Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 8-10 (August 1928)
- Article
- Chefsekretär Luke [Nachricht]
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 422 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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- Haifa 1× ep/1047930
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422 raschenden Veränderungen in der Verwaltung zu erwarten. »Unsere Politik wird bedächtige Wege gehen.« Ausweisungen von Kommunismen. Wegen der Ausweisung einiger Kommunisten kam es im Juni in Jerusalem und anderen Städten zu Demonstrationen, in Jerusalem gab es dabei einen Zusammenstoß mit der Polizei. Wegen der von der Polizei gegen drei verhaftete Kommunisten angewendeten Prügelstrafe kam es zu lebhaften Protesten der Arbeiterparteien und Interpellationen im englischen Parlament. Lord Plumer gab hierauf eine Verordnung heraus, wonach fortan die Prügelstrafe für Widersetzlichkeiten der Häftlinge im Jerusalemer Zentralgefängnis in jedem einzelnen Fall nur mit Zustimmung des Chefsekretärs der Regierung vollzogen werden dürfe. Die Verhandlungen Englands mit Ibn Saud sind unterbrochen worden, da sich dieser nach Mekka begeben mußte. Sir Gilbert Clayton ist nach London zurückgekehrt. Neuestens verlautet, daß sie gescheitert seien. König Feisal von Irak, der Sohn des von Ibn Saud entthronten Königs Hussein von Hedschas, verweigere diesem die offizielle Anerkennung und verlange die Herausgabe des von ihm beschlagnahmten bedeutenden Privatvermögens seines Vaters. Wichtiger ist aber, daß Ibn Saud in die definitive Abtretung Maans und Akabas an Transjordanien nicht einwilligt und ebenso nicht in die geplante Grenzberichtigung mit Irak. Auch die in Haifa abgehaltene Konferenz zur Regelung der Besitzverhältnisse der Hedschasbahn ist gescheitert, weil Ibn Saud gegen sie Einspruch erhob und die Bahn als muslimisches Kirchengut beansprucht. Wie der bekannte Arabienkenner Philby den »Daily News« aus Jedda schreibt, ist Ibn Saud durchaus friedlich gesinnt. Eine Hauptschwierigkeit bei den Verhandlungen ist die Weigerung Iraks, einige Grenzfestungen zu schleifen, was schon 1922 vereinbart worden war. Oberkommissär Dobbs äußerte sich darüber, daß jene Festungen 30 Meilen und mehr von der Grenze entfernt seien und im Zwischenraum Brunnen angelegt sind, Der arabische Kongreß. Der Bericht. Die »Jüdische Rundschau« bringt folgende Nachricht über den Kongreß: Nach Ueberwindung der unübersteiglich scheinenden Schwierigkeiten, die insbesondere durch die scharfen Parteigegensätze sowie durch die Feindschaft zwischen Christen und Mohammedanern hervorgerufen waren, ist nunmehr doch am 20. Juni in Jerusalem der 7. palästinensisch-arabische Kongreß zusammengetreten. Anwesend waren 210 Delegierte, unter ihnen 42 Christen. Einen großen Raum in den Verhandlungen nahm die Frage der Schaffung einer Gesetzgebenden Körperschaft (Legislative Council) ein. Es wurde beschlossen, an den Völkerbund, an das britische Kolonialamt und an führende Zeitungen Englands je zwei Telegramme zu senden: In dem ersten wird festgestellt, daß Palästina seit der britischen Okkupation ohne Parlament und ohne Selbstbestimmungsrecht ist und darum sehr zu leiden hat. In dem zweiten Telegramm wird gegen die Feststellung von Colonel Symes vor der Mandatskommission des Völkerbundes, daß sich die Lage Palästinas gebessert und das Land sich auf dem Wege zur Selbstregierung entwickelt, protestiert. Der Kongreß sandte telegraphische Glückwünsche an die Konstituierende Versammlung Syriens, Der Kongreß befaßte sich auch mit Schulfragen und anderen Problemen. Nach der Wahl einer Exekutive, in der alle an dem Kongreß beteiligt gewesenen Parteien vertreten sind, wurden die öffentlichen Verhandlungen unterbrochen. Das an den Völkerbund entsandte Telegramm lautet: »In einer einstimmigen Resolution hat der in Jerusalem tagende Araberkongreß, auf dem alle arabischen Parteien, die Araber mohammedanischer und christlicher Konfession vertreten sind, beschlossen, hiermit sein Recht auf Errichtung eines demokratisch-parlamentarischen Regierungssystems zu verlangen. Es ist die Pflicht des Völkerbundes, dafür zu sorgen, daß Palästina nach zehn Jahren einer absolutistischen Kolonialverwaltung in Uebereinstimmung mit dem Völkerbundstatut und den Versprechungen, die die alliierten Mächte den Arabern gegeben haben, ein solches Regierungssystem bewilligt erhalte. Palästina steht auf gleichem Fuße mit den arabischen Nachbarländern, die sich einer parlamentarischen Regierung erfreuen. Das Volk Palästinas, das die absolutistische Kolonialverwaltung nicht länger dulden will und kann, besteht mit allem Nachdruck auf der Forderung, daß eine verfassunggebende Versammlung einberufen werde, die aus eigenem Recht tagt, um so die Errichtung einer demokratisch-parlamentarischen Regierung zu gewährleisten.« Der Kongreß hat ferner einstimmig eine Resolution gefaßt, in der verlangt wird, daß die Ausbeutung der Kalischätze des Toten Meeres durch die Regierung erfolgen solle; unter keinen Umständen dürfe eine Konzession an Zionisten oder zionistische Organisationen gegeben werden. Dies wird in der Resolution mit der Behauptung begründet, das Schicksal der Ruthenberg-Konzession habe gezeigt, daß die Zionisten auch alle wirtschaftlichen Unternehmungen zu politischen Zwecken mißbrauchen;