten dieser Kommission ward mit Interesse entgegengesehen. Untrüglbare Anzeichen einer Annäherung zwischen den beiden Bevölkerungsschichten in Palästina sind vorhanden. Vom wirtschaftlichen, wie vom politischen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.