Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 8-10 (August 1928)
- Article
- Der arabische Kongress : Pressestimmen [Nachricht]
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 423 (sequence 1)
- Language
- German
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423 Pressestimmen. In der »Jüdischen Rundschau« vom 10. Juli 1928 (Nr. 54) bespricht Josef Friedfeld die Wendung, welche durch diesen Kongreß in der arabischen Politik eingetreten sei. Früher sei diese durch die Familienkonflilfte der Führer beherrscht worden, nach außen war sie einfach ein extremistischer Kampf gegen England und die Balfour-Deklaration. Dieser Kongreß, der siebente, hat nicht gegen Mandat und Balfour- Deklaration Stellung genommen. Transjordanien, Verfassung. Das soeben veröffentlichte Wahlgesetz für Transjordanien sieht die Bildung eines 15 Mitglieder umfassenden Parlamentes vor, dessen Abgeordnete sich zusammensetzen sollen aüs 9 Moslems, 3 Christen, 2 Vertretern von Beduienstämmen und 1 Tscherkessen. Alle männlichen Eingeborenen über 18 Jahre sollen wahlberechtigt sein, mit Ausnahme der Beduinen. Je 200 Urwähler wählen einen Wahlmann, 13 Abgeordnete werden gewählt, zwei der Beduinenstämme (von Süd und Nord) ernennt ein vom Emir eingesetztes Wahlkomitee. — Nach neuesten Nachrichten werden aber die Wahlen noch nicht vorgenommen. Chefsekretär Luke erklärte, daß das Parlament erst dann gewählt werden wird, wenn das Land auf eine Stufe gebracht sein wird, daß seine" Befähigung, sich selbst zu regieren, außer Zweifel stehen wird. — Die Mandatskommission erklärte in ihrem letzten Bericht an den Völkerbundrat, daß nach dem Mandatstext die Uebertragung von Befugnissen des Mandatars an den Emir nicht statthaft seien. (Siehe darüber unter „Jewish Agency": Bericht der Mandatskommission.) Der Entwurf eines Emjbürgerungsgesetzes sieht vor, daß alle ehemals ottomanischen Bürger, die seit August 1924 in Transjordanien wohnen, automatisch transjordanische Bürger werden. Die Einwanderung von Juden/ Wie wir weiter unten (unter »Jewish Agency«) berichten, hat die Mandatskommission des Völkerbundes erklärt, daß Transjordanien nicht das Recht hat, die Einwanderung von jüdischen Bürgern jener Länder, die Mitglieder des Völkerbundes sind, zu verbieten. Palästina gegenüber, das nicht Mitglied des Völkerbundes sei, bestehe dieses Recht. Jewish Agency. Die Sitzung der Mandatskommission. Der Bericht der Regierung, Zu der Mitte Juni stattgehabten Sitzung der Mandatskommission des Völkerbundes hat die englische Regierung einen Bericht unterbreitet. In diesem wird einleitend festgestellt, daß im Verlauf von 1927 die jüdische Kolonisation in Palästina unter einem schweren finanziellen Druck gestanden hat, der noch durch die Trockenheit im Süden des Landes und durch die Wirkungen der Erdbeben im Juli verstärkt worden ist. Die öffentliche Ordnung wurde gut aufrecht erhalten, der Fortschritt in den administrativen Reformen ging ungehindert vonstatten. Wenn nun das vergangene Jahr eine Periode wirtschaftlicher Depression bedeutete, heißt es in dem Bericht weiter, so würde es dennoch eine Uebertreibung sein, von einer »finanziellen Krise« zu sprechen. Indessen ist eine sofortige Besserung nicht als wahrscheinlich anzusehen; in den nächsten Jahren wird die Regierung vor dem Problem stehen, wie sie, ohne der Bevölkerung eines kleinen und wenig entwickelten Landes ungebührliche Lasten aufzuerlegen, die Mittel beschaffen könnte, um eine gut funktionierende Verwaltung aufrechtzuerhalten, die relativ hohen Kosten für die öffentliche Sicherheit zu bestreiten, die verschiedenen, durch Vertrag und anderswie Palästina auferlegten Schulden zurückzuzahlen und für die Tilgung der im November v. J. in London placierten Anleihe in Höhe von 4,475.000 Pfund Sterling Vorsorge zu treffen. Im Berichtsjahre war eine Abnahme der freiwilligen Subskriptionen für die zionistischen Fonds seitens der Weltjudenheit, sowie eine Verminderung des Zuflusses von Privatkapital aus dem Auslande zu verzeichnen. Diese Erscheinungen sind eng mit der jüdischen Einwanderung verbunden, da Einwanderung und lokale Handelstätigkeit einen Anreiz für zionistische Begeisterung in Palästina wie im Auslande bilden. Eine Einschränkung der Immigration, die dem Lande in den drei Jahren 1924 bis 1926 eine neue Bevölkerung von mehr als 50.000 Personen gebracht hat, wurde notwendig, Palästina konnte in einer so kurzen Zeit eine so große Zahl von Einwanderern nicht absorbieren; die vorhandenen Hilfsquellen reichten nicht hin, um den wirtschaftlichen Bedürfnissen dieser Bevölkerung nachzukommen. Die verstärkte Einwanderung hatte eine allgemeine Preissteigerung, besonders in Immobilien, zur Folge. Die Kosten der Ansiedlung erhöhten sich, jüdisches Privatkapital wurde in lokalen Industrien und Grundstücken in abnormer Höhe angelegt, die zionistischen Fonds wurden von der Anlage in produktive Werte abgelenkt, da sie für den erhöhten Dienst der